PADERBORN

Paderborner Schauspieler neben Stromberg erfolgreich

Kai Malina über die Kult-Serie, seine Rolle in "Das weiße Band" und seine Heimatstadt

19.01.2010 | 19.01.2010, 14:59
Obwohl Kai Malina erst vor drei Jahren ins Schauspielfach wechselte, hat er schon mehr Erfahrung als manche Kollegen. Stromberg ist für ihn schon die 15. Fernsehserie, in der er mitspielt. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Obwohl Kai Malina erst vor drei Jahren ins Schauspielfach wechselte, hat er schon mehr Erfahrung als manche Kollegen. Stromberg ist für ihn schon die 15. Fernsehserie, in der er mitspielt. | © FOTO: REINHARD ROHLF

Paderborn. Jungschauspieler Kai Malina ist zwar erst 20 Jahre alt, kann aber schon eine beachtliche Schauspielkarriere vorweisen. Durch seine Rolle als Achim in der Fernsehserie "Stromberg" ist der Paderborner mittlerweile den meisten Deutschen bekannt. Aber auch in dem Film "Das weiße Band", der in der Nacht zum Montag in Los Angeles mit dem Golden Globe prämiert wurde, war er mit von der Partie. NW-Volontärin Alina Reichardt hat mit ihm gesprochen.

Herr Malina, mit 18 Jahren haben Sie die Zuschauer des ZDF das erste Mal in einer Hauptrolle bewundert. Haben Sie vorher schon mal geschauspielert ?
KAI MALINA: Nein, das war wirklich meine erste Rolle. In Paderborn war ein offenes Casting, das in der Zeitung stand. Meine Mama hat das damals entdeckt und hatte dann die geniale Idee, dahin zu gehen. Ich hatte eigentlich gar keine Lust dazu. Aber so bin ich im Endeffekt ins Schauspielfach rein gerutscht, denn dadurch wurde meine jetzige Agentur auf mich aufmerksam und schlug mich für den ZDF-Film vor.

Wollten Sie denn vorher nicht Schauspieler werden?
MALINA: Nein, das war das Letzte, was ich mir vorgestellt hatte. Ich war auf der Hauptschule und habe damals Maler und Lackierer gelernt. Im ersten Jahr, in dem ich als Schauspieler gearbeitet habe, habe ich die Lehre auch nebenbei weiter gemacht, aber mein gesamter Urlaub war schnell weg, und ich habe die Ausbildung dann abgebrochen.

Hat Ihr erster Dreh so lange gedauert oder waren Sie so gut, dass Sie sofort weitere Angebote bekommen haben?
MALINA: Von meinem ersten Dreh an ging es stetig bergauf. Ich hatte immer meine sechs bis acht Drehs im Jahr.

Information

Bisherige Erfolge

Kai Malina wurde am 29. Oktober 1989 in Paderborn geboren. Der 1,73 große Schauspieler hatte seine erste große Rolle in dem ZDF-Film "die Weihnachtswette". Seitdem hatte er unter anderem Gastauftritte bei den Serien "Großstadtrevier", "der Alte", "SOKO Köln" und "SOKO Leipzig". Seine erste Kinorolle spielte er 2007 in dem Drama "Mein Freund aus Faro".

Sie haben in dem Kinofilm "Das weiße Band" mitgespielt, der gestern einen Golden Globe als bester ausländischer Film gewonnen hat. Haben Sie mit diesem Sieg gerechnet?
MALINA: Ich habe es im Stillen gehofft und geahnt. Ich habe mich jedenfalls riesig gefreut und heute schon viele Glückwünsche bekommen. Es ist eine Bestätigung, wenn man in einem ausgezeichneten Film mitgespielt hat, das ist jetzt noch mal ein ganz anderes Gefühl.

