Immer mehr Frauen bekommen ein Kind erst jenseits der 40. - © dpa
Immer mehr Frauen bekommen ein Kind erst jenseits der 40. | © dpa

Bielefeld Studie belegt Todesrisiko für Schwangere ab 40

Bei Geburten im reiferen Alter müssen Frauen öfter mit lebensbedrohlichen Komplikationen rechnen. Ärzte aus OWL setzen auf medizinische Begleitung

Janet König

Vancouver/Bielefeld. Eine Schwangerschaft mit 40 Jahren ist längst keine Seltenheit mehr. Doch eine späte Geburt ist mit Risiken verbunden – für das Baby, aber auch für die Mutter selbst, berichten Forscher der University of British Columbia nach der Datenanalyse von 800.000 Schwangerschaften. Mit steigendem Alter gebe es mehr lebensbedrohliche Komplikationen. Laut Studie verdreifacht sich das Risiko bei der Geburt ab 40 Jahren für einen Schock mit schwerer Kreislaufstörung, eine Fruchtwasserembolie ist sogar achtfach wahrscheinlicher, auch Nierenversagen kommt häufiger vor. Bei einer Fruchtwasserembolie dringt Fruchtwasser bei der Entbindung über die Gebärmutter in den mütterlichen Kreislauf ein – es entsteht eine oft tödliche Notsituation. Insgesamt kam es im Schnitt bei 16 von 1.000 Geburten zu lebensbedrohlichen Komplikationen, die zum Teil tödlich verliefen. Die Rate steige ab einem Alter von 39 Jahren deutlich an. Ärzte aus der Region raten Frauen dennoch dazu, ihren späten Kinderwunsch nicht aufzugeben. Ute Kelkenberg, Oberärztin im Zentrum für Frauenheilkunde am Klinikum Bielefeld, kann die Studien-Ergebnisse aus eigener Praxis nicht bestätigen kann. „Die Risiken für Mütter sind zwar höher, aber schwerwiegende Fälle hatten wir bislang nicht", sagt sie. Statistisch gesehen gebe es eher ein erhöhtes Risiko für leichtere Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes, erhöhten Blutdruck oder Thrombosen. Höheres Risiko für Fehlentwicklungen Von der körperlichen Konstitution her seien gesunde Frauen auch mit 40 problemlos dazu in der Lage, Kinder zu bekommen. „Ich kann Frauen mit spätem Kinderwunsch nur ermutigen, sich diesen zu verwirklichen", sagt Kelkenberg. Auch reifere Frauen könnten heute medizinisch gut begleitet werden. Das meint auch die Detmolder Frauenärztin Claudia Luttkus: „Ich persönlich mache mir um meine 40-jährige Patientin nicht mehr Sorgen als um meine 25-jährige." Das größere Problem sei: „Für reifere Frauen ist es in erster Linie schwierig, überhaupt schwanger zu werden." Auch das höhere Risiko für Fehlentwicklungen müsse bei Frauen ab 40 Jahren mit eingerechnet werden: „Schließlich ist die Eizelle auch älter." Im Klinikum Bielefeld gebe es auch Frauen, die durch eine Fremdeizellenspende schwanger wurden. Der Trend zum späteren, ersten Kind sei dabei klar zu erkennen. Oft wünschten sich Frauen, vorher beruflich Fuß zu fassen. Mit der Studie soll die Beratung für den Kinderwunsch jenseits der 40 verbessert werden. Denn die Rate schwerer Erkrankungen könnte weiter steigen.

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