Bielefeld Trauer um langjährigen NW-Gesellschafter und -Geschäftsführer Wolfgang Kaeller

Nachruf: Das Medienhaus „Neue Westfälische“ trauert um seinen langjährigen Gesellschafter und Geschäftsführer

Klaus Schrotthofer
Wolfgang Kaeller, 1959 – 2017. - © Wolfgang Rudolf
Wolfgang Kaeller, 1959 – 2017. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld. Wie im Leben eines Menschen, so gibt es auch in einem Unternehmen Momente, die uns innehalten und alles andere für den Augenblick weniger wichtig erscheinen lassen. Einen solchen Moment hat das Medienhaus „Neue Westfälische" in diesen Tagen erlebt.

Die Nachricht vom Tode des langjährigen Mitgesellschafters und Geschäftsführers Wolfgang Kaeller hat dieses Haus erschüttert. Es kommt uns unwirklich vor, dass er nicht mehr da sein soll – so präsent, so gegenwärtig ist er den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Verlagshauses, dem er Zeit seines Lebens verbunden war.

Sein altes Büro im Verlagshaus hat noch keine neue Verwendung gefunden. Erst zum Ende des Jahres 2015 war Wolfgang Kaeller aus dem Unternehmen ausgeschieden, das sein Vater Hans-Reinhard vor genau 50 Jahren mitbegründet hatte. Aus der „Westfälischen Zeitung", die Kaellers Familie in die Fusion mit der „Freien Presse" einbrachte, wurde die „Neue Westfälische", und seit 1998 vertrat Wolfgang Kaeller das Familienerbe im Gesellschafterkreis der NW.

Geschäftsführer ab 1993

Er schlug eine durchaus typische Verlegerkarriere ein und war doch kein typischer Verleger. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft folgten Ausbildungsstationen in anderen Verlagen und schließlich der Eintritt in den Zeitungsverlag „Neue Westfälische" im Jahr 1992. Zunächst noch gemeinsam mit dem Vater, später dann allein wirkte der Diplom-Kaufmann ab 1993 als Geschäftsführer im Verlagshaus an der Bielefelder Niedernstraße. Wichtige Weichenstellungen sind seither erfolgt, weitreichende Entscheidungen gefallen, und Wolfgang Kaeller hatte einen gewichtigen Anteil am Erfolg und am Wachstum des größten Medienhauses in Ostwestfalen. Mit Leidenschaft führte er fort, was vor Generationen begonnen wurde, und behielt dabei stets einen sehr persönlichen Blick auf seine Umgebung. Er war kein Patriarch, wie mancher in dieser nicht uneitlen Medienbranche. Er wurde gemocht.

Ob er seinen Weg auch ohne familiäre Verpflichtung gewählt hätte? Er selbst kokettierte gelegentlich mit seiner Vorliebe für die Architektur, ein wenig verschmitzt, so wie es seine Art war, um sich dann jedoch umgehend wieder dem täglichen Verlagsgeschäft zu widmen. Zahlen und Technik waren dort sein Revier. Deren Verlässlichkeit und Berechenbarkeit schätzte er mehr als die zuweilen flatterhaften Launen der Journalisten. Sehr ostwestfälisch war er da, in jener Mischung aus Pflichtgefühl und zurückhaltender Verbindlichkeit.

Natürlich gehörte er zu den Stiftern der Bielefelder Bürgerstiftung und ebenso selbstverständlich konnte er mit gespielter Verzweiflung die Wertentwicklung seiner Arminia-Anleihen beklagen, zu deren Kauf er sich einst verpflichten ließ. Den 50. Geburtstag feierte er 2009 nicht im Restaurant, sondern im festlich dekorierten Papierlager des Druckhauses dieser Zeitung in der Sennestadt, und dort erlebte man einen Menschen, der hoch emotional und schnell zu rühren war. Und so ist er uns allen im Gedächtnis – als Manager und vor allem als feiner Mensch, mit hohem Anspruch an die Welt und viel mehr noch an sich selbst.

Große Auslandsreise vor wenigen Monaten

Als er sich im Laufe des Jahres 2015 entschloss, seine Anteile am Medienhaus „Neue Westfälische" abzugeben, tat er dies aus sehr persönlichen Gründen. Er wollte mehr Zeit für seine Familie haben und berichtete von reizvollen Zukunftsprojekten. Wer ihn seither traf, erlebte einen heiter und gelöst wirkenden Menschen, der mit seinen Entscheidungen im Reinen war. Erst vor wenigen Monaten kehrte er von einer großen Auslandsreise zurück und erzählte begeistert von neuen Eindrücken und Einsichten.

Und doch war ihm keine lange Zeit mehr vergönnt für das neue Leben jenseits der beruflichen Zwänge. Am vergangenen Dienstag ist Wolfgang Kaeller im Alter von nur 57 Jahren gestorben. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Autor Klaus Schrotthofer ist 
Geschäftsführer des Medienhauses „Neue Westfälische".

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