Hautnah dabei: In der Glockengießerei Rincker beobachten zahlreiche Salzkottener, wie die Mischung aus Kupfer und Zinn in die Form floss. - © St. Johannes Salzkotten
Hautnah dabei: In der Glockengießerei Rincker beobachten zahlreiche Salzkottener, wie die Mischung aus Kupfer und Zinn in die Form floss. | © St. Johannes Salzkotten

Salzkotten Neue Salzkottener Glocken komplett gegossen

Salzkotten. Über 100 Interessierte aus Salzkotten und Umgebung sind mit in die Glockengießerei Rincker gefahren, um bei dem für die Johannesgemeinde historischen Ereignis dabei zusein. Früh am Morgen ging es mit dem Bus in Richtung Sinn (Hessen). Hier wurden schon die ersten fünf Glocken für das neue Bronzegeläut mit starken Begleitung als Salzkotten gegossen. Zum Abschluss sollte die Christusglocke, das mit rund 4.500 kg größte Geläut folgen. Die Mitarbeiter der Traditionsgießerei hatten die Form dafür mit Ziegelsteinen und mehreren Schichten Lehm aus einer Jahrhunderte alten Familienrezeptur vorbereitet. In die letzte Schicht ritzte der Künstler Götz Sambale biblische Texte und Fürbitten. Diese sind nach dem Guss als Erhebungen auf der Glocke zu erkennen. Die Salzkottener Christusglocke ist seit vielen Jahren die mit Abstand größte, die in der Gießerei Rincker hergestellt wurde. Die Glockengrube musste dafür zwei Meter tiefer gegraben werden. Fest in die umgebene Erde eingebaut kann die Form dem Druck der knapp 1.200 Grad heißen Glockenbronze standhalten und der Glocke ihre Gestalt geben. Dafür wurde fast 24 Stunden lang Kupfer in einem mit Öl beheizten Kessel geschmolzen. Als die passende Temperatur erreicht war, wurde Zinn hinzugegeben, um das richtige Gemisch im Verhältnis von etwa 4: zu ergeben. Auch bei dieser Rezeptur spielt die Erfahrung der Firma, die seit über 430 Jahren Glocken und Kunstgegenstände gießt, eine wichtige Rolle. Um kurz nach 14 Uhr gab Firmeninhaber Hanns Martin Rincker das verbale Startsignal: "Im Namen Gottes, gießt! "Daraufhin wurde die flüssige Bronze von etwa zehn Mitarbeitern langsam in die Form gegossen. Gespannte Stille erfüllte die schwer beeindruckten Zuschauer aus Salzkotten. Neben der extremen Hitze war vor allem das rot glühende, flüssige Metall ein ungewohnter Anblick. Aber die Ruhe und Professionalität der erfahrenen Mitarbeiter ließ keinen Zweifel daran, dass der Guss gelingen wird. Nach etwa 15 Minuten kündete ein lautes Gluckern das Ende der Befüllung an. Die Anwesenden sangen unter Mitwirkung einiger Musiker des Musikvereins Upsprunge "Großer Gott, wir loben dich". Nach dem Guss erlebte die Salzkottener eine Führung durch die Werksgebäude, bei der die einzelnen Arbeitsschritte von der ersten Form bis hin zur fertigen Glocke erläutert wurden. Auch die fünf Glocken des Salzkottener Geläutes, die bereits fertig gestellt waren, konnten angeschaut werden. Der stellvertretende Bürgermeister Michael Sprink zeigte sich beeindruckt von der Handwerkskunst: "Der Glockenguss ist ein besonderes Ereignis für Salzkotten. Die Arbeit der Handwerker so nah zu erleben, bei der aus Lehmformen so gewaltige Klangkörper entstehen, ist wirklich spannend. Ich freue mich, wenn wir in wenigen Wochen die fertigen Glocken in Salzkotten sehen können und noch mehr darauf, wenn wir sie zum ersten Mal hören dürfen."

realisiert durch evolver group