Paderborn Gründerszene Paderborn: Wie Volker Bastert zum regionalen Pionier wurde

Mit einer direkten Beteiligung ist er jetzt sogar regionaler Pionier in Sachen Risikobeteiligung

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Die eigene Gründung fand 1985, also vor über 30 Jahren, in einer Dachwohnung an der Benhauser Straße statt. Volker Bastert, promovierter Absolvent eines Studiums der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Bilanzen und Steuern an der Universität-Gesamthochschule Paderborn, hatte als Dreißigjähriger schon dreieinhalb Jahre in der Steuerabteilung des Medienkonzerns Bertelsmann gearbeitet. Nun wollte er lieber sein eigener Herr sein - und machte sich als Steuerberater selbständig. Die Resonanz auf die beiden ersten Kleinanzeigen, mit denen er seine Dienste anbot, war eher mäßig. Bastert: "Genau zwei Leute meldeten sich bei mir." Aber dafür nachhaltig, wenigstens zum Teil. Volker Bastert: "Einer der beiden ist immer noch mein Mandant." Es zeigte sich nämlich: Wer zufrieden ist mit seinem Steuerberater, bleibt in der Regel über Jahrzehnte treu. Volker Bastert: "Mandate gewinnen Steuerberater vor allem auf zwei Arten: Als Übernahme eines alten, wahrscheinlich komplizierten Falls. Oder zu Beginn einer unternehmerischen Tätigkeit." Heute, mit 61 Jahren, arbeitet der Paderborner Steuerberater in einer Societät mit Sybille Baumgart und Dirk Oetelshofen. Mit insgesamt 16 Mitarbeitern betreuen sie mittelständische Mandanten an den drei Standorten Paderborn, Leopoldshöhe (Lippe) und Herrnhut (Sachsen). Und außerdem: Volker Bastert ist seit Jahren ehrenamtlich aktiv in der Beratung von Existenzgründern. Regelmäßig schaut er im Gründerzentrum der Uni Paderborn TecUP vorbei, steht auch zwischen den Vorträgen für Fragen und Tipps den jungen Leuten zur Verfügung. "Gärtnern" nennt er das und erklärt: "Denn gerade am Anfang, in der Entstehungsphase eines Unternehmens, kann man viel gestalten, indem man sich kümmert. Das macht Spaß, auch wenn es mühsam ist." Dass Volker Bastert auf diese Weise den einen oder anderen späteren Mandanten für seine Societät gewinnt, ist ein willkommener Nebeneffekt. Auch wenn er solch mühsame Kundenaquise längst nicht mehr nötig hat. Zu TecUP-Gründer Rüdiger Kabst stieß Volker Bastert schon zu dessen Gießener Zeiten. Beide kannten sich über ihren BWL-Professor, den früheren Rektor der Universität-Gesamthochschule, Wolfgang Weber. In Gießen nämlich baute der Paderborner Kabst ab 2009 ein erstes Gründerzentrum auf, die Blaupause für das Paderborner TecUP, das 2014 an den Start ging. Den eigenen Durchbruch als junger Unternehmer schaffte Volker Bastert mit der deutschen Einheit ab 1990. Aber nicht in Paderborn, sondern in Sachsen, wohin er persönliche Kontakte pflegte. Er nutzte die Chance, ein Büro in Herrnhut aufzubauen. Anders als in Paderborn konnte man da schon mal binnen 14 Tagen ein Dutzend neue gewerbliche Mandate gewinnen. Volker Bastert beschreibt die Geschichte seiner Gründung gern mit dem langsamen Start eines schweren Transportflugzeuges, das erst ganz allmählich, aber dafür kontinuierlich an Höhe gewinnt. Damit war seine eigene Gründung im Prinzip das genaue Gegenteil heutiger Startups. Deren Strategie beschreibt Volker Bastert nach dem Prinzip eines Raketenantriebs: "Am Anfang muss unheimlich viel gepowert werden, muss ordentlich Brennstoff gezündet werden, damit das Ding hochgeht." Apropos Brennstoff: Genau daran mangelt es vielen Start-Ups in der Frühphase. "Viele sehen dann den Moment nicht, an dem sie eigentlich schon Fremdkapital aufnehmen müssten, um die Geschäftsidee zur Zündung zu bringen", sagt Volker Bastert. Die örtlichen Banken gingen noch zu zögerlich mit dem Verleihen von Risikokapital um, es fehlten entsprechende Fonds. Deshalb ist Volker Bastert zum Ende seines eigenen, erfolgreichen Berufslebens noch selbst unter die Investoren gegangen. Seine Wahl fiel auf die StudyHelp GmbH. Das Start-Up macht mit Crashkursen Studierende und Schüler in ganz Deutschland fit, hebt sich aber von traditionellen Nachhilfeangeboten ab; Online-Videos und Facebook-Chats gehören genau so zum Programm wie Präsenzkurse. Vielleicht, so hofft Volker Bastert, findet er Nachahmer.

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