Plötzlich geöffnete Autotüren können für Radfahrer zur großen Gefahr werden. - © picture alliance / dpa Themendienst (Symbolbild)
Plötzlich geöffnete Autotüren können für Radfahrer zur großen Gefahr werden. | © picture alliance / dpa Themendienst (Symbolbild)

Bielefeld/Berlin Radfahrer fährt gegen Autotür und stirbt: Dieser Griff soll helfen

"Dutch Reach" soll Unfälle vermeiden, doch Experten sind skeptisch

Angela Wiese

Bielefeld/Berlin. Unachtsam geöffnete Autotüren können für Radfahrer verheerende Folgen haben. Das zeigt ein aktuelles Beispiel aus Berlin. Dort war am späten Dienstagabend ein 55-jähriger Mann mit seinem Rad gegen eine Autotür geprallt. Am Mittwochmittag starb der Mann im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Der "Dutch Reach", also der holländische Griff, soll helfen, solche Unfälle zu vermeiden. Experten allerdings sind skeptisch. Nach derzeitigem Kenntnisstand stand der Fahrer des Autos am Dienstagabend im absoluten Halteverbot auf einem Radweg. Der 50-jährige saudische Diplomat soll plötzlich die Tür aufgerissen haben. Der Radfahrer fuhr gegen die Tür und zog sich schwere Kopfverletzungen zu, an denen er am Mittwoch starb. Der 55-Jährige war nach Angaben der Polizei Berlin ohne Helm unterwegs. Die Gefahr plötzlich geöffneter Autotüren im Straßenverkehr ist bekannt. Dennoch kommt es immer wieder zu solchen Unfällen und anschließend zu Diskussionen darüber, wie sie verhindert werden können. Immer bekannter wird auch hierzulande der "Dutch Reach", der holländische Griff (Video). Dabei öffnet der Fahrer des Wagens die Autotür mit der rechten, statt mit der zur Tür näheren linken Hand. Für diesen Griff muss der Autofahrer seinen Oberkörper nach links drehen, wodurch ihm nahende Radfahrer automatisch in den Blick geraten. In den Niederlanden wird dieser Griff schon Fahrschülern eingebläut. Doch kann dieser simple Griff tatsächlich etwas ändern? Der holländische Griff sei zwar eine gute Idee, wie der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Berlin und der ADAC in Ostwestfalen-Lippe auf Anfrage mitteilen. Doch letztlich sei ohnehin Vorschrift, was der Griff bezwecken soll: dass sich der Autofahrer umschaut, wenn er die Tür öffnet. Die Straßenverkehrs-Ordnung schreibt beim Ein- und Aussteigen ins Auto eine Sorgfaltspflicht vor. In §14 heißt es: "Wer ein- oder aussteigt, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung anderer am Verkehr Teilnehmenden ausgeschlossen ist." ADFC: Infrastruktur verändern "Man muss Verkehrsteilnehmer immer wieder für das Thema sensibilisieren", sagt Ralf Collatz, Sprecher des ADAC Ostwestfalen-Lippe. Zwar sei auch das Einhalten eines Sicherheitsabstands von 75 Zentimetern zwischen Parkplatzkante und Beginn des Radfahrstreifens empfehlenswert. Das einzuhalten, sei für Radfahrer allerdings schwierig, wenn die Straßenverhältnisse einen Abstand zum Auto gar nicht zulassen. Der ADFC in Berlin sieht das Problem deshalb in der Infrastruktur. "Es muss darum gehen, Unfälle strukturell zu verhindern", sagt René Filippek, Sprecher des ADFC Bundesverbands. Der Unfall wäre vermutlich nicht passiert, wenn es eine geschützte, baulich von der Straße getrennte Radspur gegeben hätte, sagt Filippek. Wo solche Wege gängig seien, in der Niederlanden zum Beispiel, passierten auch weniger Unfälle. Der holländische Griff sei eine gute Idee. Fillipek aber sieht darin nur das "Herumdoktern an Symptomen". Wichtiger sei es, die Infrastruktur zu verbessern. Zwar gebe es in Deutschland in vielen Städten mit Farbe aufgemalte Radspuren. Diese führten aber häufig an parkendes Autos vorbei, was wieder ein Risiko berge, gegen Autotüren zu fahren. Selbst eine Helmpflicht könne Unfälle nicht verhindern. "Es geht darum, das Verkehrssystem so zu gestalten, dass Unfälle verhindert werden."

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