Sea Eye setzt die Rettungseinsätze im Mittelmeer ebenfalls aus. - © picture alliance / JOKER
Sea Eye setzt die Rettungseinsätze im Mittelmeer ebenfalls aus. | © picture alliance / JOKER

Mittelmeer Wegen Drohungen: Hilfsorganisationen stoppen Flüchtlingsrettung im Mittelmeer

Drohungen der libyschen Küstenwache führt zu "veränderter Sicherheitslage"

Rom (dpa/AFP). Nach Ärzte ohne Grenzen will auch die Organisation Sea Eye vorerst keine Einsätze zur Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen im westlichen Mittelmeer mehr fahren. Grund dafür sei eine veränderte Sicherheitslage, nachdem die libysche Regierung eine unbestimmte und einseitige Ausdehnung ihrer Hoheitsgewässer angekündigt hatte - verbunden mit einer expliziten Drohung an private Nichtregierungsorganisation, teilte die Gruppe aus Regensburg am Sonntag mit.

„Eine Fortsetzung unserer Rettungsarbeiten ist unter diesen Umständen aktuell nicht möglich. Wir können dies auch gegenüber unseren Crews nicht mehr verantworten", sagte Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer.

Ärzte ohne Grenzen hatte am Samstag mitgeteilt, den Mittelmeer-Einsatz zu unterbrechen. Zur Begründung hieß es, die zentrale Seenotrettungsleitstelle in Rom (MRCC) habe die Hilfsorganisation vor Sicherheitsrisiken in Verbindung mit Drohungen der libyschen Küstenwache gewarnt, die sich gegen die Schiffe humanitärer Organisationen in internationalen Gewässern vor der Küste des Bürgerkriegslands richteten.

Nach Angaben der Presseagentur AFP will Ärzte ohne Grenzen aber weiterhin andere Einsätze unterstützen. Die Organisation betreibt gemeinsam das Schiff "Aquarius" mit der französischen Gruppierung SOS Méditerranée (SOS Mittelmeer) Libyen und Italien hatten zuletzt den Druck auf die Helfer deutlich erhöht. Ärzte ohne Grenzen hat einen von Rom vorgelegten Kodex zur Flüchtlingsrettung nicht unterzeichnet, der unter anderem bewaffnete Polizisten an Bord der Boote vorschreibt. Libyen drohte allen Schiffen mit Konsequenzen, die zu nah an ihre Küste heranführen.

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group