Paderborn Vom Platz an der Sonne in den zweiten Golfkrieg

Minensuchboot Paderborn: Wie das Bordtagebuch mit dem Vize-Bürgermeister umging

Jochem Schulze

Paderborn. Am vergangenen Montag ist an dieser Stelle über den Beginn der Beziehung zwischen der Stadt und dem Minensuchboot Paderborn berichtet worden. Die Patenschaft verlief zunächst offenbar sehr harmonisch. So packt die Bootsbesatzung kräftig mit an, als die Stadt im Jahr 1984 Partner der Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne" wird. Der 100 Kilo schwere Anker des Schiffs wird für mehr als 5.000 Mark versteigert. Und 13 Seeleute radeln auf einem so genannten "Long Velo" von Wilhelmshaven bis an die Pader und sammeln unterwegs für den guten Zweck. Doch nur ein Jahr später wird die Patenschaft zum Gegenstand einer heftigen kommunalpolitischen Debatte. Denn die Fraktion der Bündnisgrünen um Dietrich Grothaus stellt in der Ratssitzung des Novembers 1985 den Antrag, die Patenschaft zu kündigen und stattdessen das Greenpeace-Boot Beluga zu unterstützen. Im Rathaus schlagen die Wellen hoch. CDU-Ratsherr Joseph Vögele spricht der Besatzung den Dank der Stadt Paderborn für die geleistete Arbeit zur Sicherung des Friedens und der Freiheit aus. Schließlich wird der Antrag mit klarer Mehrheit abgelehnt. So bringt das Boot den Namen Paderborn auch in den zweiten Golfkrieg mit ein. Das Schiff wird zum Minenabwehrverband Südflanke abkommandiert. Im Januar 1991 verlegt die Paderborn zunächst ins Mittelmeer und wenig später auch in den Persischen Golf. Vor Bahrain gelingt die Entschärfung von vier Minen. Im September 1991 kehrt die Paderborn unbeschadet nach Wilhelmshaven zurück. Knapp zehn Jahre später aber kommt das Aus. Am 6. Juni 2000 wird das Boot in das Marinearsenal in Wilhelmshaven geschleppt. Am 30. Juni erfolgt die offizielle Außerdienststellung. Und ausgerechnet der letzte Eintrag des Bordtagebuchs enthält einen Fehler. "Das Boot wird im Beisein des stellvertretenden Bürgermeisters der Stadt Paderborn, Herr Jackhorst, außer Dienst gestellt", ist dort zu lesen. Josef Hackfort wird es mit Humor genommen haben.

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