Klassische Kinderkrankheit: Windpocken treten meist vor dem 14. Lebensjahr auf. - © AOK Nordwest
Klassische Kinderkrankheit: Windpocken treten meist vor dem 14. Lebensjahr auf. | © AOK Nordwest

Bielefeld Mehr Windpockenfälle in OWL gemeldet

Ansteckung: Geht es nach der Statistik, breitet sich die Krankheit in OWL wieder aus. 
Doch möglicherweise steckt hinter den steigenden Zahlen etwas anderes.

Martin Fröhlich

Bielefeld. Die Windpocken sind auf dem Vormarsch. Zumindest wenn es nach der Zahl der gemeldeten Fälle geht. Sie hat nach einem leichten Rückgang in OWL wieder deutlich zugelegt. Die Zunahme fällt mit 13 Prozent höher aus als im Bundesschnitt (zehn Prozent). Konkret wurden den Gesundheitsämtern der Region 948 Windpocken-Erkrankungen gemeldet. Im Jahr 2015 waren es nur 839. Diese Statistik hat die AOK Nordwest auf Basis der Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) ermittelt. Windpocken gehören zu den Kinderkrankheiten, können aber auch Erwachsene treffen. Doch erkranken tatsächlich viel mehr Menschen in OWL an Windpocken? Nach Informationen der NW kann das die Ärzteschaft nicht bestätigen. Die Vermutung: Mehr Mediziner halten sich an die Meldepflicht. Diese existiert seit 2013 und etabliert sich erst allmählich. „Doch wir können aus den Zahlen positiv ableiten, dass offenbar immer mehr Kollegen der Meldepflicht nachkommen", sagt der Bielefelder Kinderarzt Uwe Büsching. Windpocken werden durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst. Seit 2004 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI eine Impfung für Kinder. Die erste erfolgt im Alter von elf bis 14 Monaten, die zweite Impfung zwischen 15 bis 23 Monaten. „Aufgrund der zunehmenden Infektionsfälle raten wir dazu, insbesondere Kinder gegen Windpocken impfen zu lassen" sagt AOK-Chef Tom Ackermann. Impfzahlen der Kinder in NRW sind gestiegen Nach Daten des RKI im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen sind die Impfzahlen der Kinder in NRW gestiegen. So konnten 89,4 Prozent der Schulanfänger in 2015 die erste Impfung und 85,9 Prozent die zweite Impfung nachweisen. 2014 lag die Rate bei 88,2 bzw. 84,5 Prozent. Auch aufgrund der verbesserten Impfrate erscheint ein starker Anstieg der tatsächlichen Fälle weniger wahrscheinlich, sagen Ärzte. In OWL verlief die Entwicklung laut Statistik sehr unterschiedlich. In Bielefeld und den Kreisen Gütersloh, Paderborn sowie Minden-Lübbecke wurden mehr Fälle als 2015 gemeldet, im Kreis Höxter deutlich weniger. Dass die Fallzahlen Schwankungen unterliegen, zeigt der genauere Blick auf Bielefeld: dort gab es im Jahr 2014 sogar 472 gemeldete Windpockenpatienten, 2015 dann nur 240 und im Vorjahr nun 384. „Windpocken galten lange als harmlose Kinderkrankheit", sagt Mediziner Büsching. In den meisten Fällen verlaufe die Krankheit auch ohne Folgen, doch einer von 10.000 Patienten muss ins Krankenhaus. Etwa 20 Personen sterben pro Jahr in Deutschland an Windpocken. Bei Erwachsenen ist die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs höher als bei Kindern. Inzwischen gibt es auch eine Impfung gegen das Zostervirus für ältere Erwachsene. Damit soll die Gefahr einer Gürtelrose, die durch dasselbe Virus ausgelöst wird, gesenkt werden. „Noch zahlen die Kassen diese Impfung nicht, weil die Empfehlung der STIKO aussteht", so Büsching. „Wir kämpfen darum, dass sich das ändert." Bei der Gürtelrose liegt die Quote der Komplikationen mit chronischen Schmerzen deutlich höher.

realisiert durch evolver group