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Paderborn Warum Paderborn keine Autostadt wurde

Mönkeloh: Auch die Delta-Kühlschrank GmbH und die Maschinenfabrik hatten kein Glück

Jochem Schulze

Paderborn. Die deutsche Automobilindustrie steht vor großen Herausforderungen. VW in Wolfsburg, BMW in München oder Audi in Ingolstadt dürfen die Entwicklung hin zum Elektroauto nicht verschlafen. In diese Reihe von Städtenamen hätte sich auch Paderborn einreihen können. Denn in den Nachkriegsjahren sind auch in der Domstadt Personenkraftwagen produziert worden. Vom Sommer 1950 bis zum Herbst 1952 stellte die Champion-Automobilbau GmbH mehrere Hundert Kleinwagen vom Typ Champion 250 und Champion 500 her. Das Gemeinschaftsunternehmen der Benteler AG sowie des Rennfahrers und Konstrukteurs Hermann Holbein nutzte die Gebäude und Werkstätten des früheren Militärflughafens Mönkeloh. Der 500er mit seinem Zweizylinder-Zweitaktmotor (400 Kubikzentimeter, 14 PS) besaß eine fortschrittliche Technik und war durchaus schick. Allerdings waren die Fahrzeuge reparaturanfällig und mit einem Preis von 3.995 DM vergleichsweise teuer. So lief die Produktion in Paderborn bereits im Herbst 1952 aus. Die Rheinische Automobilfabrik in Ludwigshafen erwarb die Werkzeuge sowie Einrichtungen und ging damit bald darauf krachend in Konkurs. In die alten Fliegerhorsthallen aber zog die Delta-Kühlschrank GmbH ein. Diese warf jedoch ebenso wie die Paderborner Maschinenfabrik AG mit ihren Fahrrädern auf Dauer keinen Gewinn ab und musste bald schließen. Erst als Mitte der 50er Jahre die Firma Hella aus Lippstadt und der Landmaschinenhersteller Claas aus Harsewinkel auf das ehemalige Flughafengelände zogen, kam wieder dauerhaft Leben „auf Mönkeloh".

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