Krank zur Arbeit? Oder sich doch lieber auskurieren? - © dpa
Krank zur Arbeit? Oder sich doch lieber auskurieren? | © dpa

Wirtschaft Expertin erklärt die gesetzlichen Regeln bei Krankheit am Arbeitsplatz

Interview mit Miriam Eikmeier, Fachanwältin für Medizinrecht, von der Detmolder Kanzlei Tölle & Melchior

Andrea Frühauf
Fachanwältin für Medizinrecht: Miriam Eikmeier. - © Kanzlei Tölle & Melchior
Fachanwältin für Medizinrecht: Miriam Eikmeier. | © Kanzlei Tölle & Melchior

Detmold. Husten, Schnupfen, Heiserkeit - die winterliche Erkältungswelle schwappt durch die ostwestfälischen Unternehmen. Manch einer bleibt liebend gern zu Hause, kuriert sich in aller Ruhe aus und kommt dann nach einer Reihe von Tagen frisch und munter zurück ins Büro. Andere sind unersetzlich, kommen als Virenschleuder zur Arbeit. Ist das erlaubt? Miriam Eikmeier, Fachanwältin für Medizinrecht mit den Tätigkeitsschwerpunkten Arbeitsrecht und Arzthaftungsrecht, kennt sich aus.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Erkältungen haben wieder Hochkonjunktur. Wann darf ein Arbeitnehmer zu Hause bleiben?
Miriam Eikmeier:
Grundsätzlich gilt, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung dann nicht erbringen muss, wenn ihm dies unmöglich oder unzumutbar ist. Er muss also arbeitsunfähig erkrankt sein. In dem Fall muss der Beschäftigte dies seinem Arbeitgeber sofort mitteilen.
Und wann muss er dem Unternehmen eine

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen?
Eikmeier:
Laut der gesetzlichen Regelung gilt: Dauert die Krankheit länger als drei Tage, muss der Arbeitnehmer eine ärztliche Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer spätestens am darauffolgenden Tag vorlegen. Das wäre also am vierten Tag nach der Krankmeldung. Im Arbeitsvertrag oder tarifvertraglich können abweichende Regelungen bestehen, so dass ein Arbeitnehmer im Zweifel hier nachsehen sollte. Aber der Arbeitgeber kann die Bescheinigung dennoch vorher verlangen, sogar ab dem ersten Tag der Erkrankung und ohne weitere Begründung. Tarifvertragliche Regelungen stehen dem nur entgegen, wenn sie dieses Recht des Arbeitgebers ausdrücklich ausschließen.

Was aber, wenn man vorzeitig wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren will?
Eikmeier:
Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist lediglich eine Prognose des Arztes darüber, wie lange der Arbeitnehmer voraussichtlich nicht arbeiten kann. Ist die Arbeitsfähigkeit also schon früher wiederhergestellt, darf der Arbeitnehmer auch wieder arbeiten.

Aber was, wenn ein zäher Arbeitnehmer trotz Grippe unbedingt vorher zurück an den Arbeitsplatz will – muss er sich dann quasi gesundschreiben lassen?
Eikmeier:
Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Arbeitnehmern und darf einem arbeitsunfähig erkrankten Arbeitnehmer, keine unangemessene Arbeitsleistung abfordern oder auch nur wissentlich entgegennehmen. Es ist sogar bereits entschieden worden, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmer von der Arbeit abhalten muss, wenn er weiß, dass „die Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers objektiv feststeht". Der Arbeitgeber muss sich also vergewissern, ob der Arbeitnehmer, der trotz Krankschreibung zur Arbeit erscheint, seine gewöhnliche Arbeit tatsächlich ausführen kann. Ist dies der Fall, kann der Arbeitnehmer arbeiten. Es ist jedoch auch möglich , dass der Arbeitgeber eine Arbeit zuweist, die der Arbeitnehmer trotz seiner Krankheit bewältigen kann und für die er ausreichend qualifiziert ist. Leidet ein Arbeitnehmer aber an einer ansteckenden Krankheit , so gebietet es die Fürsorgepflicht selbstverständlich, dass er nicht arbeitet, solange die Gefahr einer Ansteckung besteht.

Aber würde er bei vorzeitiger Rückkehr seinen Versicherungsschutz verlieren?
Eikmeier:
Arbeitet der Arbeitnehmer, obwohl er krankgeschrieben ist und erleidet einen Arbeitsunfall, zahlt die Unfallversicherung trotzdem. Ebenso ist es bei Wegeunfällen. Der Versicherungsschutz bleibt also bestehen.

Muss ein arbeitsunfähig erkrankter Arbeitnehmer während seiner Erkrankung das Bett hüten?
Eikmeier:
Grundsätzlich darf der erkrankte Arbeitnehmer nichts tun, was seine Genesung verzögern könnte. Je nach Erkrankung muss er dafür aber nicht in jedem Fall strenge Bettruhe einhalten. Ist Bettruhe also nicht zwingend notwendig, kann der Arbeitnehmer in der Regel auch Einkäufe erledigen oder einen Spaziergang machen.

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