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Paderborn Starfighter explodiert im Tiefflug über Paderborn

18. Januar 1968: Die Ursache des Unglücks ist nie restlos geklärt worden

Jochem Schulze

Paderborn. In den vergangenen Wochen war viel über die aktuellen Ausrüstungsmängel der Bundeswehr zu erfahren. Die erreichen aber wohl allesamt nicht die Größenordnung der Starfighter-Affäre. 916 Flugzeuge des US-amerikanischen Typs Lockheed F-104 waren von 1960 bis 1991 bei der Luftwaffe registriert. 269 davon stürzten ab und rissen dabei 116 Piloten mit in den Tod. Auch in Paderborn fiel einer der bald als "Witwenmacher" apostrophierten Düsenjäger zu Boden. Der gehörte allerdings den niederländischen Luftstreitkräften. Am 18. Januar 1968 explodierte der in Enschede gestartete Starfighter in einer Höhe von etwa 300 Metern in der Luft. Die Trümmer der Maschine verteilten sich in einem Umkreis von zwei Kilometern in der Paderborner Feldflur an der Driburger Straße (Bundesstraße 64). Pilot löste den Schleudersitz Der Flugzeugführer, der noch vergeblich den Schleudersitz ausgelöst hatte, wurde getötet. Wie Augenzeugen berichteten, hatte der holländische Oberleutnant im damals noch üblichen Tiefflug zuvor über Dahl eine Kursänderung vorgenommen und war dann auf Benhausen zugerast. Etwa in Höhe des Hengkrugs passierte aber das Unglück. Dessen Ursache wurde nie restlos geklärt. Weil der Absturz jedoch über weitgehend unbewohntem Gebiet erfolgte, entging die Stadt einem größerem Unglück. Nur neun Monate zuvor war ein deutscher Starfighter in den Ortskern von Horn-Bad Meinberg gestürzt und hatte ein Wohnhaus komplett zerstört. In den Trümmern kam ein sieben Jahre alter Junge ums Leben. Als Hauptursachen der hohen Verlustrate werden heute konstruktionsbedingte Mängel, die unüberdacht hastige Einführung bei der Luftwaffe und die Überfrachtung des Fluggeräts mit artfremden Aufgaben gewertet. Der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß, ein erklärter Befürworter einer robusten Aufrüstung, hatte sich durch den Ankauf der Starfighter die Option einer bundesdeutschen Nuklearwaffe offenhalten wollen.

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