Lebensmittel online: Philipp Schumann (v. l.), Laban Asmar und Fabian Lenhart sind mit ihrer Internetplattform apriku.de auf allen Endgeräten präsent - egal ob Smartphone, Tablet oder PC. Ihr Markenzeichen sind Aprikosen. - © Hans-Hermann Igges
Lebensmittel online: Philipp Schumann (v. l.), Laban Asmar und Fabian Lenhart sind mit ihrer Internetplattform apriku.de auf allen Endgeräten präsent - egal ob Smartphone, Tablet oder PC. Ihr Markenzeichen sind Aprikosen. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Startup will den Handel mit Lebensmitteln jenseits der Discounter beleben

Gestöbert wird auf ihrer Plattform, gekauft aber vor Ort

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Olivenöl aus Griechenland, deutscher Joghurt, frische Süßigkeiten vom Bäcker. Zu sehen sind die Waren im Netz, mit aktuellem Preisschild. Kaufen kann man sie vor Ort, beim Händler um die Ecke. Ein Anfang ist gemacht. "Da ist noch viel Potenzial", sind sich die vier jungen Paderborner aber sicher. Andreas Unruh (30), Philipp Schumann (23), Laban Asmar (26) und Fabian Lenhart (23) starten gerade durch mit ihrer digitalen Plattform für den örtlichen Lebensmittelhandel. Seit zehn Monaten feilen sie an "www.apriku.de". Das klingt nicht nur nach "Aprikose", das Logo sieht sogar so aus. Die Webseite soll Kunden und Händler lokal zusammen führen. Tagesaktuelle Sonderangebote, Sonderposten kurz vor dem Ablauf der Mindesthaltbarkeit, besondere Schnäppchen genau so wie besondere Qualität - das alles sollen die Händler besser und flexibler unter die Leute bekommen als bisher. Auf bis zu 150 lokale Unternehmen schätzen die vier jungen Gründer die Zielgruppe der Händler in und um Paderborn, die sie für apriku gewinnen möchten: Bäcker, Fleischer, Supermärkte, Bioläden, Fachgeschäfte. "Alle außer die großen Discounter", sagt Fabian Lenhart, der für die Händler-Akquise zuständig ist und gerade besonders um Hofläden wirbt. Denn, so Lenhart: "Wer weiß schon, wo es überhaupt solche Läden gibt? Dabei haben die doch besonders frische Produkte." Während die großen Discounter die Konsumenten mit ihrer Werbung zuschütten, hätten gerade kleine Unternehmen wenig Möglichkeiten, effizient auf sich aufmerksam zu machen, so die Beobachtung der jungen Paderborner. Dabei seien viele Produkte bei den Kleinen gar nicht mal teurer als bei den Großen. Momentan, so lange die Plattform im Aufbau ist und auch die Nutzer erst gewonnen werden müssen, ist die Plattform für Händler denn auch gratis. Wenn nennenswerte Nutzerzahlen erreicht sind und im Idealfall das Geschäft der Händler profitiert, sollen monatliche Gebühren in etwa der Höhe einer üblichen Handyrechnung stehen. "Das wird ein Händler, der seinen Laden mit der Familie betreibt, so gut wie nicht merken." Größere Geschäfte wie ein vom Inhaber geführter Edeka oder Rewe sollen nach Mitarbeitern zahlen. Den Händlern soll über die Plattform auch eine zusätzliche Form des Kundenkontakt ermöglicht werden, indem sie sich den Kunden nämlich auf ihre persönliche Art vorstellen. An die Möglichkeit, die Waren im Internet zu bestellen und sich liefern zu lassen, ist dabei jedoch nicht gedacht. Laban Asmar ist überzeugt: "Eigentlich wollen die Kunden die Waren vor dem Kauf anfassen können." Seit Januar haben die vier jungen Entwickler ein Büro im Existenzgründungszentrum TecUP der Universität, profitieren von der Logistik dort und der Beratung. Die Studenten ergänzen sich in ihren Fähigkeiten offenbar gut: Der Wirtschaftsinformatiker Schumann, der Wirtschaftswissenschaftler Lenhart und der Wirtschaftsingenieur Asmar lassen sich dabei gern fachlich leiten vom erfahreneren, bereits neben einem Dualen Studium im Berufsleben stehenden Informatiker Andreas Unruh. "Der hilft uns, die Dinge vom Ende her zu denken", sagt Fabian Lenhart. Obwohl die Arbeit an der Plattform inzwischen viel Zeit verschlingt, sind die Studenten nach wie vor wild entschlossen, ihre angepeilten Abschlüsse in naher Zukunft auch zu erreichen. "Außerdem ist uns klar, dass wir mit unserer Plattform so schnell kein großes Geld verdienen werden", sagt Fabian Lenhart. Wichtig sei, dass vor allem die Nutzer möglichst sofort mit der Plattform zufrieden sind. Deshalb wollen sie sich auch offen für deren Vorschläge zeigen. Lenhart: "Wenn uns zum Beispiel jemand einen Laden in seiner Nähe nennt, dessen Angebote er gerne auf apriku hätte, dann würden wir versuchen, den Händler dafür zu gewinnen." So soll Paderborn zu einer Art Musterort werden. Denn: "Die Plattform selbst kann man auf jede Stadt übertragen", sagt Laban Asmar. Die Nutzer selbst will man zunächst mit Plakaten bei teilnehmenden Händler oder über Werbeaktionen in deren direktem Umfeld gewinnen. Fabian Lenhart: "Ein Bäcker erwägt sogar, unser Logo auf tausende seiner Brötchentüten zu drucken." Je mehr Verbraucher die Internet-Plattform nutzen, desto mehr Händler werden mitmachen. Und je mehr Händler mitmachen, desto mehr Nutzer kommen - so lautet die Gleichung im Online-Zeitalter. "Aber bis das läuft, werden wir erst einmal noch kleine Brötchen backen", sagt Fabian Lenhart.

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