Filmfestival in Cannes - Lars von Trier - © Foto: Joel C Ryan
Matt Dillon (l-r), Siobhan Fallon Hogan, Lars von Trier, Bruno Ganz und Sofie Grabol bei der Premiere des Films «The House That Jack Built» in Cannes. | © Foto: Joel C Ryan

Nach dem Eklat 2011 Lars von Trier bei Rückkehr nach Cannes gefeiert

Cannes - Mit erhobenem Kopf und gerade durchgestrecktem Rücken betritt der dänische Regisseur Lars von Trier den Festivalpalast in Cannes. Er ist zurück, nach sieben Jahren der Verbannung. Die Gäste im Saal springen auf und begrüßen den 62-Jährigen mit minutenlangen Standing Ovations.

Doch da ahnen sie noch nicht, was gleich auf sie zukommt: Von Triers neues Werk «The house that Jack built» ist eine so schwarze Komödie über einen Serienmörder, dass einige Galagäste den Saal frühzeitig verlassen und andere am Ende noch in den - wieder minutenlangen - Beifall der Menge hineinbuhen.

Von Trier, der 2011 nach Nazi-Äußerungen in Cannes zur Persona non grata erklärt worden war, ist in den vergangenen Jahren deutlich gealtert. Seinem Film aber merkt man keinen Energieverlust an. Stattdessen zieht der Regisseur dort für die Zuschauer immer weiter die Daumenschrauben an.

Zuerst muss Uma Thurman dran glauben und sitzt mit eingeschlagenem Kopf da. Kurz darauf wird die nächste Frauenleiche so lange über eine Straße geschleift, bis nichts mehr von ihrem Gesicht übrig ist. Als dann einem Entenküken ein Bein abgeschnitten wird, gehen die ersten Kinobesucher - eine größere Abwanderungswelle setzt ein, als Mörder Jack zwei Kinder erschießt.

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Das Enfant terrible der europäischen Filmszene zeigt damit einmal mehr, dass es provozieren kann. Vor allem die explizite Gewalt gegen Frauen wird an diesem außer Konkurrenz gezeigten Cannes-Beitrag sicher wieder heftig kritisiert werden. Doch wie auch in seinen früheren Werken «Melancholia» oder «Dogville» versieht der 62-Jährige sein Werk mit einer philosophischen und gesellschaftskritischen Ebene: Aus dem Off unterhält sich Jack (Matt Dillon) mit der Stimme von Bruno Ganz und sinniert über Familie, Kunst, das Tierreich, das Wegschauen der Menschen.

Geradezu frenetischen Applaus und Standing Ovations gab es auch für Spike Lee. Der US-Amerikaner stellte im Wettbewerb «BlacKkKlansman» vor - die unglaubliche, aber wahre Geschichte eines schwarzen Polizisten, der Ender der 1970er Jahre in Colorado eine Gruppe des Ku-Klux-Klans infiltrierte. John Washington, der Sohn von Hollywoodstar Denzel Washington, verkörpert darin lässig diesen coolen und enigmatischen Cop. An seiner Seite ist Adam Driver, bekannt aus «Star Wars», als enger Vertrauter bei der Polizei zu sehen.

Der 61-jährige Spike Lee, der in seinen Werken wie «Malcolm X» immer wieder Rassismus gegenüber Afro-Amerikanern anprangerte, inszeniert «BlacKkKlansman» gekonnt als überzeichnete, groteske Satire - wobei die Parallelen zur heutigen US-Politik und zu gesellschaftlichen Missständen erschreckend deutlich sind. Für viele Besucher ist es damit der bisher beste Film des Festivals. Es wäre die erste Goldene Palme für einen schwarzen Regisseur.

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