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Paderborn Karl Liebknecht schwärmte von Paderborn

Politik: Mitgründer der Kommunistischen Partei Deutschlands war Rechtsreferendar am Gericht

Jochem Schulze

Paderborn. In einem Leserbrief der Samstagausgabe, der sich den Diskussionen im Rat über Helmut Kohl widmete, war auch von Karl Liebknecht die Rede.

Dass der Politiker und bekennende Antimilitarist in den Jahren nach 1895 Rechtsreferendar am Paderborner Amtsgericht war, ist durch vielerlei Zeugnisse belegt. Denn nach dem Studium der Rechtswissenschaften, der Nationalökonomie und der Philosophie leistete der gebürtige Leipziger zunächst seinen Wehrdienst ab. Anschließend begann Liebknecht seine Referendarzeit in Arnsberg und wurde nach Paderborn versetzt.

Hier erlebte der Mann, der später die Kommunistische Partie Deutschlands mitbegründen sollte, idyllische Tage und ein gewisses Glück. Liebknecht wurde in die Familie von Max Baruch, einem späteren Ehrenmitglied des Eggegebirgsvereins, aufgenommen. "Sie haben ihm die fremde Stadt zu einer Heimat gemacht, seiner Verbannung - denn das ist es - den Stachel genommen", schrieb Karls Vater Wilhelm Liebknecht später dankbar in einem Brief an Baruch.

Die Historikerin Annelies Laschitza hat in ihrem Buch "Die Liebknechts - Politik und Familie" die Zeit in Paderborn näher geschildert. So habe Liebknecht im Gartenlokal von Wirt Heitheker, der Stammkneipe der Referendare des Königlichen Amtsgerichts am Rothoborn, gern einen Schoppen Wein getrunken. Die Paderborner, so Laschitza weiter, hätten ihn als sympathisch und fleißig geschildert.

"Was war die Paderborner Idylle doch vergnüglich und gemütlich", schwärmte Karl Liebknecht 1902 in einem Brief an Max Baruch, als er bereits in Berlin eine eigene Kanzlei führte. Er denke "oft mit viel Behagen und einer Art Sehnsucht, möchte ich beinah sagen, an dieses Erdenwinkelchen zurück".

Zu diesem Zeitpunkt war Liebknecht bereits in die SPD eingetreten. 1912 in den Reichstag gewählt, lehnte er 1914 als erster und einziger Abgeordneter die Bewilligung von Kriegskrediten ab. Im November 1918 ruft er vom Balkon des Berliner Schlosses die "freie sozialistische Republik" aus. Im Januar 1919 wird er gemeinsam mit Rosa Luxemburg von Freikorpssoldaten ermordet.

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