Sein Schätzchen: Tobias Hegselmann mit seinem ersten Kleinsthaus. - © Svenja Ludwig
Sein Schätzchen: Tobias Hegselmann mit seinem ersten Kleinsthaus. | © Svenja Ludwig

Salzkotten "Tiny House": Salzkottener bietet mobiles Haus im Anhängerformat an

Trotz Wohnwagengröße kommt im "Tiny House" innen wie außen kein Campingfeeling auf

Svenja Ludwig
Blick aus der Küche: Über dem schicken Wohnbereich liegt die Treppe hinauf das Schlafloft. - © Svenja Ludwig
Blick aus der Küche: Über dem schicken Wohnbereich liegt die Treppe hinauf das Schlafloft. | © Svenja Ludwig

Salzkotten. „Ein großes Haus kann jeder bauen", meint Tobias Hegselmann, „bei diesem hier gibt es so viele Finessen, die man beachten muss." Und es ist einfach niedlich, wie es da steht in dem alten Sälzer Sägewerk. „Das findet jeder, der es zum ersten Mal sieht", sagt Hegselmann lächelnd und schaut nicht ohne Stolz auf sein erstes Tiny House.

Tiny Houses sind Häuser im Anhängerformat, mobile Platzsparwunder. Der Trend kommt aus den USA. Dort hat auch Hegselmann sich ein paar Dinge abgeschaut. Von Oktober 2017 an, zunächst nebenbei, seit vier Wochen intensiv, hat er das rollende Heim dann aber nach seinen eigenen Vorstellungen auf die Räder gestellt – von der ersten Vision bis zum finalen Anstrich.

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Das Musterhaus des Eineinhalb-Mann-Betriebs Hegselmann Holzdesign misst 7,2 mal 2,55 Meter. Die Anhängerlänge beträgt 8,9 Meter. Hoch ist das Tiny House 3,95 Meter. „Die meisten Brücken sind zwar vier Meter hoch, aber das wollte ich nicht ganz ausreizen", erklärt der Erbauer.

Keine Campingklos aus Plastik

In diesen überschaubaren Maßen steckt massenhaft Qualität. Die beginnt schon bei der Außenverkleidung: Sibirische Lärche, ein sehr beständiges Material. „Die Leute sollen auch nach ein paar Jahren noch Freude daran haben", findet Hegselmann.

Von Camping-Provisorium auch innen keine Spur: Ein hochwertig ausgestatteter Küchenbereich passt genau so hinein wie ein Bad mit bodentiefer Dusche und „richtiger" Toilette. „Die Konkurrenz baut auch Campingklos aus Plastik ein", weiß der Sälzer, „ich baue aber, als wäre es für mich." Und er kann sich mit den Kunststoff-WCs nicht so recht anfreunden.

Dank großzügiger Fenster und einer vollverglasten Eingangstür kommen auch im Wohnbereich keine klaustrophobischen Gefühle auf. „Das ist alles Verbundsicherheitsglas", erklärt der 32-Jährige. So ist das Kleinsthaus einbruchs- und verkehrssicher. Denn hinter Tiny Häusern steht der Mobilitätsgedanke. „Allerdings muss man sich von der Vorstellung verabschieden, dass man es einfach anhängt und los geht’s", sagt Hegselmann.

Drei Monate an einem Ort

Schon ohne persönliche Habe wiegt das Unikat 3,8 Tonnen. Damit es bewegt werden darf, muss es vor jedem Ortswechsel 300 Kilo abspecken. Schränke und Schubladen müssen raus. „Aber bei einem normalen Umzug ist man ja auch zweimal unterwegs", relativiert der Häuslebauer. Für die Fahrt empfiehlt der Experte einen Anhängerführerschein und Übung. Er selbst hatte angesichts der Kreisverkehrdichte in der Sälzerstadt zunächst einige Bedenken. Diese Herausforderung nahm das Tiny House jedoch mit Bravur. Aber: „Es ruckelt schon ganz schön."

Und wo kann so ein rollendes Eigenheim geparkt werden? „Zur Zeit ist alles ein bisschen schwierig", gesteht der Zimmerer. Drei Monate dürfe das Häuschen grundsätzlich an einem Ort abgestellt sein. Für Längerfristiges böten sich Dauercampingplätze oder Feriengebiete an.

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Dass so ein Häuschen sich vielen Gegebenheiten anpassen muss, zeigt sich auch an der technischen Ausstattung. In einem Zwischenboden verbirgt sich, was das Leben im Kleinsthaus am Laufen hält. Ein 100-Liter-Tank versorgt mit Wasser. Zu befüllen ist das Behältnis dank City-Anschluss mit Gartenschlauch oder Gießkanne. Eine Batterie speist die Heizung, die per Fingerdreh oder Smartphone gradgenau steuerbar ist. Mit Gas schließlich wird gekocht und Wasser erhitzt.

Obwohl viele Stunden harter Arbeit in dem Miniheim stecken, ist es für 80.000 Euro zu haben. Denn die nächsten Modelle sind schon in Planung – jedes ganz individuell. Hegselmanns Erstlingswerk hat ihn von Tiny Häusern überzeugt und die Richtung des Betriebs vorgegeben: „Man sieht nachher, was man erschaffen hat und hat glückliche Kunden." Die Interessenten für Hegselmanns Arbeiten sind zahlreich und meistens weiblich: „Mid-Age-Aussteigerinnen".

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