Mohammed bin Salman - © Foto: SPA
Kronprinz Mohammed bin Salman ist der Hoffnungsträger der jungen Saudis. | © Foto: SPA

Liberalisierung Saudi-Arabien bereitet sich auf Kino-Eröffnung vor

Riad - Mehr als 35 Jahre lang gab es in Saudi-Arabien kein öffentliches Kino - nun laufen im ultrakonservativen Königreich die Vorbereitungen für die erste Neueröffnung am Mittwoch in Riad. Mit einer Gala und einem Hollywood-Blockbuster soll dann das neue Lichtspielhaus der US-Kette AMC in Betrieb gehen.

Wer das historische Event als saudischer Normalbürger sehen möchte, dem wird der Eintritt aber verwehrt: Diese und eine Reihe weiterer Vorführungen im April sind nur für Gäste mit persönlicher Einladung bestimmt, wie AMC mitteilte.

Was in Deutschland seit Jahrzehnten normal ist, stellt in Saudi-Arabien einen Kulturbruch dar: Das Königshaus hatte Kinos Anfang der 80er Jahre im Zuge einer konservativeren Politik verboten. Hintergrund ist die extrem konservative saudische Lesart des Islam, die Vergnügungen wie Konzerte oder eben Filme verbietet.

Um die Premiere am Mittwoch machten die Veranstalter bis zuletzt ein großes Geheimnis. Welche Gäste eingeladen sind oder welcher Film gezeigt wird, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Gerüchten zufolge soll der erste Kinofilm seit den 80er Jahren die Marvel-Sci-Fi-Verfilmung «Black Panther» sein.

Die Entscheidung des Königreichs steht in einer Reihe von Maßnahmen zur Liberalisierung des Landes. So sollen Frauen ab Ende Juni schließlich auch in Saudi-Arabien Autofahren dürfen, es gibt immer mehr Konzerte und Messen. Hinter der Entwicklung steckt der Kronprinz Mohammed bin Salman. Der 32-jährige, der neulich auch die strengen Bekleidungsvorschriften für Frauen in Frage stelle, ist der Hoffnungsträger der jungen Saudis, die oft von einem Leben nach westlichen Standards träumen.

Doch «MbS», wie der Thronfolger in Saudi-Arabien respektvoll genannt wird, treibt dabei nicht nur Reformen voran, sondern auch die sehr aggressive Außenpolitik der Ölmonarchie. So ist Prinz Mohammed verantwortlich für die verheerende Eskalation des Jemen-Krieges mit mehr als 10.000 Toten.

Das erste Kino Saudi-Arabiens wird dabei nicht das letzte bleiben: Allein AMC plant Dutzende Kinos in den kommenden Jahren. Insgesamt könnten es Hunderte werden, bei denen das Königreich dann auch mitverdienen will. Bislang fuhren Saudis nämlich oft stundenlang in die Nachbarstaaten, um sich Filme anzuschauen. Dieses Geld - mutmaßlich Hunderte Millionen Euro - könnte bald im Königreich bleiben.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Copyright © dpa - Deutsche Presseagentur 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group