Paderborn Hans Magnus Enzensberger zieht es nach Paderborn

Der Dichter und Intellektuelle im Heinz-Nixdorf-Forum

Hans Magnus Enzensberger zieht es nach Paderborn - © Kultur
Hans Magnus Enzensberger zieht es nach Paderborn | © Kultur

Paderborn. Er ist inzwischen in einem Alter, wo man sich zweimal überlegt, ob etwas unbedingt sein muss. Muss Hans Magnus Enzensberger, der in wenigen Tagen 83 wird, unbedingt aus dem schönen München nach Paderborn reisen, um dort aus eigenen Texten zu lesen und Bücher für ihm unbekannte Menschen zu signieren? Der vielgefragte Libero unter Deutschlands Intellektuellen, war am Dienstag in Paderborn, aber "nicht aus reiner Liebe zu der Stadt", wie er lächelnd bekennt.

HME, wie sein Name gern zur Institution abgekürzt wird, kam wegen einer anderen Institution: HNF – das Heinz-Nixdorf-Museumsforum. Der prominente Dichter, Schriftsteller und Essayist interessiert sich notorisch für unendlich viele Sachen, aber besonders leidenschaftlich für Maschinen und Automate.

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Auf diesem Gebiet hat das HNF einiges zu bieten, und nicht nur Computer. "Allein in der Schreibmaschinen-Ausstellung könnte ich ganze Tage zubringen", sagt Enzensberger am Dienstag schwärmerisch. Außerdem schätze er die Unterhaltung mit den Museums-Fachleuten. "Die wissen ja was. Ich will schließlich auch was davon haben." Woher seine Faszination für Maschinen aller Art rührt? "Da muss man ein bisschen biografisch werden", erzählt Enzensberger im gemäßigt bayrischen Singsang. Seine sehnige, große Gestalt scheint im großzügig geschnittenen Jackett etwas zu versinken.

"Ich wollte das damals alles verstehen"

"Mein Vater war von Beruf Fernmeldeingenieur. Er war in Bayern für die Umstellung von Fernsprech-Handvermittlung auf Verstärkerämter, also die vollständige Automatisierung zuständig. Ich wollte das damals alles verstehen und wissen, auch, was man vielleicht noch alles automatisieren könnte." Dieser Spur sei er in seinem Leben einfach gefolgt. "Das war ein ganz normaler Vorgang. Ich fand das spannend."

Hans Magnus Enzensberger am Dienstag im Museumsfoyer vor dem von ihm abgefassten Credo des Heinz-Nixdorf-Forums. - © FOTO: MARC KÖPPELMANN
Hans Magnus Enzensberger am Dienstag im Museumsfoyer vor dem von ihm abgefassten Credo des Heinz-Nixdorf-Forums. | © FOTO: MARC KÖPPELMANN

So gesehen, ist es nicht ganz so seltsam, dass Enzensberger bereits 1967 in der von ihm herausgegebenen, Diskurs-leitenden Zeitschrift Kursbuch ausführlich über einen gewissen Alan Turing schrieb ("Können Maschinen denken?"). Da war hierzulande über den genialen "Enigma"-Entschlüssler und über Bletchley Park, die Zentrale der britischen Wehrmachtscode-Knacker, so gut wie nichts bekannt.

In seiner Balladen-Sammlung "Mausoleum" (1975) zeichnet Enzensberger ein einfühlsames Porträt des Mathematikers und Menschen Alan Turing. Turing nahm sich 1954 das Leben, mutmaßlich, weil er wegen seiner Homosexualität angefeindet wurde. "Es stellt sich die Frage, womit außergewöhnliche Leistungen bezahlt werden", sagt Enzensberger nachdenklich. "Turing war ein merkwürdiger Mensch. In diesem Haus hier gibt es sehr viele merkwürdige Personen, die für ihre Begabung einen hohen Preis gezahlt haben."

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