Die "Cloud Atlas"-Regisseure: "Wir wollen beste Unterhaltung"

Tom Tykwer und Lana und Andy Wachowski im Interview

Die "Cloud Atlas"-Regisseure: "Wir wollen beste Unterhaltung" - © Kultur
Die "Cloud Atlas"-Regisseure: "Wir wollen beste Unterhaltung" | © Kultur

Berlin. "Lola Rennt" trifft "Matrix", Berlin trifft Chicago, ein mediengewandter Filmemacher trifft zwei öffentlichkeitsscheue Visionäre – vielleicht brauchte es genau diese Mischung, um den als unverfilmbar geltenden Roman "Cloud Atlas" von David Mitchell doch noch auf die große Leinwand zu bringen. Zu dritt haben sich Tom Tykwer (47) und die Wachowski-Geschwister Lana (vormals Larry, 47) und Andy (44) vor vier Jahren ans Werk gemacht. André Wesche traf die Regisseure in Berlin zum Gespräch über "Cloud Atlas".

Drei Regisseure, ein Film – wie funktioniert das?
ANDY WACHOWSKI:
Film ist ein Medium, das auf Zusammenarbeit basiert. Es steht immer ein Kollektiv dahinter. Drei Regisseure zu haben, ist nur die logische Erweiterung des kreativen Prozesses.
LANA WACHOWSKI: Haben Sie es jemals hinterfragt, wenn drei Autoren an einem Film geschrieben haben?
TOM TYKWER: Dabei ist doch gerade das Schreiben der intimste und speziellste Prozess beim Filmemachen, man assoziiert ihn gern mit Einsamkeit. Wenn man Regie führt, ist das ein komplett sozialisierter Vorgang. Kommunikation ist deine Hauptaufgabe. Wir drei harmonisieren sehr gut miteinander, wir pflegen eine liebevolle Beziehung. Es ist wie in einer Ehe. Wenn du den richtigen Partner gefunden hast, ist er eine Erweiterung deiner selbst.

US-Regisseur Andy Wachowski, US-Schauspieler Tom Hanks, US-Schauspielerin Halle Berry, der deutsche Regisseur Tom Tykwer und seine US-Kollegin Lana Wachowski in Berlin bei der Premiere des Films "Cloud Atlas" im Kino CineStar am Potsdamer Platz. - © FOTO: DPA
US-Regisseur Andy Wachowski, US-Schauspieler Tom Hanks, US-Schauspielerin Halle Berry, der deutsche Regisseur Tom Tykwer und seine US-Kollegin Lana Wachowski in Berlin bei der Premiere des Films "Cloud Atlas" im Kino CineStar am Potsdamer Platz. | © FOTO: DPA

Aber auch in der besten Ehe fliegen manchmal die Fetzen.
TYKWER:
In einer Ehe, die auf Liebe basiert, findet man immer einen Weg, um miteinander zu kommunizieren. Man begibt sich nie auf ein Terrain, das sich als zerstörerisch erweisen könnte.
A. WACHOWSKI: Unsere Auseinandersetzungen drehten sich eben nicht darum, wer die Zahnpasta-Tube offen gelassen hat, sondern wer den besseren Caterer hat.
TYKWER: Die Problemlösungen, die man gemeinsam findet, sind in der Regel besser als jene, die einem allein in den Sinn kommen. Außerdem glaube ich fest an Dreiergruppen, die 3 ist eine magische Zahl.
A. WACHOWSKI: Man kann auf die dreifachen Ressourcen zurückgreifen, wenn Schwierigkeiten auftauchen. Wir können die Probleme triangulieren, das ist schneller und einfacher.

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Gab es trotzdem Momente der Verzweiflung?
L. WACHOWSKI:
Der Film hätte nicht überleben können, wäre seine Herstellung nicht eine so freudvolle Erfahrung gewesen. Ohne Bezahlung haben wir uns für vier Jahre in diese Aufgabe gestürzt. Es war absolut zermürbend, das Geld aufzutreiben. Der Dreh war eine große Herausforderung. Wir hätten das nie durchgehalten, wenn es nicht großen Spaß gemacht hätte. Dieser Film besteht in seiner Gänze aus Mut und Liebe.

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