Umstritten: Homöopathische Mittel. - © picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Umstritten: Homöopathische Mittel. | © picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Minden Mindener Krankenkasse steigt aus Homöopathievertrag aus

BKK Melitta Plus aus Minden zahlt vorerst keine ärztliche Beratung mehr

Stefanie Witte

Minden. Kaum ein Thema im Gesundheitsbereich erhitzt so schnell und zuverlässig die Gemüter wie dieses: Homöopathie. Anfang des Jahres löste die Techniker-Krankenkasse einen Shitstorm aus. Ein Twitter-Nutzer fragte nach einem wissenschaftlichen Beleg für die Wirksamkeit von Globuli. Die Krankenkasse konterte: „Können Sie uns saubere, wissenschaftliche Studien nennen, die die Nicht-Wirksamkeit von Homöopathie belegen?" Das Netz tobte; die Krankenkasse ruderte schließlich zurück mit den Worten „Wollen wir uns jetzt erst einmal alle beruhigen und dann mal in Ruhe über Homöopathie sprechen? Ja, unser Tweet von heute Nacht war nicht gut." So ist es verständlich, dass Krankenkassen vorsichtig bei diesem Thema sind – wie aktuell die BKK Melitta Plus aus Minden. Bundesweit haben Versicherer, Apothekerverband und Ärzte, die homöopathisch arbeiten, unterschiedliche Verträge abgeschlossen. Rund zwei Drittel aller gesetzlichen Krankenversicherungen nähmen teil, heißt es beim Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte, der einer der Vertragspartner ist. Am Ende können sich Patienten zum Beispiel von einem Facharzt auf Kassenrechnung homöopathisch behandeln lassen. BKK Melitta Plus soll die einzige Versicherung sein, die zum Jahresende gekündigt hat Kritikern sind diese Vereinbarungen ein Dorn im Auge. Und so jubelte der Homöopathie-Gegner Christian Lübbers auf Twitter, als er davon hörte, dass eine gesetzliche Krankenkasse einen solchen Vertrag zum Jahresende kündigte – als erste Krankenkasse, wie Lübbers schreibt. Ob die BKK Melitta Plus, eine regionale Krankenkasse mit rund 50.000 Mitgliedern, tatsächlich die erste ist, die kündigt, lässt sich nicht verifizieren. Weder der Verband der gesetzlichen Krankenversicherer, noch der Apothekerverband können etwas dazu sagen. Der Zentralverein homöopathischer Ärzte bestätigt, dass die BKK die einzige sei, die zum Jahresende gekündigt habe. Fluktuation sei aber nichts Ungewöhnliches. Die Krankenkasse mit Sitz in Minden und Kunden in fünf Bundesländern bestätigt die Kündigung zum Jahresende auf Anfrage der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Ziele wurden nicht erreicht" Bei der Begründung hält man sich bedeckt: „Die wesentlichen Ziele des Vertrages sind, dass die Behandlung der Versicherten qualitativ verbessert sowie die Wirtschaftlichkeit der ärztlichen Versorgung gestärkt und erhöht wird." Für die BKK sei besonders wichtig gewesen, dass Versicherte die Homöopathie mit einem ganzheitlichen Therapieansatz wahrnähmen und nutzten. „Diese Ziele wurden nicht erreicht", so das Fazit der Krankenkasse. Die teilnehmenden Versicherten seien überwiegend von Hausärzten behandelt worden. Die zusätzlichen Kosten für eine homöopathische Behandlung würden nun künftig nicht mehr übernommen. Mehr wolle man nicht dazu sagen. Wie viele Versicherte betroffen sind und um welche Leistungen es sich genau handelt – dazu schweigt die Krankenkasse. Auf der Internetseite wird Homöopathie noch als „alternative medizinische Behandlungsmethode" genannt. Dadurch würden die „Selbstheilungskräfte des Körpers angeregt". Weiter heißt es: „Statt konventioneller Arzneimittel werden natürliche Arzneien verabreicht." Die BKK Melitta Plus verweist darauf, dass apothekenpflichtige alternative Arzneimittel bis maximal 100 Euro pro Jahr weiterhin übernommen würden. Allerdings teilte die Krankenkasse auch zu diesen sogenannten Satzungsleistungen mit: „Hierzu erfolgt jedoch aktuell eine Bewertung, die noch nicht abgeschlossen ist."

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