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Paderborn Wimbledon-Sieger bekommt Platzangst

Tennis-Schaukampf: Im Sportzentrum Maspernplatz wird Michael Stich dafür aber fürstlich entlohnt

Jochem Schulze

Paderborn. Am gestrigen Sonntag ist in Wimbledon das Endspiel des wichtigsten Tennis-Turniers der Welt ausgetragen worden. Die deutschen Cracks waren jedoch zuvor bereits spätestens im Achtelfinale ausgeschieden. Das war im vorigen Jahrhundert noch anders. Im Juli 1991 hieß der Sieger in London Michael Stich. Fünf Monate später spielte der Elmshorner sogar im Paderborner Sportzentrum Maspernplatz.

Dort stieg am Abend des 6. Dezember 1991 ein Schaukampf zwischen dem damaligen Weltranglisten-Vierten Stich und dem Weltranglisten-Zweiten Jim Courier. Der US-Amerikaner hatte im Frühsommer mit den French Open in Paris ein anderes prestigeträchtiges Turnier gewonnen. Auf dem Weg zur letzten Veranstaltung des Jahres in München („Grand-Slam-Cup") bestritten Stich und Courier in Paderborn und Karlsruhe zwei von einer Dortmunder Agentur organisierte Schaukämpfe.

In der Hochzeit des deutschen Tennis-Booms war das Sportzentrum trotz happiger Eintrittspreise mit 2.620 Zuschauern beinahe ausverkauft.

Das lag vielleicht auch daran, dass in einem vorgeschalteten Prominenten-Doppel der Paderborner Gastronom Franz-Josef Scheid an der Seite Couriers aufschlug. „Schorry" trat in seiner Kochschürze an und nahm auch die Kochmütze nicht ab.

Entgegen einiger Erwartungen nahmen die beiden Weltklassespieler ihr Showmatch später richtig ernst. Auf dem vom Paderborner Unternehmen Forbo für 60.000 Mark hergestellten und eigens verlegten Teppichboden unterlag Stich nach einer Spielzeit von zwei Stunden in drei Sätzen mit 6:7, 6:1 und 5:7. Als bei der anschließenden Autogrammstunde aber beinahe sämtliche Dämme brachen, bekam der ewige Rivale von Boris Becker angesichts des Andrangs mächtig „Platzangst".

Die wurde allerdings ordentlich vergütet. Jeder Spieler bekam am Nikolausabend ein Antrittsgeld von 120.000 Mark.

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