Im kulturellen Austausch: (v. l.) Clemens und Johanne Wittkugel mit Tochter Henrike und Austauschschülerin Mia Hanna aus Serbien. - © Andreas Götte
Im kulturellen Austausch: (v. l.) Clemens und Johanne Wittkugel mit Tochter Henrike und Austauschschülerin Mia Hanna aus Serbien. | © Andreas Götte

Salzkotten Serbin Mia Hanna lernt bei der Salzkottener Familie Wittkugel Sprache Kultur und Mentalität kennen

Raus aus der Komfortzone

Andreas Götte

Salzkotten. Johanne und Clemens Wittkugel haben es gut. Sie entdecken die Welt und müssen dafür nicht einmal das heimische Sofa verlassen. Nach dem 15-jährigen Igor aus Moldawien hat die Sälzer Familie zurzeit die serbische Austauschschülerin Mia Hanna zu Gast. Die 17-Jährige ist eine von jährlich hunderten Austauschschülern, die von allen Kontinenten kommen und mit Unterstützung des Vereins Deutsches Youth for Under-standig Komitee (YFU) ein Jahr in Deutschland verbringen. Eigentlich war Mia bei einer Gastfamilie in Niedersachsen untergebracht. Doch da hatte es ihr nicht gefallen. So kam sie zu den Wittkugels nach Salzkotten. Für Johanne Wittkugel ist das völlig normal. Sie ist Austauschbeauftragte am Gymnasium Delbrück und weiß, dass "manchmal einfach die Chemie nicht stimmt". Noch bis zum Ende des Schuljahres nimmt die junge Serbin am Unterricht in Delbrück teil. Nicht zuletzt auch wegen G 8 besucht Mia Hanna die zehnte Klasse. In ihrem Heimatland war es die Jahrgangsstufe 11. Mittlerweile hat die Austauschschülerin am Gymnasium auch ein paar Freundinnen gefunden. Einfach war das nicht. "Die Menschen sind in Serbien viel lockerer, außerdem planen die Deutschen alles und machen sich mehr Sorgen. Ich bin da eher spontan", schildert Mia ihre Eindrücke. Die Südosteuropäerin hat sich für Deutschland entschieden, um gutes Deutsch zu lernen und später vielleicht ein Studium im Ausland zu beginnen. Fremd ist ihr die Sprache nicht. "In meiner Heimat habe ich in der ersten Grundschulklasse Deutsch gelernt", sagt sie. Angesichts des Wetters in Deutschland hätte sich Mia Hanna dann doch wohl lieber für Spanien entschieden. "In Serbien regnet es nicht so oft wie hier", sagt der Gast aus Belgrad. Weil Mia Hanna dort in der Innenstadt wohnt, musste sie dort so gut wie nie auf ein Fahrrad zurückgreifen. In der Sälzerstadt haben sie Johanne und Clemens Wittkugel einfach mal auf einen Drahtesel gesetzt. "Beim Deutschen Roten Kreuz werde ich einen Babysitterkursus, einen Kursus zur Ersten Hilfe und einen Selbstverteidigungskursus belegen" "Damit kann sie im Sommer mal zum Schwimmen oder bis nach Delbrück fahren", sagt Johanne Wittkugel. Auch beim vom YFU geplanten Besuch in Amsterdam sei das von Vorteil. Johanne Wittkugel ist gerne im Jugendaustausch aktiv. Sie selbst war 2001/2002 Austauschschülerin im amerikanischen Pennsylvania, ihr Mann Clemens, der am Paderborner Westfalenkolleg unterrichtet, war Austauschschüler 1996/1997 in Minnesota. "So ein Kulturaustausch ist nicht nur für die Verbesserung von Sprachkenntnissen wichtig, sondern eine Bereicherung. Die jungen Menschen haben nach einem einjährigen Aufenthalt viel Selbstbewusstsein getankt", sagt das Lehrerehepaar. Es müsse ja nicht immer England, die USA oder Australien sein, sagt Clemens Wittkugel. Das trifft auch ein Stück weit auf Mia Hanna zu. Weil sie mit der Bewerbung auf ein Praktikum spät dran war, hatte es zunächst nur Absagen gehagelt. "Da habe ich mir zwölf Bewerbungsmappen geschnappt und mich einfach persönlich vorgestellt", sagt die 17-Jährige. Damit hatte sie Erfolg. Sie bekam vier Zusagen. Noch in diesem März sammelt sie in der Apotheke am Salinenhof praktische Erfahrungen. Was sie sonst noch vorhat? "Beim Deutschen Roten Kreuz werde ich einen Babysitterkursus, eine Kursus zur Ersten Hilfe und einen Selbstverteidigungskursus belegen", sagt Mia. Zu einem Jugendaustausch gehört für ihre Gasteltern auch, dass man die eigene Komfortzone verlässt, über den Schatten springt und Dinge ausprobiert, die man Zuhause nicht macht. Mia Hanna weiß, was gemeint ist. Sie musste Grünkohl probieren, sich auf ein Fahrrad setzen, Holz für die Heizung holen und sich an das Handyverbot im Unterricht halten. Und dann war da noch der Karneval. "Der Rosenmontag hat mir gut gefallen", sagt Hanna. Nur das Mitlaufen im Kinderumzug in Delbrück zusammen mit Kindergartenkindern sei dann doch ein bisschen peinlich gewesen.

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