Transplantation: Ein Organspendeausweis trägt dazu bei, nach dem eigenen Tod anderen Menschen das Weiterleben zu ermöglichen. - © dpa
Transplantation: Ein Organspendeausweis trägt dazu bei, nach dem eigenen Tod anderen Menschen das Weiterleben zu ermöglichen. | © dpa

Gesundheit Mehr als 10.000 Menschen warten auf Spenderorgan

Tag der Organspende: Die Zahl der Transplantationen in Deutschland sinkt weiter

Christian Geisler

Bad Oeynhausen. Die Bereitschaft zur Organspende nimmt weiter ab. Während deutschlandweit mehr als 10.000 Menschen auf eine Transplantation warten, wurden in den ersten vier Monaten diesen Jahres 278 Organe postmortal transplantiert. Im Vergleich zum Vorjahr sind das sechs Spenden weniger. Im Vergleich zu 2015 sogar 17. Das geht aus Statistiken der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hervor. Demnach erfolgt fast jede fünfte Transplantation in Nordrhein-Westfalen. Bis einschließlich April wurden in diesem Jahr NRW-weit 53 Organe eingesetzt und damit genau so viele, wie im selben Zeitraum 2016. Im Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) NRW in Bad Oeynhausen wurden im Jahr 2017 bisher 40 Herztransplantationen (Htx) und 3 Lungentransplantationen (LTx) vorgenommen. Etwa 8.000 Menschen bundesweit warten auf eine neue Niere. "Dennoch kann man nicht sagen, dass andere Organe weniger dringend benötigt werden", sagt Susanne Venhaus, Sprecherin der DSO. Beim Herzen, der Lunge oder der Leber könnten Wartezeiten lediglich weniger lange überbrückt werden. Bei der Niere bestehe schließlich die Möglichkeit einer Dialyse. 140 Patienten des HDZ warten derzeit auf ein Herz oder eine Lunge. Sechs davon sind Kinder. "Schlusslicht unter den westlichen Industrieländern" Aus einer aktuellen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) geht hervor, dass 81 Prozent der Menschen in Deutschland einer Organspende grundsätzlich positiv gegenüber stehen. 32 Prozent der Befragten besitzen sogar einen Organspendeausweis. "Trotzdem bleibt Deutschland in Sachen Organspende das Schlusslicht unter den westlichen Industrieländern", sagt Jan Gummert, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am HDZ. Mit zehn Spendern pro eine Million Einwohner befindet sich Deutschland im europäischen Vergleich im deutlich unteren Drittel. Als Grund nennt der Experte  das geschwundene Vertrauen in das Transplantationssystem. "Durch die Manipulation der Warteliste in einigen Zentren wird mit der Transplantation eine Kultur des Misstrauens verbunden", so Gummert. Durch Überprüfungen, erhöhte Vorschriften und vermehrte Dokumentationszwänge sei das System aktuell aber wieder sicherer geworden. Gleichzeitig kritisiert Gummert das fehlen eines Widerspruchsgesetzes in Deutschland. Während die Bürger anderer Länder, wie beispielsweise Spanien oder Österreich, mit ihrer Geburt zum potenziellen Organspender heranwachsen, muss in Deutschland dazu erst aktiv ein Organspendeausweises ausgefüllt werden. Im Ausland könne die Spende dagegen erst mit einem ausdrücklichen Widerspruch revidiert werden. Die bürokratische Hürde, nicht zu spenden, sei damit größer. Seit November 2012 gilt in Deutschland die sogenannte Entscheidungslösung. Sie schreibt vor, dass jeder Bürger regelmäßig in die Lage versetzt werden soll, sich mit der Frage der eigenen Entscheidung zur Organspende ernsthaft zu befassen und eine Erklärung zu dokumentieren. Seit Inkrafttreten des deutschen Transplantationsgesetzes im Dezember 1997 gilt in Deutschland außerdem: Der Wille des Verstorbenen zu Lebzeiten hat Vorrang.

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