Startet durch: Stefan Wisbereit hat bei Energieversorgern Karriere gemacht, bevor er ein eigenes Unternehmen gründete. - © Marco Schreiber
Startet durch: Stefan Wisbereit hat bei Energieversorgern Karriere gemacht, bevor er ein eigenes Unternehmen gründete. | © Marco Schreiber

Paderborn Paderborner bietet smarte Überwachungstechnik fürs Zuhause

Gründerszene (10): Mit dem Smart Home wird die Digitalisierung des Zuhauses versprochen. Stefan Wisbereit bietet intelligente Überwachungstechnik

Marco Schreiber

Paderborn. Einfach soll es sein. So einfach, dass der Verbraucher tatsächlich nur das Gerät in die Steckdose steckt. Und sicher, was den Datenschutz angeht. Der Störungsmelder von Stefan Wisbereit soll das können, die Incident Service Box ISB.

Ein schwarzes Kästchen, kaum größer als eine Zigarettenschachtel, an der Rückseite die Steckkontakte für die Dose. An der Seite eine grüne LED, die kurz flackert, wenn sich das Gerät am stärksten Mobilfunknetz anmeldet. Das soll?s auch schon gewesen sein, verspricht Wisbereit. Der Kunde müsse die ISB weder am Internetrouter anmelden noch eine App auf seinem Smartphone installieren. "Man muss nicht einmal eine Telefonnummer eingeben, das Gerät meldet sich automatisch beim System an", sagt Wisbereit.

In der Wohnung oder dem Haus verteilt der Nutzer dann die Sensortechnik. Ins Bad oder die Waschküche kommt ein batterieloser Wassermelder, der einen Rohrbruch ebenso erkennen soll wie eine schadhafte Dichtung, aus der es unerkannt tropft. Der Kohlenmonoxid-Melder wird im Kaminzimmer installiert, das Gas kann tödlich sein. In die anderen Zimmer kommen die Rauchmelder.

Die Sensoren melden sich automatisch an der ISB an. Wenn es zu einem Schadensfall kommt, wird über das Mobilfunknetz ein Signal an das Servicezentrum gefunkt. Dort hat der Kunde hinterlegt, wer informiert werden soll. Das kann auch ein Nachbar sein, wenn der Kunde im Urlaub ist. Selbst einen Stromausfall in der Wohnung melden die Sensoren. "Die Energie reicht genau für ein Signal", erklärt Wisbereit.

Mit dem Thema Smart Home beschäftigt sich der 49-jährige Paderborner schon länger. 2013 hat sich der Elektroningenieur mit der Abeeyo GmbH selbstständig gemacht. Zuvor hat er bei verschiedenen Energieversorgern gearbeitet, "überwiegend im technischen Bereich", am Ende in der Unternehmensentwicklung von Eon. Beim vernetzten Zuhause, dem Smart Home, sah Wisbereit große Chancen für ein eigenes Unternehmen. "Es ist ein großes Thema, doch längst nicht ausgereift." Verschiedene Lösungen stehen nebeneinander und fordern den Verbraucher, anders als die Werbung für die ferngesteuerte Heizung vielleicht verspricht. Wisbereit: "Das Smartphone ist die wichtigste Schnittstelle, doch viele Systeme sind zu komplex."

Die Abeeyo will den Kunden passgenaue Lösungen ins Haus oder die Wohnung schneidern und übernimmt die Konfiguration des Systems. Doch der Start verlief eher holprig. "Viele Kunden sind nicht bereit, für Planung und Beratung zu bezahlen", sagt Wisbereit. Einfacher müsste es sein, dachte der Ingenieur, sprach mit Bekannten aus seinem großen Netzwerk und entwickelte mit zwei Kollegen aus Düsseldorf die Idee weiter, in den Bereich der digitalisierten Schadensprävention einzusteigen.

Seit einem Jahr tüfteln die drei an ihrer Geschäftsidee. Marktreif ist sie längst, jetzt werden Investoren gesucht. Die sieht Wisbereit bei Wohnungsgesellschaften und in der Versicherungswirtschaft. Beide Branchen seien interessiert, Schäden schnell zu erkennen. "Durch Feuer entsteht in Deutschland ein jährlicher Schaden von etwa einer Millarde Euro", sagt Wisbereit. Die Schäden durch Feuchtigkeit schätzten die Versicherungswirtschaft sogar auf bis zu 1,9 Milliarden Euro.

Geholfen hat den Gründern der Businnessplan-Wettbewerb der OWL GmbH. Dort kam Smart Building Solutions unter die Top Ten. "Wir sind froh über solche Veranstaltungen", sagt Wisbereit. Für die Workshops mit Fachleuten und die praktische Hilfe. "Davon könnte es mehr geben", sagt Wisbereit. Deutschland sei längst noch kein Gründerland. Die formellen Hürden seien hoch, die Geldgeber fragten zuerst nach Sicherheiten und erst dann nach dem Wert der Idee. "Wir suchen anders denkende Investoren." Wagniskapitalgeber, die im Gegenzug Anteile des Unternehmens bekommen, wie es etwa in den USA bei Start-ups üblich ist.

Vom Wert seiner Geschäftsidee ist Wisbereit überzeugt. "Das technische Bedürfnis ist da, das Sicherheitsbedürfnis auch." Zudem ist das System ausbaufähig und kann mit allen Finessen der Smart Home-Branche kombiniert werden: Heizungsregler, die mit Fenstergriffen kommunizieren, intelligente Rollläden, Lampen, Klimasteuerungen. Wisbereit: "ISB ist der Einstieg ins Smart Home."

Als Rat gibt er Gründern auf den Weg, ein Netzwerk aus Mentoren zu knüpfen und sich um einen vertrauenswürdigen Rechtsbeistand zu kümmern. Wisbereit: "Bei der Vertragsgestaltung kann man schnell sehr tief fallen." Große Bedeutung misst der Gründer auch der Wahl der richtigen Partner zu. "Da sollte man auch mal auf den Bauch hören." Nicht verkehrt ist auch, nicht zu lange mit der Gründung zu warten - der Vater eines 15-Jährigen ist fast 50, wenn die Smart Building Solutions in die Register eingetragen wird.

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