Die Sonne bringt den Körper auf Hochtouren. - © picture alliance / dpa
Die Sonne bringt den Körper auf Hochtouren. | © picture alliance / dpa

Gütersloh Wie sich die Sonne im Frühling auf unseren Körper auswirkt

Sonnenstrahlen und viel Licht sorgen beim Menschen für bessere Stimmung, größeren Antrieb und eine stärkere Immunabwehr

Martin Fröhlich

Gütersloh/Herford. Die Temperaturen wollen noch nicht so ganz, doch der Frühling kommt früher oder später auch in OWL an. Und mit ihm das Frühlingserwachen. Doch was bedeutet das eigentlich bezogen auf uns Menschen? Was machen Sonne und Licht mit unserem Körper? Zwei Ärzte aus der Region erklären, was da vor sich geht. „Die innere Uhr unseres Körpers hängt stark mit dem Licht zusammen", sagt Thorsten Pohle, Chefarzt der Medizinischen Klinik I am Klinikum Herford. „Und weil das so ist, passt sich unser Körper natürlich den äußeren Phasen wie Winter und Frühjahr an." Im Frühjahr werden die Tage länger als die Nächte, die tägliche Portion an natürlichem Licht, die auf den Körper einwirkt, wächst. Mehr Sonne, mehr Energie Der Wandel wirkt sich auf die Hormone im Menschen aus. Die Produktion des schlaffördernden Melatonins sinkt, die Produktion des stimmungsaufhellenden Serotonins steigt. Außerdem macht es erst die Sonne dem Körper möglich, das lebenswichtige Vitamin D selbst zu produzieren. Vitamin regelt den Calciumspiegel im Körper und beeinflusst damit unter anderem den Knochenaufbau. Der Körper erlebt also tatsächlich eine Art Erwachen nach dem Winterschlaf? „Das kann man so sagen. Wir fühlen uns wohler, verspüren mehr Drang zu Aktivitäten, unsere Immunabwehr wird stärker", sagt Pohle. Generell wirke Tageslicht positiv auf die Seele. „Deshalb nutzen wir in Neurologie im Krankenhaus auch besondere Tageslichträume." Möglichst früh zum Spaziergang Doch wie viel Tageslicht bekommen wir ab, wenn wir die meiste Zeit in Büros festsitzen? „Das ist tatsächlich ein Problem", sagt Pohle: „Wer zu wenig natürliches Licht im Frühjahr abbekommt, verstellt seine innere Uhr und erfährt die positiven Effekte nicht." Was also tun? „Gehen Sie wirklich mehr nach draußen als im Winter", fordert der Chefarzt. Mindestens zwei Stunden Tageslicht seien pro Tag notwendig. „Mein Tipp: Gleich morgens nach dem Aufstehen für 30 Minuten nach draußen für einen Spaziergang – das bringt den Tag so richtig in Gang." Wer sich mit Sportplänen im Freien trägt, dem bietet der Frühling ideale Bedingungen, um so richtig loszulegen. „In dieser Jahreszeit erzielen wir schneller Trainingserfolge", erklärt der Herforder Chefarzt. Er mahnt aber auch an: „Auch im Winter sollte man sich sportlich betätigen, um die Abwehrkräfte zu stärken." Das sei gerade in der dunklen Jahreszeit wichtig. Andere Cremes als im Winter nutzen So paradox es klingt: Das zunehmende Licht dieser Tage hat auch Schattenseiten. Mit denen kennt sich Hautarzt Bodo Melnik aus Gütersloh bestens aus. „Die Sonne tut der Haut gut, aber nur in Maßen", sagt er. Denn auch die Haut muss sich den neuen Umständen erst anpassen. „Dabei kann man sie unterstützen", erklärt der Dermatologe. Während im Winter die trockene Heizungsluft die Haut trocken und spröde macht und nachfettende Cremes gefragt sind, sollten im Frühjahr Feuchtigkeitscremes benutzt werden. „Sie geben der Haut, was sie jetzt braucht", so Melnik. Wer in den wärmeren Tagen mehr Haut zeigen will, sprich weniger Kleidung trägt, sollte auch das Stück für Stück steigern, damit sich der Körper daran gewöhnt. Die Gefahr eines Sonnenbrandes vor allem im Gesicht lauert übrigens auch im Frühling, denn die Haut ist noch sehr empfindlich und noch nicht trainiert, sprich vorgebräunt: Deshalb sind auch schon UV-Cremes zu empfehlen. Für Menschen mit Sonnenallergie beginnen jetzt allemal die Monate der Vorsicht. Sie werden oft von juckenden Pusteln auf der Haut geplagt. „Da rate ich dann eben doch zu einem langärmeligen Shirt anstelle des T-Shirts", so Bodo Melnik.

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