Abwasser kostet Geld. Die Unterschiede bei den Gebühren sind allerdings heftig. - © dpa
Abwasser kostet Geld. Die Unterschiede bei den Gebühren sind allerdings heftig. | © dpa

Statistik der Woche Statistik: Abwassergebühren in OWL mit gravierenden Unterschieden

In direkter Nachbarschaft zahlen Bürger bis zu 800 Euro mehr oder weniger

Jürgen Mahncke

Bielefeld. Warum sind meine Abwassergebühren fast viermal höher als die in der Nachbargemeinde? Jedes Jahr, wenn die Vergleichszahlen für die Kommunen veröffentlicht werden, gibt es viele Fragen und auch Zornesfalten in den Gesichtern der Verbraucher, die am tiefsten in die Tasche greifen müssen, wie zum Beispiel in Leopoldshöhe. In Schloß Holte-Stukenbrock, wo das Abwasser am günstigsten entsorgt wird, sind der Stadtkämmerer und die Bevölkerung hingegen völlig entspannt. Was sind die Gründe für die teilweise gravierenden Unterschiede bei den Gebührensätzen? Jürgen Mahncke hat mit den Kämmerern aus Schloß Holte-Stukenbrock und Leopoldshöhe, der günstigsten und der teuersten Kommune, gesprochen. Was bezahle ich da eigentlich? Die jährlichen Abwassergebühren sind in zwei Bestandteile aufzugliedern. Zum einen beinhalten sie die Gebühren für das Schmutzwasser, das aus dem Haus in die Kanalisation fließt. Zum anderen werden Gebühren für das Regenwasser fällig, das von befestigten und bebauten Flächen in den öffentlichen Kanal gelangt. Um Regenwassergebühren zu berechnen, wird die versiegelte Fläche in Quadratmetern ermittelt und mit dem Regenwassergebührensatz multipliziert. Dieser Satz spielt neben der Grundstücksfläche eine entscheidende Rolle bei der Berechnung. Die teuerste Kommune Mit 1.154,80 Euro teuren jährlichen Abwassergebühren ist Leopoldshöhe Spitzenreiter in OWL. Zugrunde gelegt ist ein Musterhaushalt mit vier Personen, die 200 Kubikmeter Schmutzwasser in die Kanalisation einleiten. Gemeindekämmerer Hans-Jürgen Lange begründet die hohen Gebühren mit dem Wechsel des Abschreibungsmodus 2014. Abschreibungen erfolgen nun nicht mehr auf den Anschaffungswert, sondern auf den Wiederbeschaffungswert. Außerdem würden 1,5 Millionen Euro den Ausgleich des Haushaltsetats sichern. Die günstigste Kommune Ein Musterhaushalt in Schloß Holte-Stukenbrock zahlt jährlich 326,10 Euro für die Abwasserentsorgung. Stadtkämmerer Olaf Junker begründet die niedrigen Gebühren mit einer dünnen Personaldecke, der Wirtschaftlichkeit des Abwasserbereichs und der für die Verbraucher wesentlich günstigeren Abschreibungsmodus auf den Anschaffungswert der Anlagen. Auch Kanalneubauarbeiten seien im Gegensatz zu anderen Regionen hier wesentlich günstiger. Rohre ließen sich leicht und problemlos im weichen Senne-Sand verlegen. Neukalkulation 2017 Die meisten NRW-Kommunen erheben die Regenwassergebühr quadratmetergenau. Andere berechnen noch nach angefangenen Tranchen, so Bielefeld je angefangene 10 Quadratmeter, Lübbecke 50 Quadratmeter, Lemgo 75 Quadratmeter oder Verl 100 Quadratmeter. Das Oberwaltungsgericht NRW hat 2015 jedoch entschieden, das die Berechnung rechtswidrig ist. Demnächst müssen alle Kommunen quadratmetergenau die Niederschlagswassergebühr berechnen. Mit der Neukalkulation 2017 könnte die jährliche Abrechnung günstiger ausfallen. Hinkender Vergleich Bernd Schneider vom Städte- und Gemeindebund NRW findet einen Vergleich der Gebühren nur dann tragfähig, wenn die Kommunen gleiche Rahmenbedingungen hätten. Beim Abwasser gehe es darum, die geografische Lage zu beachten, ob es etwa um weit auseinanderliegende Ortsteile in Berg- und Talregionen gehe. Ein weiterer Faktor sei, ob eine Kläranlage bereits über Abwassergebühren refinanziert sei oder nicht. Als erfreulich bewertet Schneider die Tatsache, dass die Abwassergebühren im Vergleich zum Vorjahr nur marginal gestiegen sind.

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