Taschentuch-Saison: Der Husten und das Schniefen werden für manche Allergiker von Jahr zu Jahr schlimmer: - © dpa
Taschentuch-Saison: Der Husten und das Schniefen werden für manche Allergiker von Jahr zu Jahr schlimmer: | © dpa

Gesundheit Stadtbewohnern droht der Pollen-Kollaps

Die globale Klimaerwärmung stellt Allergiker bundesweit vor große Herausforderungen / Immer mehr Patienten stürmen auch in OWL die Arztpraxen

Janet König

Bielefeld/Berlin. Mit Frühling und Sommer beginnt die schönste Zeit im Jahr. Zumindest für die meisten. Für Allergiker wird die blütenreiche Luft zur Qual. Rund 15 Prozent der Deutschen leiden nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) an Heuschnupfen, knapp neun Prozent gar an Asthma bronchiale. Die Tendenz ist steigend: Experten warnen vor zunehmend aggressiven Pollen – vor allem in größeren Städten. Schuld daran sind Klimawandel und Schadstoffe aus Autoabgasen. Auch in OWL treibt es immer mehr Allergiker in die Praxen. Schon heute bekommen Heuschnupfengeplagte Folgen der globalen Klimaerwärmung zu spüren. Denn bestimmte Pflanzen wachsen durch die veränderten Wetterbedingungen einfach besser. „In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Pollensaison in Deutschland deutlich verlängert. Dazu ist sie auch intensiver geworden", sagt der Leiter des Allergie-Centrums der Berliner Charité, Torsten Zuberbier. Daneben seien Städte wahre Allergieverstärker: „Pollen, die in der Nähe von Hauptstraßen gebildet werden, sind mit Dieselrußpartikeln besetzt und für die Atemwege aggressiver." Pflanzen und Kräuter, die an Hauptverkehrsstraßen wachsen und verstärkt CO2 aufnehmen, stoßen zudem automatisch mehr Pollen aus. Das Treibhausgas sei somit als echtes Düngemittel zu bewerten. Daneben begünstigt die Ausbreitung eingeschleppter Pflanzenarten das Potenzial. Bestes Beispiel dafür sei das Beifußblättrige Traubenkraut Ambrosia, das Allergikern in OWL zu schaffen macht. „Wir haben immer mehr Patienten", sagt Lars-Uwe Scholtz, Oberarzt der HNO-Klinik am Klinikum Bielefeld. Straßenbau und kontaminierte Erde Diesen Trend bestätigt auch Eckard Hamelmann, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Evangelischen Klinikum Bethel. „Wir sehen immer mehr Ambrosia-Patienten, weil das Gewächs mit Straßenbau und kontaminierter Erde verschleppt wird", sagt er. Kinder, die an Hauptverkehrsstraßen leben, hätten mit stärkeren Symptomen zu kämpfen. Generell zeige der Bielefelder Klinikalltag: Die vom Heuschnupfen bedingten Beschwerden werden immer schlimmer. Deshalb warnt Hamelmann Eltern auch davor, die Allergie auf die leichte Schulter zu nehmen. „Es ist keine banale Erkrankung. Im schlimmsten Fall droht der Verlust eines Schuljahres, weil Kinder sich aufgrund der Beschwerden weder konzentrieren noch richtig schlafen können", sagt Hamelmann. Darüber hinaus gehe mindestens bei einem Drittel der Patienten Heuschnupfen in bronchiales Asthma über.

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