Paderborn Paderborner planen freies WLAN-Netzwerk in der City

Öffentlich zugängliche Router sollen das Internet verteilen

Paderborn. Ein flächendeckendes Internet, privat und frei von kommerziellen Interessen – das ist die Vision von Internet-Vordenkern, die sich "Freifunk-Community" nennen. Ihre Idee: Ihre privaten WLAN-Router kommunizieren miteinander und bilden so ein frei zugängliches Netzwerk. In Berlin feiert die Community mit etwa 24.000 registrierten IP-Adressen bereits ihr Zehnjähriges. In Paderborn steht das Projekt nun in den Startlöchern. "Tatsächlich sind wir gerade dabei, auch in der Domstadt eine Freifunk-Community auf die Beine zu stellen", sagt Micha Pekrul, der gemeinsam mit Tobias Hardes die Umsetzung plant. Eine Demokratisierung der Kommunikationsmedien – dafür setzen sich die beiden gemeinsam mit Tausenden Mitgliedern in Deutschland ein. Sein WLAN für Paderborner Mitbürger zu öffnen – das scheint gar nicht so kompliziert. "Wer mitmachen möchte, kann sich bei uns einen Freifunk-Router zum Selbstkostenpreis kaufen", erklärt Micha Pekrul. Wenn er zu Hause bereits einen Router mit Internetzugang hat, kann er beide miteinander verbinden. Sein Freifunk-Router stellt nun einen sogenannten Knoten im Freifunk-Netz dar. Nachbarn, die sich ebenfalls Freifunk-Router angeschafft haben, können sich so zusammenschließen. "Aber nicht jeder muss seinen Freifunk-Router mit dem privaten verbinden", erklärt Pekrul. Das Internet wird sozusagen geteilt.IP-Adresse nicht zurückzuverfolgen Ein sozialer Gedanke mit Problemen. "Bisher haftet der jeweilige Inhaber eines offenen und unverschlüsselten WLAN immer auch als sogenannter Störer, wenn über das Internet illegal agiert wird", erklärt die Fachanwältin für Informationstechnologierecht Carola Sieling aus Paderborn. Die Freifunk-Community bietet eine Lösung. "Jeglicher Datentransfer läuft zunächst über einen zentralen Zugangspunkt, ein sogenanntes Gateway", sagt Pekrul. Von da aus laufen die Datenpakete zu einem ausländischen VPN–Anbieter (Virtuelles privates Netzwerk). Während all dieser Schritte werden keine Daten gespeichert. Pekrul: "Die IP-Adresse des Computers zu Hause ist somit nicht zurückzuverfolgen. Deswegen kann auch niemand als Störer identifiziert werden." Professor Christoph Sorge vom Institut für Informatik an der Universität Paderborn hält das Vorhaben für umsetzbar: "Natürlich ist so etwas nie zu hundert Prozent sicher, aber nach dem Stand der aktuellen Technik muss man sich da keine Gedanken machen."Thema auch für die Stadtverwaltung Die "Störerhaftung" umgangen – und die Möglichkeit für illegale Aktionen geschaffen? Stichworte wie Urheberrechtsverletzungen kommen bei der Diskussion immer wieder auf. "Freie, unüberwachte Kommunikationsmittel sind wichtig in einer Demokratie", sagt Hardes vom Freifunk Paderborn. Und diese können sowohl zum Guten als auch zum Schlechten verwendet werden. Frei zugängliches Internet für die Bürger – das ist der Grundgedanke, mit dem sich auch die Stadt Paderborn beschäftigt, denn bisher gibt es das nicht. "In die nächsten Ausschreibungen für die Außenwerbung wollen wir das Thema Internet einbeziehen", sagt Jens Reinhardt, Pressesprecher der Stadt. Unternehmen, die beispielsweise an Bushaltestellen ihre Werbung schalten, sollen gleichzeitig für einen Hotspot sorgen, über den sich die Paderborner ins Internet einwählen können. Die Demokratische Initiative Paderborn fordert ein freies und einheitliches Highspeed WLAN für die Paderborner Innenstadt. Ihr entsprechender Antrag im Rat wird von der Stadtverwaltung nun auf seine Machbarkeit geprüft. "Wir sind dem Thema gegenüber aufgeschlossen. Kosten und Nutzen müssen aber gegenüber gestellt werden", so Jens Reinhardt. Um das Projekt Freifunk in Paderborn starten zu können, werden noch Zugangspunkte benötigt. Pekrul: "Der Computerclub C3 PB macht den Anfang und stellt in Kürze ein Gateway zur Verfügung." Sobald dieser in Betrieb ist, werden die ersten Freifunk-Router aufgestellt. "Ende des Jahres soll es soweit sein", sagt Hardes.

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