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Paderborn Als die Schutzengel zu Schaden kamen

Tatort-Kunstprojekt 2007: Für eine schwarze Kirche der Erleuchtung fehlten die Sponsoren

Jochem Schulze

Paderborn. Die aktuelle Diskussion um den Standort einer Bronzeglocke hat die Erinnerung an das Kunstprojekt „Tatort Paderborn" des Jahres 2007 geweckt. Das Werk des Dänen Henrik Plenge Jacobsen war bereits vor zehn Jahren umstritten. Ganz anders aber fielen damals die Reaktionen auf das Schutzengel-Projekt von Ottmar Hörl aus. Der Künstler hatte mehr als 400 goldlackierte Skulpturen an öffentlichen Gebäuden angebracht und auch an den Ufern der Pader verteilt. Viele Paderborner schlossen die Engel schnell in ihr Herz. Andere aber stahlen oder zerstörten die kleinen Kunstwerke. In den gut 100 Tatort-Tagen kam mehr als die Hälfte der Objekte zu Schaden. Die verbliebenen Engel wurden zum Preis von 75 Euro in der Städtischen Galerie veräußert und waren im Nu ausverkauft. Aktuell werden die Engel für 180 Euro gehandelt. Ein zweites Projekt aber, das Hörl für den Tatort 2007 geplant hatte, kam nicht zustande. Der Künstler wollte vor der Stadtbibliothek eine überkonfessionelle Kirche als „Ort der Erleuchtung" errichten. Der komplett in schwarz gehaltene und zwölf Meter hohe Bau wurde aber nicht realisiert. Hörl sprach nach eigenen Angaben mehr als 200 mögliche Sponsoren an und bekam mehr als 200 Absagen. „Kunst im Zusammenhang mit Kirche hat kein gutes Image", sagte Hörl im Jahr 2007 der Neuen Westfälischen. Diese Bemerkung hätte auch Tatzu Nishi gut gefallen. Der Japaner wollte 2007 ursprünglich den oberen Teil der Mariensäule am Marienplatz neu gestalten. Die Kirche spielte aber nicht mit. So installierte Nishi letztlich an der Stadtverwaltung eine überdimensionale Turmuhr.

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