Nur wenige Schadstellen müssen ersetzt werden. Friedrich Wilhelm Hülsemann (l.) und Zimmermann Dieter Klaus (48) studieren die Planung. Klaus hat ein feines Händchen für altes Holz - der Erwitter ist gelernter Holzbildhauer. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Nur wenige Schadstellen müssen ersetzt werden. Friedrich Wilhelm Hülsemann (l.) und Zimmermann Dieter Klaus (48) studieren die Planung. Klaus hat ein feines Händchen für altes Holz - der Erwitter ist gelernter Holzbildhauer. | © FOTO: REINHARD ROHLF

Neue Attraktion am Lippesee

Auf dem Gelände des Holthofes werden 1,5 Millionen investiert

Paderborn. Fragt man Friedrich Wilhelm Hülsemann nach seinem Beruf, bietet er eine kürzere oder eine längere Antwort. Die Kurzform lautet "Investor", die längere "Kaufmann, leidenschaftlicher Fachwerk-Liebhaber und deshalb leidenschaftlicher Bauherr".

Zum ehemaligen Holthof am Lippesee passt die längere Bezeichnung besser. Dort hat der 60-jährige Lippstädter damit begonnen, sein neuestes gastronomisches Projekt in die Tat umzusetzen. Ab Sommer 2010 sollen zwei historische landwirtschaftliche Gebäude zu einem neuen Besuchermagneten am beliebten Freizeitsee werden: Der fast 300 Jahre alte Schafstall des ehemaligen Holthofes und daneben das aus dem Jahre 1818 stammende Bauernhaus des Wassmannshofes aus dem benachbarten Delbrück. Die Holzbalken des vor einem Jahr in Delbrück abgebauten Fachwerkhauses lagern unter Planen auf dem Holthof-Gelände und warten auf den Wiederaufbau.

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Zunächst aber muss der alte Schafstall um etwa 20 Meter nach Süden versetzt und um 180 Grad gedreht werden, denn das heute an der Rückseite liegende alte Deelentor mit seiner lateinisch-deutschen Inschrift soll künftig an der Westseite des Ensembles die Besucher begrüßen. "Obwohl beide Gebäude ihren Standort wechseln, bleibt der Denkmalschutz erhalten", berichtet der stolze Eigentümer.

Der Wassmannshof wird das klassische A-la-carte-Restaurant mit zwei Räumen für kleinere Familienfeiern beherbergen, der Schafstall das Ambiente für größere Feste (300 Gäste) oder üppige Sonntags-Frühstücke bieten. Im flachen, modernen Neubautrakt, der die beiden Fachwerkbauten verbinden wird, finden der Eingangsbereich , Küche, Toiletten und Vorratsräume Platz. 1,5 Millionen Euro will Friedrich Wilhelm Hülsemann am Holthof investieren. Seine Frau Sigrid betreibt nach ähnlichem Konzept den Lippstädter Hülshoff. "Wir haben ihn 1995 als gastronomische Seiteneinsteiger eröffnet", sagt Hülsemann.

Die Stadt Paderborn als bisherige Eigentümerin hat lange nach einem neuen Verwendungszweck für den Holthof gesucht. Binnen zwei Jahren nach Eröffnung der neuen Lippesee-Attraktion möchte Hülsemann beginnen, die früheren Stallungen des Hofes in ein 30-Zimmer-Hotel umzubauen. Dort, wo der Fuß- und Radweg am Gelände vorbei führt, soll der kleine, alte Stall des Hofes Ense, den der Fachwerk-Fan in Liesborn entdeckt hat, als Pausenstation für Ausflügler dienen.

Gespannt wartet Friedrich Wilhelm Hülsemann, für welches künftige Domizil sich die seltenen Fransenfledermäuse entscheiden werden, die bislang im Schafstall zuhause waren. Der wechselt seinen Standort um ein paar Meter. Vielleicht finden die fliegenden Mäuse, wenn sie künftig strikt nach bisherigen Koordinaten anfliegen, das Gebälk des Wassmannshofes nicht minder wohnlich.

Betrieben wird die neue Gastronomie am Lippesee übrigens von zwei gebürtigen Paderbornern: Hülsemanns Söhne Jan-Wilhelm (30, Gastronom) und Alexander (28, Kaufmann) erblickten nicht in Lippstadt, sondern an der Pader das Licht der Welt.

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