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VON HEIKE KRÜGER

Reise durch den Soundtrack der Jugend

Die Kultband Supertramp begeistert 4.500 Zuhörer der Generation 40plus in Halle mit ihren vertonten Geschichten

Rick Davies haut auch nach 40 Jahren mit Verve in die Tasten. - © FOTO: A. HEIM
Rick Davies haut auch nach 40 Jahren mit Verve in die Tasten. | © FOTO: A. HEIM

Halle. Sie verschwinden so unprätentiös und lautlos von der Bühne wie sie dieselbe betreten hatten. Dazwischen liegen zwei prall gefüllte Stunden, in denen die achtköpfige Band um Supertramp-Gründer Rick Davies mit vielen alten Hits 4.500 Zuschauer immer wieder zu Begeisterungsstürmen hinreißt.

Supertramp ist auf Welttour und hat sich für seinen Deutschlandauftakt das westfälische Halle auserkoren. Saxofonist John Helliwell hat sich für den Abend im Gerry Weber Stadion neue Schuhe gekauft und Rick Davies freut sich sichtlich, nach acht Jahren mal wieder in der Gegend zu sein.

Am Verhalten der Zuschauer, denen das Wiedersehen mit der Kultband ihrer Jugend immerhin einen stattlichen Ticketpreis wert war, lässt sich ablesen, welche Bedeutung Supertramp für die Generation 40plus heute noch hat. Stücke wie "Give a little bit", "School" oder "It’s raining again" ziehen die Leute schon bald von den Sitzen und animieren zum frenetischen Klatschen. Das Opus "Crime of the Century", von unaufdringlichen, künstlerischen Filmeinspielungen begleitet, entfaltet eine faszinierende klangliche Dichte und gibt den gut aufgestellten Musikern Raum, ihre individuellen Stärken zu zeigen.

Neben Rick Davies mit der jung gebliebenen, etwas schnarrenden und für den typischen Supertramp-Sound verantwortlichen Stimme verblüfft Jesse Siebenberg. Der Sohn des langjährigen Drummers Bob Siebenberg macht als Gitarrist eine gute Figur -seine stimmliche Ähnlichkeit mit Ex-Supertramp Roger Hodgsons Falsettgesang aber, dem er seine eigene Expressivität zusetzte, ist geradezu faszinierend.

Davies’ stakkatoartiges Klavierspiel, eine lockere und mit offensichtlicher Spielfreude agierende Band überzeugten auch Skeptiker davon, dass Supertramp nach 40 Jahren nicht zum alten Eisen gehört. Dabei bleibt Supertramp natürlich Supertramp - mit seiner glatten klanglichen Ästhetik, der Fusion von eingängiger mit anspruchsvoller Musik und hintergründigen Texten. Alles fast wie zu Zeiten der schwarzen Vinylscheiben, also?

Beinahe, wären da nicht die markanteren Bläsersätze, die dem treibenden Rhythmus von Davies’ Piano/Keyboard zusätzliche Dynamik geben. Von Zwischenapplaus werden die vertonten Geschichten in Halle begleitet, die Davies und Siebenberg erzählen. Mal mit sattem Klangteppich unterlegt, mal fein und zerbrechlich unter virtuoser Klavierbegleitung.
Schade, dass die fantasievollen Filmsequenzen auf der Hauptleinwand den seitlich sitzenden Zuschauergruppen vorenthalten blieben - zu ungünstig angeordnet waren die kleineren Seitenleinwände, die das Geschehen verdeckten. Doch das wird die Euphorie vieler nicht gebremst haben.

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