Gesundheit Beschwerden wegen Behandlungsfehlern gehen zurück

Die Gutachterkommission der Ärztekammer muss 2016 deutlich seltener eingreifen als 2015. Doch in sieben Fällen sterben Patienten, weil falsch behandelt wurde

Martin Fröhlich

Münster. Auf den Negativrekord folgt die gute Nachricht: Nach dem Höchstwert von 1.587 Vorwürfen im Jahr 2015 meldet die Ärztekammer Westfalen-Lippe in Sachen Behandlungsfehler einen deutlichen Rückgang. 2016 landeten bei der Gutachterkommission in Münster genau 1.419 Fälle. Das entspricht einem Rückgang von etwa elf Prozent. Weniger erfreulich stellt sich die Zahl der Patienten dar, bei denen das Schlimmste eintrat. Sieben Menschen in Westfalen-Lippe sterben wegen eines Behandlungsfehlers. Im Jahr 2015 waren es sechs Patienten. Gemessen an der Gesamtzahl von Behandlungen liegt der Anteil der möglicherweise fehlerhaften Versorgung durch Ärzte allerdings im kaum messbaren Bereich. Allein ambulant gab es 2016 rund 60 Millionen Fälle in Westfalen-Lippe, wobei hier alle Vorgänge eingerechnet werden, darunter auch das Ausstellen von Rezepten. Hinzu kommen noch circa 4,5 Millionen Krankenhausbehandlungen in Westfalen-Lippe. 24 Patienten erlitten einen schweren Dauerschaden „Die Daten der Gutachterkommission umfassen etwa ein Drittel der tatsächlichen Beschwerdefälle", sagt Ärztekammerpräsident Theodor Windhorst. Die beiden anderen Drittel gehen bei der Unabhängigen Patientenberatung und bei den Krankenkassen selbst ein. „Die Erfahrung über die Jahre hat aber gezeigt, dass der Trend in der Regel parallel verläuft." Neben den 1.419 im vergangenen Jahr neu erhobenen Vorwürfen auf Behandlungsfehler hatte die Kommission noch offene 1.716 Verfahren aus Vorjahren zu bewerten. 1.333 Verfahren sind inzwischen beendet, 1.802 noch nicht entschieden. In 220 Fällen stellten die Experten einen Behandlungsfehler oder einen Aufklärungsmangel fest. 158 mal führten diese zweifelsfrei zu einem Gesundheitsschaden beim Patienten. Neben den sieben Todesfällen erlitten 24 Patienten einen schweren Dauerschaden, 52 einen leichten oder mittleren. In 658 Fällen urteilte die Gutachterkommission, dass kein Fehler des Arztes vorlag. Viele Beschwerden Nach Behandlungen wegen Knieverschleiß In den restlichen 455 Vorgängen wurde keine Sachentscheidung getroffen, „weil die Verfahrensvoraussetzungen nicht erfüllt waren", wie Marion Wüller, Ärztliche Leiterin der Gutachterkommission, erklärt. „Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der betroffene Arzt gar nicht in Westfalen-Lippe gemeldet ist oder der Fehler länger als zehn Jahre zurückliegt." Am häufigsten wandten sich Patienten nach Behandlungen wegen Knieverschleiß (29) sowie Unterschenkel- und Sprunggelenkbruch (24) an die Kommission. In beiden Bereichen wurden mit je 9 auch die meisten Fehler bestätigt. Für Theodor Windhorst ist der Rückgang der Beschwerden ein „gutes Signal". Dennoch betont der Ärztekammerpräsident: „Wir sind natürlich darum bemüht, die Zahl der Behandlungsfehler weiter zu reduzieren."

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