Die Residual Gurus trommeln fröhlich vorm Schloss. Als instrumentaler Rohstoff dient den Clown-Musikern aus Spanien, die heute ab 17.15 Uhr wieder auftreten, allerlei Schrott und Abfall, als rhythmische Basis Elemente aus dem Tribal-Techno. - © FOTOS: FLORIAN PFITZNER
Die Residual Gurus trommeln fröhlich vorm Schloss. Als instrumentaler Rohstoff dient den Clown-Musikern aus Spanien, die heute ab 17.15 Uhr wieder auftreten, allerlei Schrott und Abfall, als rhythmische Basis Elemente aus dem Tribal-Techno. | © FOTOS: FLORIAN PFITZNER

PADERBORN-SCHLOß NEUHAUS Zum Auftakt auf die Pauke

Im Schlosspark startet die 6. Internationale Kulturbörse

VON FLORIAN PFITZNER

Paderborn-Schloß Neuhaus. Männer in Anzügen hängen kopfüber an der Schlossfassade; historische Karussells drehen sich zu Leierkastenmusik; im Park tratschen zwei grell geschminkte Toilettenfrauen über den britischen Adel, als eine Horde von Clowns mit Backenbärten auf Kabelschläuche drischt. Montagabend traten die ersten Straßenkünstler bei der 6. Internationalen Kulturbörse auf.

Als das Theatre Fragile über Pracht und Qual des Alters sinniert, schlendert Jacob Slagman versunken durch das zur Messehalle umfunktionierte Bürgerhaus. Der Künstler aus den Niederlanden – Genre: surrealer Tanz – ist Stammgast. Die Kulturbörse ist für ihn ein Pflichttermin. Doch Slagman sieht davon ab, etwas aus einer seiner Shows vorzutragen. Vielmehr sucht er nach neuen Eindrücken, "nach Theater, das mich endlich wieder im Herzen berührt".

Momentan seien ihm die meisten Konzepte zu platt. "Zuletzt sah ich immer nur Produktionen mit viel Bumm-Bumm", sagt Slagman, "wohl um die Menschen aus der Realität zu ziehen." Dabei erreiche Straßenkunst just erst dann ein ordentliches Maß an Tiefe, wenn das Ensemble sein Publikum "mit der Wahrheit konfrontiert, also echt ist". Draußen trommeln die wilden Residual Gurus, als wollten sie Slagman provozieren.

Programmkoordinator Bartel Meyer teilt die Ansicht der Skeptiker. "Selbstverständlich ist das Niveau in Ländern wie Frankreich höher als bei uns", sagt der Kulturbeauftragte, "schon allein aufgrund der langen Tradition." Die fehle eben in Deutschland. Deshalb sollen Künstler und Veranstalter bis Mittwoch miteinander diskutieren, um die Qualität zu steigern.

Manfred Schlaffer vom städtischen Kulturamt sieht die hiesigen Straßenkünste – ob kleine spielfreudige Jonglage oder große dramaturgische Inszenierung – im Wert gestiegen. "Dennoch", da geht er d’accord, "brauchen wir mehr Inhalt."

Das Berliner Duo Bombastic Orchestra setzt in seiner Show "Spins and Loops" auf eine interaktive Diabolo-Show, um am Status quo zu feilen. Dabei kreieren Holger Müller und Sebastian Gerer mittels Drum-Ma-shine, einem elektronischen Instrument für perkussive Klänge, und Mikrophon einen rasanten, mit HipHop-Elementen durchzogenen Sound. "Wir sind das erste Mal in Paderborn", sagt Müller, der zuvor "viel Gutes" über die internationale Kulturbörse gehört hat. "Wir wünschen uns, dass wir mit dem einen oder anderen Veranstalter ins Gespräch kommen."

Darauf hofft auch die belgische Tänzerin Vania D'Angelo. Gemeinsam mit ihrem Partner Kevin Troussart füllt sie das 20-minütige Stück "Chrysalis" des spanischen Choreographen Jordi L. Vidal mit Tanz und Akrobatik. "Chrysalis" erzählt die Geschichte eines jungen Paares, mit all seinen leidenschaftlichen Verstrickungen. "Über ein Tau ringen wir mit- und umeinander", erklärt D'Angelo, "bis wir zueinander finden." Womöglich zieht die zierliche Frau samt Seilschaft auch die Zweifler in ihren Bann.

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