Diese Teilnehmer eines Kölner Nikolausseminars wollen mit dem Weihnachtsmann nichts zu tun haben. - © dpa
Diese Teilnehmer eines Kölner Nikolausseminars wollen mit dem Weihnachtsmann nichts zu tun haben. | © dpa

Kultur Zum Nikolaustag: Nikolausbräuche auf der ganzen Welt / Mit Quiz

So wird international in Europa, den USA und Brasilien gefeiert

Julia Gesemann
Andrea Sahlmen

Das Fest des Heiligen Nikolaus am 6. Dezember ist ein wichtiger Bestandteil der Vorweihnachtszeit. Die Deutschen, vor allem die Kinder, stellen einen Stiefel vor die Tür. Am nächsten Tag sind darin kleine Süßigkeiten, Nüsse oder Früchte zu finden. Wie wird der Nikolaustag in anderen Ländern gefeiert? Teilweise gibt es einige kuriose Bräuche. Ein Überblick: Noel Baba in der Türkei Der Heilige Nikolaus kommt aus der heutigen Türkei. Und zwar aus dem früheren Lykien. Später wurde er Bischof von Myra (heutige Stadt Demre). Seit das in den 50er-Jahren bekannt geworden ist, hat sich Demre zu einer Pilgerstadt entwickelt. Alles in allem ist die Nikolaustradition in der Türkei aber noch relativ jung. Noel Baba bringt die Geschenke nicht am 6. Dezember, sondern zu Silvester. Sinterklaas in den Niederlanden In den Niederlanden wird der Sinterklaas bereits am Abend des 5. Dezember gefeiert. Der Heilige kommt bereits Mitte November mit dem Schiff aus Spanien angereist. Ein Ereignis, das sogar live im Fernsehen gezeigt wird. Und die Kinder wissen dann, dass sie am Abend ihre Schuhe aufstellen müssen – und wenn sie „artig" waren, finden sie am nächsten Morgen etwas hineingelegt. Einige Wochen lang tourt Sinterklaas dann zusammen mit seinem Helfer "Zwarte Piet" (Schwarze Peter) durch das ganze Land und beschenkt die braven Kinder. Viele Kinder verkleiden sich auch als "Zwarte Piet". Die Gesichter schwarz angemalt, volle rote Lippen, Afroperücken - das alles soll daran erinnern, dass die Helfer von Sinterklass durch die Schornsteine in die Häuser gelangen und sich die Gesichter dabei vom Ruß schwarz färben. Doch Kritiker sprechen von Rassismus und einer Diskriminierung der Menschen mit dunkler Hautfarbe. Selbst eine Expertengruppe der UNO hat gesagt, dass die Kostümierung an die Zeit der Sklaverei erinnert, als Holland noch Kolonien in Afrika hatte. Nikolausfeier im Maracanã-Stadion In Brasilien kommt der Nikolaus mit dem Hubschrauber. Am 6. Dezember fliegt er damit ins bekannte Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro ein und eröffnet feierlich die Weihnachtszeit. Rund 250.000 Menschen feiern an diesem Termin gemeinsam eine große Nikolausparty und lassen sich mit farbenfrohen und lauten Showeinlagen unterhalten. Samichlaus-Festtag in der Schweiz Die Kinder in der Schweiz freuen sich jedes Jahr auf den großen „Samichlaus"-Tag. Dann findet ein Markt statt, und als Höhepunkt reitet der „Samichlaus" auf einem Esel durch die Straßen und verteilt mit den „Schmutzlis" Lebkuchen an die Kinder. In der Zentralschweiz werden die Umzüge noch durch sogenannte „Trychler" begleitet, die mit Kuhglocken schellen und die Ankunft des „Samichlaus" ankündigen. Nikolaus und Krampusse in Österreich Die Besonderheit in Österreich ist nicht der Nikolaus, der übrigens unserem gleicht, sondern es sind die Krampusse. Das sind die bösen Begleiter, die im Gegensatz zu unserem Knecht Ruprecht gerne gleich gruppenweise auftauchen. Sie bestrafen unartige Kinder und ziehen bei Umzügen mit Ketten, Glocken und Ruten durch die Straßen. Klees'chen in Luxemburg In unserem Nachbarland ist die Nikolaus-Tradition sehr ausgeprägt. In Luxemburg bringt Klees'chen die Geschenke. Die Kinder stellen schon oft Tage vor dem 6. Dezember - der auch ein Schulfeiertag ist - ihre Stiefel vor die Haustüre. Am Sonntag vor dem Nikolaustag begrüßen viele Dörfer und Städte ganz offiziell Klees'chen, in manchen Orten kommt dieser sogar wie in den Niederlanden mit dem Boot und wird vom Bürgermeister begrüßt. Die Kinder bereiten Klees'chen auch ein Geschenk vor: Sie stellen einen Teller mit Keksen auf den Tisch, und für Klees'chens Esel gibt es etwas Heu. Santa Claus in den USA Der uns bekannte Nikolaustag am 6. Dezember wird in den USA aus Konsumgründen zwar beliebter. Dennoch bringt Santa Claus mit seinem von Rentieren gezogenen Schlitten die Geschenke erst an Weihnachten. Das hat seinen Ursprung in der Nikolaus-Tradition - denn die niederländischen Einwanderer haben den Brauch mit nach Nordamerika gebracht. Also ist Santa Claus mit Sinterklaas verwandt, der ja wiederum auf Nikolaus von Myra zurückgeht. Kinder stellen Santa Claus in der Regel Milch und Cookies hin. Väterchen Frost in Russland Obwohl der Heilige Nikolaus für Russland ein wichtiger Landespatron ist, bringt dort Djed Moros (Väterchen Frost) die Geschenke. Diese Figur stammt aus einem Märchen und sieht dem Nikolaus mit seinem weißen Bart und seinem roten, manchmal auch blauen, Mantel sehr ähnlich. Begleitet wird Väterchen Frost von seiner Enkelin Snegurotschka (Schneeflöckchen). Beide beschenken die Kinder zu Neujahr, nachdem die Kinder zum Jolkafest an Silvester vor dem Weihnachtsbaum dreimal nach Väterchen Frost gerufen haben. Heilige Messe in Bethlehem In der kleinen Stadt Beit Jala nahe Bethlehem wird jedes Jahr am 19. Dezember eine große Messe gefeiert, zu der arabische Christen aus ganz Palästina kommen. Dieser Tag entspricht im gregorianischen Kalender dem 6. Dezember im julianischen Kalender. Der heilige Nikolaus soll in dem kleinen Städtchen nämlich vier Jahre seines Lebens verbracht haben. Testen Sie Ihr Nikolaus-Wissen in unserem kleinen Quiz: Die Aktion "Weihnachtsmannfreie Zone" Übrigens: Es gibt eine Initiative gegen den Weihnachtsmann und für den Nikolaus: Die "weihnachtsmannfreie Zone" ist eine Aktion des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken e.V., dem Diasporahilfswerk der Katholiken Deutschlands. Sie wurde im Jahr 2002 ins Leben gerufen und möchte aktiv dabei dazu beitragen, den Nikolaus und die mit ihm verbundenen christlichen Werte in der Gesellschaft wieder in den Vordergrund zu stellen - und einer Verwechslung mit der populären Kunstfigur des Weihnachtsmannes entgegenzuwirken. Die Aktion hat auch eine eigene Facebookseite:

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