Bielefeld Katharina Nussbaumer fand dank der NW nach 50 Jahren ihren Vater wieder

Jetzt hat sie ihn zu sich nach Kürten geholt

Ariane Mönikes

Bielefeld. Katharina Nussbaumer konnte nie so richtig Weihnachten feiern, ein paar Tage vom Alltag abschalten und besinnlich unterm Weihnachtsbaum sitzen. Immer waren da die Gedanken an ihren Vater. Wo lebt er und wie geht es ihm? Diese Fragen beschäftigten sie in den vergangenen Jahren - wenn man es genau nimmt, seitdem sie denken kann. In diesem Jahr ist alles anders. Denn die 52-jährige Post-Beamtin feiert das erste Mal nach 50 Jahren Weihnachten mit ihrem Vater. Dank der großen NW-Weihnachtsaktion "Paket mit Herz" war es im Januar 2017 zum ersten Treffen der beiden nach 50 Jahren gekommen. Am 27. November 2015 hatte die Neue Westfälische über Nussbaumers Vater Leo Rimbl (82) geschrieben. Er hatte über die Gesellschaft für Sozialarbeit (GfS) einen Wunschzettel für "Paket mit Herz" ausgefüllt. Zum Weihnachtsfest hatte ihm dann ein NW-Leser einen Wunsch erfüllt. Im Januar sahen sich Vater und Tochter in Bielefeld wieder Rimbl hatte damals schon den großen Wunsch, seine Tochter wiederzusehen. Aber er hatte nicht den Mut, nach ihr zu suchen. Denn er hatte sie verlassen, als sie noch ganz klein war. Ein Jahr, nachdem der Artikel in der Neuen Westfälischen und auf nw.de erschienen war, suchte Katharina Nussbaumer im Internet mal wieder nach ihrem Vater. "Ich hatte immer die Hoffnung, ihn irgendwie zu finden", sagt sie. Sie stieß auf den NW-Artikel und nahm Kontakt zur Redaktion auf. Mit Unterstützung der Betreuerin ihres Vaters kam es dann im Januar zum ersten Treffen in Bielefeld. "Immer wieder bin ich danach zu ihm gefahren", sagt sie. Ein großer Aufwand, denn Nussbaumer lebt in Kürten im Rheinisch-Bergischen Kreis. "Er wollte aber, dass ich in seiner Nähe bin", sagt sie. Ein Umzug kam für Nussbaumer nicht in Frage. Also schauten sich die beiden im August zwei Pflegeheime in Kürten an, am 1. Dezember packte Leo Rimbl in Bielefeld seine Koffer und zog in ein Pflegeheim nach Kürten, fünf Autominuten von seiner Tochter entfernt. "Alle lieben ihn dort", sagt Katharina Nussbaumer. Jeden Tag binde er sich eine Krawatte um. "Das kommt natürlich bei den Damen im Heim an." Gleich an seinem ersten Tag dort habe er sich zur Mitarbeiter-Weihnachtsfeier eingeladen und mit der Friseurin getanzt. Nussbaumer ist froh, dass er sich so schnell dort eingelebt hat. Jeden Tag besucht sie ihn, am zweiten Weihnachtsfeiertag holen sie und ihr Mann Robert ihn ab, dann bleibt er eine Nacht bei ihnen. Schweinefilet kommt auf den Tisch, erzählt sie. "Er isst so gut bei mir." Erst vergangene Woche haben sie gemeinsam ihren 52. Geburtstag gefeiert - der erste mit ihrem Vater, an den sie sich erinnern kann. Nussbaumer genießt die Zeit mit ihm. "Es tut so gut, dass er hier ist." Auch er mache einen sehr zufriedenen Eindruck. Silvester werden Vater und Tochter ebenfalls gemeinsam feiern. Eigentlich waren Nussbaumer und ihr Mann bei Freunden eingeladen - die aber kommen jetzt zu ihnen, damit der Vater dabei sein kann. "Die freuen sich schon, ihn kennenzulernen", sagt sie. Vater und Tochter holen jetzt das nach, was sie jahrzehntelang nicht hatten. "Wer weiß, wie viel Zeit uns noch bleibt."

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