Salzkotten-Scharmede Schwere Zeiten für Hühnerzüchter

Rassegeflügelzüchter im Altkreis Büren werden 100 Jahre alt

Salzkotten-Scharmede. Sie gurren, sie gackern, sie scharren. 181 Hühner mit exotischen Namen wie Zwerg-Hamburger silberlack, Chabos gelockt oder Westfälische Totleger tummelten sich in Käfigen in der Scharmeder Schützenhalle. Der Kreisverband Altkreis Büren wurde 100 Jahre alt und führte seine 63. Kreisverbandsschau durch. Doch das Hobby um das bunte Gefieder bedeutet Freud und Leid zugleich für die Züchter.

Bei wohl kaum einem anderen Verein wird der chronische Nachwuchsmangel und das Schrumpfen des regionalen Vereinslebens so deutlich zu beobachten sein wie beim Kreisverband der Rassegeflügelzüchter im Altkreis Büren: Der eigene Name ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten, der 1912 gegründete Kreisverband besteht heute nur noch aus den beiden Ortsvereinen Scharmede und Salzkotten.

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116 Mitglieder kriegen beide "kreisweit" zusammen. Es ist der kleinste Kreisverband in Westfalen-Lippe. "Wie in den meisten Vereinen ist der Nachwuchs unsere größte Sorge", stellt der Vorsitzende, Josef Temborius, dar. 19 Jugendliche zähle der Kreisverband, sagt Schriftführer Helmut Haße. Platzmangel und berufliche Belastung seien weitere Faktoren für den Mitgliedermangel.

"Jeder, der 50 Jahre alt ist, gilt als jung", sagt der Scharmeder Rassegeflügelzüchter Jens Gesterkamp zur Altersstruktur in der Vereinslandschaft. Mit seinen 35 Jahren ist er selbst ein "Jungspund". Er züchtet eine japanische Kleinhuhnrasse. Zum Thema Jugendarbeit sagt er: "Man muss schon über die Familie in das Hobby Geflügelzucht hineinwachsen." Er selbst züchte Hühner, seitdem er acht Jahre alt ist, sei über seinen Vater dazu gekommen.

Einer der Jüngsten ist Julian Temborius. Der 16-jährige Sohn von Josef Temborius begeht gerade seine zweitletzte Geflügelschau. "Ich bin auch ziemlich aktiv in der Jugendfeuerwehr. Da bleibt einfach keine Zeit fürs Taubenzüchten", sagt Julian, der mehrere Pfautauben ausgestellt hat. "Das Freizeitangebot für Jugendliche ist einfach so groß geworden, dass einem zeitaufwendigen Hobby schwer nachzugehen ist", schildert Helmut Haße. Eine bis anderthalb Stunden täglich verbringe er mit seinen Tieren. Füttern, Käfige reinigen und das Gefieder pflegen stünden auf dem Plan. Wenn er nicht arbeiten würde, wäre es doppelt so viel Zeit, sagt er.

Doch trotz aller Sorgen um die Zukunft lassen sich die Züchter nicht unterkriegen: Haßes Familie etwa lebt die Geflügelzucht. Mit dem Schwiegervater bildet er eine Zuchtgemeinschaft, seine Enkelin begeistert sich ebenfalls für das Gefieder. "Wir züchten generationsübergreifend", sagt er stolz. Schließlich sei es ein schönes Hobby.

Das kann Jens Gesterkamp nur bestätigen. Zwar schätze er den Wettkampf mit anderen Züchtern und sähe gerne, was am Ende des Jahres aus seinen Züchtungen herauskommt, "aber wenn man nach einem stressigen Tag nach Hause kommt, sich mit ein wenig Futter in der Hand im Garten auf die Liege legt und die Hühner gurren im einen herum – das ist schon sehr entspannend", schwärmt er.

Ein Grund mehr, warum er versucht, von seinen Hühnern, die er nicht für die Rassegeflügelzucht nicht gebrauchen kann, "so wenig wie möglich im Kochtopf landen zu lassen".

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