Heute kurze Verbindungswege – im Mittelalter Schutzabstand bei Feuer: Die historischen Gassen in Salzkotten weisen unterschiedliche Breiten, Pflaster und Randbebauungen auf. Sie sind mal besser und mal schlechter gepflegt. Alle Passagen zwischen Klingelstraße und Langer Straße sollen mit einem neuen, glatten Pflaster besser begehbar werden und Lichtelemente im Bodenbelag bekommen. - © Karl Finke/Montage: NW, Thomas Grundmann
Heute kurze Verbindungswege – im Mittelalter Schutzabstand bei Feuer: Die historischen Gassen in Salzkotten weisen unterschiedliche Breiten, Pflaster und Randbebauungen auf. Sie sind mal besser und mal schlechter gepflegt. Alle Passagen zwischen Klingelstraße und Langer Straße sollen mit einem neuen, glatten Pflaster besser begehbar werden und Lichtelemente im Bodenbelag bekommen. | © Karl Finke/Montage: NW, Thomas Grundmann

Salzkotten Feuergassen werden moderner

Kurze Verbindungswege: Die schmalen Durchgänge zwischen Klingelstraße und Langer Straße sollen glattes Pflaster mit Lichtstreifen bekommen. Neue Modernität im Bauausschuss umstritten

Karl Finke

Salzkotten. Die alten Feuergassen, nicht nur die eine mit genau diesem Namen, prägen die Salzkottener Innenstadt. Weil sie aus Sicht der Rathaus-Verwaltung „nahezu nicht auffindbar" sind, sollen die historischen Durchgänge zwischen Klingelstraße und Langer Straße sowie auf deren anderer Seite zum Wallgraben hin deutlicher erkennbar, heller und moderner werden. Etwa zehn dieser kurzen Verbindungen zwischen den Parallelstraßen gibt es in Salzkotten, einzelne sind private Grundstücke – so Fachbereichsleiter Ludwig Bewermeier in der öffentlichen Sitzung des Bauausschusses. Das Geld für die geplanten Maßnahmen ist da. Zu Gesamtkosten von 145.000 Euro steuert das Land Fördermittel in Höhe von 70 Prozent bei. Rathaus-Mitarbeiter Martin Westermeier stellte die Modernisierungsmaßnahmen vor. „Angsträume", so die Wortwahl der Verwaltung, sollen durch Lichtstreifen – 2 bis 3 Zentimeter breit und bis zu 60 Zentimeter lang – in einem neuen, hellen Pflaster verschwinden. Das Pflaster sollte zudem einen halben bis ein Meter in den Gehweg der Langen Straße hineinreichen, „damit das Auge drüber stolpert", so Westermeier. In der Sitzung entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über die tatsächliche Nutzung dieser Gassen und die angestrebte Modernität. „Ich bin durch die Feuergasse erst zwei Mal in meinem Leben gegangen", sagte Ortsvorsteherin Elisabeth Keuper: „Man glaubt gar nicht, dass man da durchgehen kann." Die CDU-Ratsfrau sprach von einem „lang gehegten Wunsch", diese Hinterlassenschaft des Mittelalters für ein gemütliches Stadtbild aufzuwerten. Einig zeigten sich alle Fraktionen darin, dass der neue Bodenbelag funktional, das heißt gut begehbar sein müsste. Das in der Marktstraße verlegte Basaltpflaster hätte sich für Fußgänger als mühselig erwiesen. Das von der Verwaltung vorgeschlagene glatte Pflaster fand dagegen nur die Zustimmung der CDU. Für Wolfgang Dehlinger (Grüne), der die Gassen nach eigenem Bekunden oft nutzt, würde diese vorgeschlagene Pflaster-Wahl „eher in eine Fußgängerzone als in eine historische Umgebung passen." Dieser Einschätzung schloss sich Brigitte Kesternich an: „Ich halte die Modernität für fragwürdig." „Das Pflaster tut dem Historischen keinen Abbruch", entgegnete Ortsvorsteherin Keuper und sprach sich gegen einen „Ausbau dritter Klasse" aus. Für CDU-Kollege Andreas Rupprecht sollen die geplanten Maßnahmen die alten Gassen „angenehm und schön machen". Die Vorschläge fanden auch die Zustimmung der SPD, für die Lothar Spranke sagte: „Passt". Entsprechend stellten sich in der Abstimmung nur diese beide Fraktionen hinter das Konzept der Verwaltung. Die Fraktionen von Grünen und FDP regten noch eine mögliche weitere Beschilderung der bislang namenlosen Gassen an. Von allen Fraktionen wurde die Pflege der Gassen angemahnt, weil dort heute Hundehinterlassenschaften zu finden wären und Mülltonnen abgestellt würden. Nach einer Ausschreibung sollen die Arbeiten Ende des Jahres oder Anfang 2018 beginnen. Die Verwaltung will im ersten Schritt vier Gassen zwischen Klingelstraße und Langer Straße umgestalten und mit den Maßnahmen später zwischen Wallgraben und Langer Straße weitermachen.

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