Umbau zum Einsatzleitwagen: Robin Holzmann verlegt Kabel in einem Kleintransporter Kabel für ein Funksystem. - © Marco Schreiber
Umbau zum Einsatzleitwagen: Robin Holzmann verlegt Kabel in einem Kleintransporter Kabel für ein Funksystem. | © Marco Schreiber

Paderborn Wie ein ehemaliger Paderborner Autoverkäufer zum erfolgreichen Gründer wurde

Gründerszene: Mit seiner Firma rüstet Robin Holzmann den Laderaum von Kleintransportern nach Kundenwünschen um

Marco Schreiber

Paderborn. Robin Holzmann hat es geschafft. Vor sieben Jahren hat sich der gelernte Einzelhandelskaufmann selbstständig gemacht. Als Einzelkämpfer mit einem Smart und einem Anhänger. Im Oktober zieht er in sein neues Firmengebäude am Autohof Mönkeloh. Zehn Mitarbeiter beschäftigt der 40-jährige Paderborner mittlerweile, Kommunen, Rettungsdienste und Handwerker sind seine Kunden.

Holzmann baut mit seiner Firma Transporterstore den Laderaum von Kastenwagen um. "Wir installieren Bodenplatten, Seitenwände, Regalsysteme und Einrichtungen zur Ladungssicherung", sagt Holzmann. "Der größte Teil sind Einzelanfertigungen." Etwa für den Zwei-Meter-Mann, der sich längere Schienen für den Fahrersitz einbauen lässt, damit er bequemer lenken kann. Oder für einen Fuhrparkbetreiber, der zwei Transporter als Sprengstoffahrzeuge einrichten lässt. Kugelsichere Scheiben, Panzerplatten im Laderaum. Solche Spezialfahrzeuge werden gerufen, wenn ein herrenloser Koffer oder ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg abtransportiert werden soll. Auch bei Großveranstaltungen wie jetzt bei der EM in Frankreich stehen sie im Hintergrund bereit.

Anfangs war diese Erfolgsgeschichte kaum absehbar, erzählt der ehemalige Volkswagen-Verkäufer. Mehrere Jahre habe er darüber nachgedacht, unternehmerisch auf eigenen Füßen zu stehen. "Es waren viele schlaflose Nächte, vor allem wegen des finanziellen Risikos", erzählt er. Von den Banken konnte er keinen Kredit erwarten. Holzmann: "Ohne Sicherheiten kein Geld." Mit der Familie im Rücken hat er den Schritt trotzdem gewagt, anfangs Regalsysteme für Transporter zu verkaufen. "Per Klinkenputzen."

Die ersten beiden Jahre seien schwierig gewesen. Dann gab?s den Förderpreis der Stadt Paderborn für seine Existenzgründung, kamen immer größere Aufträge. Zu einer ersten Werkhalle mietete Holzmann die nächste und die übernächste hinzu, stellte Elektriker, Tischler und Automechaniker ein, zog weitere Kunden an. Einen mobilen Essensanbieter etwa, der die Portionen nicht länger bloß lauwarm ausliefern wollte. "Wir haben die Fahrzeuge mit Warmhalteöfen und zusätzlichen Batterien ausgerüstet", berichtet Holzmann.

Gerade steht ein weißer Transporter mit Blaulicht vor der Werkstatt. Farbige Kabel hängen aus der Verkleidung, im Heck steht ein Generator. "Das wird ein Einsatzleitwagen für das DRK." Zwei Funksysteme werden installiert, eine eigene Stromversorgung, Schreibtisch und Regale.

Im Herbst soll ein von Holzmann ausgestatteter Opel Vivaro auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt zu sehen sein, ein Auftrag des Rüsselsheimer Autobauers. Holzmann: "Wir statten den Transporter mit Ladungssicherung und Laderaumschutz aus." Danach zieht die Firma nach Mönkeloh und wird dort Paderborns erste Transporterwaschanlage in Betrieb nehmen.

Dort ist Platz für weiteres Wachstum, vielleicht so langsam wie bisher. Ein strategischer Vorteil, glaubt Holzmann. "Wenn man auf einen Schlag wächst, stehen oft große Unternehmen dahinter." Und die seien mit ihren Großaufträgen ganz schnell verschwunden, wenn es anderswo ein bisschen billiger geht. "Ein breit gestreuter Kundenkreis mit mittelständischen Unternehmen ist mir lieber als der eine Großkunde", sagt Holzmann.

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat er übrigens nicht bereut. "Es war die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe."

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