Sie spielen den traumatisierten Bauernjungen Karl, dessen Eltern sterben. Wie war diese Rolle im Vergleich zu ihren Fernsehcharakteren?
MALINA: Das war mit Abstand die schwerste Rolle, die ich je hatte. Ich musste alles mit Mimik darstellen, ich habe in dem ganzen Film kein Wort gesprochen. Es war eine Herausforderung.

Seitdem hatten Sie keine Kinorollen mehr, bewerben Sie sich eher auf Fernsehrollen?
MALINA: Es kommt immer darauf an, wo die Leute einen haben wollen, aber im Grunde genommen drehe ich gerne sowohl Fernsehen als auch Kino. Meine Agentin wählt passende Rollen für mich aus.

War es bei Ihrer Rolle in der Fernsehserie Stromberg auch so?
MALINA: Nein, da war es anders. Ich hatte den Vorteil, dass ich mit dem Regisseur von Stromberg schon mal gedreht hatte. Wegen der guten Zusammenarbeit habe ich gesagt: "Schau doch mal, ob sich da was ergibt." Als dann fest stand, dass es eine vierte Staffel geben soll, hat er mich angerufen, und ich habe sofort zugesagt.

Wie war die Zusammenarbeit mit Christoph Maria Herbst?
MALINA: Er ist ein echt lustiger, netter Mensch. Ich glaube, wir haben beim Dreh dreimal mehr gelacht als die Zuschauer beim Gucken der Sendung.

Die letzte Folge der vierten Staffel lief vor Kurzem. Ist eine neue Staffel geplant?
MALINA: Dazu kann ich noch nichts sagen.

Würden Sie wieder mitspielen?
MALINA: Auf jeden Fall.

Kam Achims Part Ihnen entgegen oder spielen Sie lieber andere Rollen?
MALINA: Es war mal was anderes und hat viel Spaß gemacht. Gut finde ich vor allem schwierige Rollen, wie Heimkinder zum Beispiel. Das ist eine größere Herausforderung als der nette Student von nebenan. Und Verbrecherrollen sind toll. Ich bin selber jemand, der seine Klappe aufreißt und sich nichts sagen lässt und böse Rollen faszinieren mich irgendwie. Lieb sein kann ja jeder.

Welche Filme schauen Sie selber gern?
MALINA: Amerikanische Actionfilme. So eine Rolle würde ich auch gerne mal übernehmen, ich habe früher Parcour gemacht, bin also über Häuser gelaufen, habe Saltos gemacht. Bei meinem einzigen Action Casting bisher wurde ich aber leider nicht genommen.

Können Sie sich vorstellen, selbst in einem US-amerikanischen Film mit zu spielen?
MALINA: Jeder Schauspieler träumt glaube ich davon, bei einem Dreh in den USA dabei zu sein, aber im Moment sieht es noch nicht danach aus, und ich nehme erst mal alles, so wie es kommt. Ich möchte auch nicht aus Paderborn wegziehen.

Obwohl Sie meistens in deutschen Großstädten oder sogar im Ausland drehen, wohnen Sie noch in Paderborn. Was gefällt Ihnen so an der Stadt?
MALINA: Ich bin hier geboren, ich fühle mich hier wohl und meine Freunde und meine Familie leben hier. Paderborn ist einfach super. Auch wenn ich drehe, freue ich mich immer wieder hier hin zurück zu kommen.

Sie haben in Paderborn auch erfolgreich Handball gespielt oder?
MALINA: Naja, es war die Oberliga. Ich habe für den TSV Schloß Neuhaus gespielt, bin aber jetzt, nach 15 Jahren, zum Fußball gewechselt. Für regelmäßiges Training war während der Drehs nämlich leider auch keine Zeit.

Was außer Fußball machen Sie sonst, wenn Sie gerade nicht drehen?
MALINA: Mein Vater ist selbstständig, er hat eine Hausbaufirma. Wenn ich nicht drehe, dann gehe ich mit ihm auf die Baustelle. Ich steh wie jeder andere Mensch dann auch um sieben Uhr auf und geh fünf Tage die Woche zur Arbeit.