In Deutschland sind rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig. - © dpa
In Deutschland sind rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig. | © dpa

Gesundheit Neues Netzwerk kämpft gegen Übergewicht bei Kindern

Rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig. Die Bielefelder Pädiatrietage schenkten diesem Thema deshalb besondere Aufmerksamkeit

Bielefeld. Rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig. Etwa sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen leiden sogar an der krankhaften Form von Übergewicht, auch Adipositas genannt. Das Thema gehörte zu einem der Schwerpunkte der Bielefelder Pädiatrietage im Kinderzentrum Bethel im Evangelischen Krankenhaus. Neben zahlreichen Veranstaltungen rund um das Thema Ernährung wurde bei einer der größten Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte, Pflegende und Therapeuten dieser Art in der Region auch der Grundstein für ein neues Netzwerk gelegt. Das Ziel lautet: Ein umfassendes Hilfsangebot für Kinder und Jugendliche mit Adipositas und ihre Eltern zu schaffen. Denn was in jungen Jahren beginnt, kann ein Leben lang gesundheitliche Konsequenzen haben. Den Anfang nimmt eine Adipositas-Erkrankung in aller Regel mit der genetischen Veranlagung und der Prägung des Stoffwechsels, manchmal schon während der Schwangerschaft der Mutter oder in den ersten Lebensjahren. Viele Nahrungsmittel enthalten zudem, oft auch versteckt, sehr viel Zucker und Fett. „Ein weiter entscheidender Auslöser dieser chronischen Erkrankung ist der Bewegungsmangel in unserer modernen Welt", erläutert Eckard Hamelmann. Er ist Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Kinderzentrum Bethel, wissenschaftlicher Leiter der Pädiatrietage und Initiator des neuen Netzwerks. Mögliche Folgen von Übergewicht im Kindesalter reichen von Bluthochdruck über Fettstoffwechselstörungen, Gelenkerkrankungen bis hin zu schwerwiegenden Folgen wie Diabetes, Schlaganfällen und Herzinfarkten, die dann im Erwachsenenalter auftreten können. „Deshalb möchten wir ein umfassendes Angebot zur Prävention und Behandlung schaffen." „Neben der Versorgung akuter Gesundheitsprobleme, ambulanten Angeboten in der Tagesklinik und Ernährungsberatung möchten wir zukünftig auch zertifizierte Schulungsangebote für übergewichtige Kinder und deren Eltern im EvKB schaffen", erläutert Hamelmann. „Für den Erfolg entscheidend ist aber das Zusammenspiel aller Beteiligten, und das sind im Mittelpunkt die Patienten, daneben die Erziehungsberechtigten und eben die professionelle Unterstützung", betont er. Und diese besteht aus niedergelassenen Ärzten, Bewegungs- und Sporttherapeuten sowie Psychotherapeuten. Welche Relevanz das Thema Ernährung heute für die Kindergesundheit hat, spiegelte sich auch im weiteren Programm der Bielefelder Pädiatrietage wider, die unter dem Motto „Klassiker und Notfälle" standen. Bei der Fortbildungsveranstaltung für medizinisches Fachpersonal waren rund 300 Teilnehmer dabei. Erstmals fand sie 2015 in Bielefeld statt und soll sich als regelmäßiges Forum etablieren. Eine wichtige Rolle im Adipositas-Netzwerk, das 2017 starten soll, spielt Ines Gellhaus aus dem Kinderzentrum Bethel. Sie referierte zum Thema „Adipositas – ein chronischer Notfall". Die Kinderärztin und Ökotrophologin wird zukünftig eine Adipositas-Sprechstunde für Kinder und Jugendliche und ihre Eltern anbieten. Darin haben neben medizinischen und psychologischen auch gesellschaftliche und soziale Inhalte eine besondere Bedeutung. „Mir ist wichtig, dass wir das Thema Übergewicht bei Kindern als gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und uns gemeinsam dem Problem stellen", betont Eckard Hamelmann. Die Hilfsangebote richten sich an Kinder und Eltern gleichermaßen. Denn der Nachwuchs orientiere sich am Ernährungsangebot zu Hause und an dem Vorbild der Eltern. „Es mag banal klingeln. Aber Eltern sollten auf regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten mit nährstoffreicher Kost achten", empfiehlt er. Das Handy sollte vom Esstisch verbannt werden, der Fernseher ausgeschaltet sein. Außerdem sollten die Eltern auf genügend Sport und Bewegung achten. Gänzlich auf Süßes, Fettiges oder mediale Angebote muss aber niemand verzichten: „Man sollte nicht alles verbieten, aber ein gesundes Maß festlegen", betont Hamelmann.

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