Soll man bald öfter sehen: Ladestationen wie diese in Altenbeken. - © Hans-Hermann Igges
Soll man bald öfter sehen: Ladestationen wie diese in Altenbeken. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Heimisches Unternehmen baut Infrastruktur für Elektromobilität

Volle Ladekraft voraus

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Noch gelten Elektroautos als zu teuer, die Reichweite zu klein, das Netz an Ladestationen zu grobmaschig. Die drei K.O.-Kriterien, die derzeit hier zu Lande für viele Autofahrer noch gegen den Kauf eines Elektroautos sprechen, sind jedoch nicht in Stein gemeißelt. Staatliche Subventionen sollen das gewünschte Umdenken beflügeln, an leistungsfähigeren Akkus wird gearbeitet. Und: Für die Verbreitung von Ladestationen stehen erste Firmen in den Startlöchern. Ganz vorne dabei ist ein Start-up aus der heimischen Region: wallbe, Marke eines traditionellen Handwerksbetriebs in Schlangen, der 1928 gegründeten Petring Energietechnik.

Dominik Freund (37), promovierter Volkswirt, war wie Mitgesellschafter Matthias Tölle (32) Berater bei der Bürener Unity AG. Als Lars Ulbricht, Elektromeister bei Petring Energietechnik, sich im Sommer 2015 an die Consulting-Firma wandte, um eine Bewertung von Marktwerten für den jungen Geschäftszweig mit Ladestationen vornehmen zu lassen, sprang bei Freund und Tölle der Funke über: Sie stiegen in Büren aus und in Schlangen ein.

Zusätzlich wurde ein strategischer Investor gefunden: Matthias Herfeld, promovierter Theologe und Geschäftsmann aus dem sauerländischen Plettenberg mit seiner mh-Beteiligungs GmbH. Dominik Freund: "Dessen Engagement ist langfristig gedacht. Es gibt uns die Sicherheit für unsere Entscheidungen." Im letzten November startete man in der neuen Konstellation. Der Umsatz war nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr 2016 bereits doppelt so hoch wie in den ersten sechs Monaten im Jahr davor und sei auf dem besten Weg, das Ziel für 2016 womöglich sogar zu übertreffen.

Dabei fängt das Geschäft mit den Ladestationen gerade erst an: Zwar stattete die Firma zum Beispiel bereits sämtliche Firmenstandorte des Blomberger Elektrotechnik-Unternehmens Phoenix Contact oder auch die Taxiflotte des Königs von Marokko mit ihren Ladestationen aus. Doch perspektivisch will man nicht nur Firmen mit eigenen Fuhrparks oder Car-Sharing-Unternehmen gewinnen, sondern auch die Privathaushalte. Die eigene Ladestation in der Garage oder an der Hauswand für den Pkw oder auch das Fahrrad, vielleicht sogar verbunden mit der eigenen Solaranlage auf dem Dach - das ist keine Zukunftsmusik mehr. Dominik Freund: "Dazu bauen wir gerade ein Netz mit interessierten Elektromeisterbetrieben sowohl in der Region als auch darüber hinaus auf."

Besonderes Potenzial sieht Freund für die junge Firma im Aufbau eines Verbundes kommerzieller Ladestationen. Den Anfang macht man mit dem regionalen Netzbetreiber Westfalen Weser Energie (WWE). Dieser plant in seinem Netzgebiet an hundert Orten 200 AC-Schnellladepunkte, wovon ein Teil bereits produziert ist. Der Clou, so Freund: "Alle Ladestationen sind abrechnungsfähig und fernsteuerbar. Das heißt: Zum Laden, egal wo, braucht man nur ein mit dem Internet verbundenes Smartphone."

Dabei fließen alle Daten in einer Cloud zusammen, so dass sowohl der Anbieter einen genauen, aktuellen Überblick über die Vorgänge an seinen Ladestationen hat, als auch der Kunde zum Beispiel über seine Rechnungen. Und noch mehr: Die "Wolke" liefert den Kunden außerdem in Echtzeit Informationen darüber, in welcher Entfernung und wo die nächste Ladestation steht und ob sie gerade frei ist. Derzeit ist man auch im Gespräch mit Stadtwerken in der Region, die ebenfalls Ladestationen einrichten wollen.

Insgesamt arbeitet man so daran, wallbe als ersten und derzeit einzig verfügbaren Anbieter eines ganzheitlichen Lade-Infrastruktur-Systems zu etablieren. Dominik Freund: "Der Fokus liegt auf Zielgruppen, die das Angebot von Ladestationen als zusätzlichen Service zur Image-Aufwertung und/oder für eigene Elektrofahrzeuge nutzen möchten."

www.wallb-e.com

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