Konfessionsübergreifender Religionsunterricht liegt im Trend. - © dpa
Konfessionsübergreifender Religionsunterricht liegt im Trend. | © dpa

Statistik der Woche Religionsunterricht in OWL: Schulen reagieren auf veränderte Nachfrage

Konfessionsübergreifender Unterricht liegt im Trend / Die meisten Schüler in OWL sind evangelisch.

Elena Gunkel

Bielefeld. Katholisch, evangelisch, muslimisch oder konfessionslos – seit den 1940er Jahren werden in NRW Daten zur Religionszugehörigkeit der Schüler erhoben und für die Planung des Religionsunterrichts verwendet. Da die Nachfrage nach islamischem Unterricht kontinuierlich steigt, bereiten sich nun viele Schulen in OWL darauf vor, das entsprechende Angebot zu erweitern. Die Einschulung der Flüchtlingskinder spielt bei diesem Trend auch eine Rolle, so die Schulämter. Warum ist der Norden von OWL evangelisch und der Süden katholisch geprägt? Wo kann man islamische Religionslehre studieren? Und warum gibt es immer mehr Kinder ohne Religionsbekenntnis? Elena Gunkel hat das recherchiert. Hochburgen der Konfessionen Während der Norden mehrheitlich protestantisch ist, sind die Kreise im Süden (Paderborn, Höxter) mit der katholischen Hochburg Paderborn überwiegend katholisch. Im Kreis Gütersloh sind beide Religionsgruppen stärker vertreten. „Diese konfessionellen Grenzen haben einen historischen Hintergrund", erklärt Religionsforscher Heinrich Wilhelm Schäfer. Unter anderem habe die lutherische Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert große Teile der Bevölkerung im Norden Ostwestfalens (Bielefeld und Kreis Minden-Lübbecke) beeinflusst. Einen Überblick, wie viele Schüler der einzelnen Konfessionen in den OWL-Kreisen unterrichtet werden, zeigt Ihnen die digitale Grafik. Die Zahlen fassen alle Schulformen zusammen: Verwendung dieser Daten Die Angaben der Schulen darüber, wie viele Kinder der einen oder der anderen Religion oder Konfession angehören, werden in erster Linie für die Planung des staatlichen Religionsunterrichts verwendet, hieß es aus dem Schulministerium. Das Schulessensangebot (mit oder ohne Schweinefleisch) und das Betreiben von Schulkantinen gestalten die Schulen und Schulträger, gegebenenfalls mit einer Beratung der Vernetzungsstelle Schulverpflegung, in eigener Verantwortung vor Ort. Ebenso kann die Schule eigenständig Freizeitangebote machen. Zahl der Konfessionslosen steigt „Dass viele Deutsche nur nominell der Kirche angehören, ist seit Jahren ein bundesweiter Trend", sagt Heinrich Wilhelm Schäfer. Auch in OWL steigt die Anzahl der Kinder, die „ohne Religion" aufwachsen. Vor zehn Jahren waren es laut IT.NRW 30.558 von insgesamt rund 132.000 Schülern, heute ist es jedes dritte Schulkind. „Diese Entwicklung ist vor allem durch die gestiegene soziale Sicherheit zu erklären", sagt Schäfer. „Dabei deutet die Gleichgültigkeit gegenüber der Kirche nicht automatisch auf einen Mangel an Spiritualität hin", so der Experte. Mehr islamischer Religionsunterricht Statistisch gesehen bekennt sich jeder fünfte Schüler in OWL zum Islam. Den islamischen Religionsunterricht (IRU) gibt in NRW seit dem Schuljahr 2012/13. Wie die Pressestelle des Schulministeriums auf Anfrage mitteilte, steigt die Nachfrage danach. Seit 2012 ist die Zahl der Schulen in NRW, die islamischen Religionsunterricht anbieten, von 33 auf 176 gestiegen. Das Studienfach „Islamische Religionslehre" zur Ausbildung der Lehrkräfte wird seit dem Wintersemester 2012/13 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster angeboten. Ökumenischer Unterricht Vor allem Schulen mit einem sehr geringen Anteil an Kindern mit evangelischer oder katholischer Religionszugehörigkeit setzen auf einen konfessionsübergreifenden Religionsunterricht. Diese Form des Religionsunterrichts ist zum Beispiel im Kreis Lippe verbreitet. „Bei der Vorbereitung des Lehrplans arbeiten beide Kirchen zusammen", erklärt Schulamtsdirektorin Marlies Böke. „Da es noch nicht überall einen flächendeckenden islamischen Unterricht gibt, melden auch muslimische Eltern ihre Kinder oft für diesen Unterricht an."

realisiert durch evolver group