Paderquellen - © Marc Köppelmann
Paderquellen | © Marc Köppelmann

Paderborn Wie der Universalgelehrte Hans-Jürgen von der Wense Paderborn erlebte

Berauschende Quellen

Jochem Schulze

Paderborn. Am vergangenen Montag war in dieser Kolumne über den Paderborn-Besuch zu lesen, auf den der Schriftsteller Sten Nadolny seine "Netzkarte"-Hauptperson Ole Reuter geschickt hatte. Ob die Stadt dabei gut oder eher schlecht wegkommt, liegt im Auge des Betrachters. Eindeutig positiv jedoch ist der Eindruck, den Paderborn auf Hans-Jürgen von der Wense (1894 - 1966) gemacht hat. Der Spross eines niedersächsischen Adelsgeschlechts, der oft auch als letzter deutscher Universalgelehrter bezeichnet wird, erkundete die Stadt im Sommer 1952. "Den ersten Tag lief ich gleich zu den Quellen, die völlig freigelegt sind. In Becken aus grüner Kreide befasst, zwischen Blumen, Weiden und Pappeln", erinnert sich von der Wense und schreibt weiter: "Ich denke, dass dies eines der seltsamsten Wunder in Europa wird. Nicht dass sie stürzen oder rauschen, es ist ein ganz sanftes Drängen und so durchaus Lebenswasser und ein Hin ins Licht mit allen Schauern der Wiedergeburt", beschreibt der weit Gereiste das Paderquellgebiet mit bemerkenswerten Worten. Und von der Wense setzt noch einen drauf. "Dies ist so sehr letztes Lebens-Geheimnis, dass jeder, der hier steht, gleich verhüllt wird in einem Dämmertraume, einem tief ihn einweihenden überwachen Schlafe. Das Wasser ist überklar", schwärmt der Schriftsteller, Völkerkundler und Enzyklopädist. Und regt so vielleicht manchen alt eingesessenen Paderborner dazu an, die Quellen nochmals mit anderen Augen zu betrachten. Haben Sie auch eine Frage, liebe Leserinnen und Leser? Dann schreiben Sie uns unter paderborn@nw.de oder an die Gertrud-Gröninger Straße 12 in 33102 Paderborn. Wir versuchen, Ihre Fragen zu beantworten und veröffentlichen Antworten immer montags an dieser Stelle.

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