Symbolfoto. - © picture alliance/dpa
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Salzkotten An schlafendem Gast vergriffen

Bewährungsstrafe: Richter erkennen auf "sexuellen Übergriff" und sprechen Schmerzensgeld zu

Jutta Steinmetz

Salzkotten. 42 Jahre lang ist Peter I. (alle Namen geändert) völlig unbescholten durchs Leben gegangen. Er arbeitete fleißig als Handwerker, engagierte sich ehrenamtlich und tat niemals etwas Verbotenes - bis zum 10. Dezember vergangenen Jahres. Da passierte etwas, was der Persönlichkeit des Salzkotteners eigentlich völlig entgegenlief. Er vergriff sich sexuell an einem jungen Mann. Jetzt musste er sich deswegen vor dem Landgericht Paderborn verantworten. Dass er einmal diesen schweren Gang antreten müsste, hätte Peter I. niemals gedacht. Schließlich ist er mit seiner Homosexualität immer offen umgegangen, so auch im Verhältnis mit einem 19-Jährigen, den er bei der Arbeit kennen gelernt hatte. "Wir haben uns immer gut verstanden", sagte Peter I. und erzählte, wie sich eine Freundschaft zu dem deutlich jüngeren Tobias A. entwickelt hatte. Nach einiger Zeit sei es auch einmal einvernehmlich zu sexuellen Handlungen gekommen. "Ich habe gedacht, vielleicht wird ja mehr draus." Doch dem war nicht so, schließlich fühlte sich der 19-Jährige doch zu Frauen hingezogen. Trotzdem besuchte er am 10. Dezember Peter I. in seiner Wohnung. Nach guten Gesprächen und einigen Gläsern Alkohol nahm der junge Mann das Angebot, bei seinem Gastgeber zu übernachten, an. Als er Tobias A. auf seinem Bett schlafend vorfand, entkleidete sich Peter I. und den 19-Jährigen, um diesen anschließend sexuell motiviert anzufassen. Der Jüngere erwachte, setzte den sexuellen Aktivitäten des Angeklagten mit den Worten "Lass den Scheiß" ein Ende, verließ die Wohnung des Salzkotteners und brachte den Vorfall zur Anzeige. "Es tut mir sehr leid", sagte Peter I., der am Freitag vor der 1. Großen Strafkammer die Verantwortung für den Vorfall übernommen und damit seinem Opfer eine belastende Aussage erspart hatte. Ein Verhalten, das die Richter honorierten. Sie sprachen den Salzkottener schuldig des "sexuellen Übergriffs" - ein Tatbestand, der erst jüngst Eingang in das Strafgesetzbuch gefunden hat. Dabei habe der Angeklagte ausgenutzt, dass sein Opfer schlief, befand die Strafkammer. Trotz dem erkannten die Richter auf einen minderschweren Fall - wegen der Vorgeschichte, die auch Tobias A. nicht bestritten hatte, aber vor allem weil Peter I. keine Gewalt angewandt und sofort nach dem verbalen Protest des 19-Jährigen von diesem abgelassen hatte. Dafür verhängten sie eine einjährige Bewährungsstrafe. Allerdings muss Peter I. seinem Opfer 1.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, denn der 19-Jährige hat sein Erlebnis nicht verwunden. "Mit geht es seelisch noch schlecht", sagte Tobias A. Vor allem habe er Angst davor, dass der Angeklagte wieder Kontakt zu ihm aufnehmen könnte. Doch da dürfte keine Gefahr bestehen. "Ich habe daraus gelernt", versicherte Peter I. und nahm sofort die Strafe an. So steht es im Strafgesetzbuch Die Richter des Landgerichts bezogen sich am Freitag auf den neu formulierten Paragraf 177 des Strafgesetzbuches: „Sexueller Übergriff; sexuelle Nötigung; Vergewaltigung: (1) Wer gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person sexuelle Handlungen an dieser Person vornimmt oder von ihr vornehmen lässt oder diese Person zur Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen an oder von einem Dritten bestimmt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. (2) Ebenso wird bestraft, wer sexuelle Handlungen an einer anderen Person vornimmt oder von ihr vornehmen lässt oder diese Person zur Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen an oder von einem Dritten bestimmt, wenn 1. der Täter ausnutzt, dass die Person nicht in der Lage ist, einen entgegenstehenden Willen zu bilden oder zu äußern, 2. der Täter ausnutzt, dass die Person auf Grund ihres körperlichen oder psychischen Zustands in der Bildung oder Äußerung des Willens erheblich eingeschränkt ist, es sei denn, er hat sich der Zustimmung dieser Person versichert, 3. der Täter ein Überraschungsmoment ausnutzt,4. der Täter eine Lage ausnutzt, in der dem Opfer bei Widerstand ein empfindliches Übel droht, oder 5. der Täter die Person zur Vornahme oder Duldung der sexuellen Handlung durch Drohung mit einem empfindlichen Übel genötigt hat."

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