Wertvolle Dienste: Minijobber arbeiten in Küchen, fahren das Essen aus und begleiten alte Menschen. Bald muss die Caritas als kirchlicher Träger ihnen wesentlich mehr bezahlen. Etlichen Einrichtungen droht deshalb das Aus. - © SYMBOLFOTO: DPA
Wertvolle Dienste: Minijobber arbeiten in Küchen, fahren das Essen aus und begleiten alte Menschen. Bald muss die Caritas als kirchlicher Träger ihnen wesentlich mehr bezahlen. Etlichen Einrichtungen droht deshalb das Aus. | © SYMBOLFOTO: DPA

Paderborn Caritas muss ihre Minijobber besser bezahlen

Offenbar fehlt dem Wohlfahrtsverband das Geld

Paderborn. Paderborn. Sie fahren das Essen für alte Menschen aus, sie helfen bei der Pflege in Krankenhäusern oder Altenheimen oder betreuen Schüler in der Mittagspause. Geringfügig Beschäftigte, sogenannte Minijobber, sind aus vielen gesellschaftlichen Bereichen nicht mehr wegzudenken. Auch in den Einrichtungen der Caritas, dem Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche, sind sie sehr zahlreich vertreten. Bundesweit arbeiten dort 45.000 Minijobber, in NRW sind es rund 19.000 und im Erzbistum Paderborn etwa 2.500. Viele von ihnen müssen sich aber wohl eine andere Arbeitsstelle suchen. Denn die katholische Kirche wird aller Voraussicht nach zahlreiche soziale Dienste schließen, die bislang auf die Arbeitskraft von Minijobbern zurückgegriffen haben. Grund: Den geringfügig Beschäftigten im katholischen Wohlfahrtsverband muss bald deutlich mehr Lohn gezahlt werden. Deshalb wird sich "der Caritasverband Paderborn notgedrungen aus der Übermittagbetreuung von Schülern verabschieden", sagt Norbert Altmann. Auch im Kreis Höxter werde man den Dienst "Essen auf Rädern" nicht fortführen, "weil es sich nicht mehr rechnet". Das seien nur einige Beispiele. Die Probleme hätten deutschlandweit alle Bistümer, sagt Altmann, der für den Diözesancaritasverband Paderborn tätig ist und für die "Dienstgeberseite" auf Bundesebene in der arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbandes (AK) sitzt. Altmann kennt deshalb die Hintergründe, die durchaus ein wenig kompliziert sind. Um sie zu verstehen, muss man auch ins kirchliche Arbeitsrecht eintauchen. In der arbeitsrechtlichen Kommission handeln kirchliche Arbeitgeber und -nehmer die "Richtlinien für Arbeitsverträge in den Einrichtungen des Deutschen Caritasverbandes" (AVR) aus. Sie bestimmen, wie hauptamtliche Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen entlohnt werden. Die AVR sind an den öffentlichen Dienst angelehnt. Neben den hauptamtlichen Beschäftigten gibt es vor allem bei der Caritas aber auch zahlreiche geringfügig Beschäftigte. Ein Charakteristikum ist, dass sie von der Sozialversicherungspflicht befreit sind, sofern der Lohn die Grenze von 450 Euro im Monat nicht übersteigt. Der Arbeitgeber zahlt dann pauschal Abgaben für die Renten- und Krankenversicherung. Mittlerweile gibt es Minijobber wie Sand am Meer, im letzten Jahr waren es 7,45 Millionen bundesweit. Auch im Bereich der Caritas seien die Minijobs "missbraucht" worden, um die Löhne zu drücken, sagt Thomas Rühl aus Salzkotten, der für die Mitarbeiterseite in der arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbandes sitzt. Bereits im Jahr 2009 wurde deshalb dort vereinbart, dass Minijobber genauso eingestuft werden müssen wie die hauptamtlichen Caritas-Beschäftigten. Eine Krankenschwester zum Beispiel, die nur wenige Stunden arbeitet, muss danach den für ihre Berufsgruppe vereinbarten tariflichen AVR-Bruttostundenlohn erhalten. Allerdings drückten die deutschen Bischöfe noch eine Übergangsphase durch, wonach die Minijobber bis zum 31. Dezember 2013 nach einer "pauschalen Nettobetrachtung" bezahlt werden dürfen. Dabei kalkulierte die Kirche bei der Entlohnung den Vorteil ein, den die Minijobber durch die Befreiung von der Sozialversicherungspflicht erzielten. "Das entsprach nicht dem geltenden Recht", sagt Rühl. Es müsse "Bruttolohngleichheit" herrschen. Die anstehenden Lohnerhöhungen könne die Caritas aber nicht stemmen, sagt Altmann. Im Minijob "zahlen wir unseren Fahrern jetzt zwischen acht und neun Euro in der Stunde - die niedrigste AVR-Eingruppierung beginnt aber bei zwölf Euro". Am Ende, fürchtet der Caritas-Mann, werden viele Minijobber ohne Arbeit dastehen, obwohl sie das Geld dringend brauchen. Außerdem bezahlten viele nicht tarifgebundene private Firmen Minijobber deutlich "schlechter als die Caritas".  Geringfügig Beschäftigte, sogenannte Minijobber, sind aus vielen gesellschaftlichen Bereichen nicht mehr wegzudenken. Auch in den Einrichtungen der Caritas, dem Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche, sind sie sehr zahlreich vertreten. Bundesweit arbeiten dort 45.000 Minijobber, in NRW sind es rund 19.000 und im Erzbistum Paderborn etwa 2.500. Viele von ihnen müssen sich aber wohl eine andere Arbeitsstelle suchen. Denn die katholische Kirche wird aller Voraussicht nach zahlreiche soziale Dienste schließen, die bislang auf die Arbeitskraft von Minijobbern zurückgegriffen haben. Grund: Den geringfügig Beschäftigten im katholischen Wohlfahrtsverband muss bald deutlich mehr Lohn gezahlt werden. Deshalb wird sich "der Caritasverband Paderborn notgedrungen aus der Übermittagbetreuung von Schülern verabschieden", sagt Norbert Altmann. Auch im Kreis Höxter werde man den Dienst "Essen auf Rädern" nicht fortführen, "weil es sich nicht mehr rechnet". Das seien nur einige Beispiele. Die Probleme hätten deutschlandweit alle Bistümer, sagt Altmann, der für den Diözesancaritasverband Paderborn tätig ist und für die "Dienstgeberseite" auf Bundesebene in der arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbandes (AK) sitzt. Altmann kennt deshalb die Hintergründe, die durchaus ein wenig kompliziert sind. Um sie zu verstehen, muss man auch ins kirchliche Arbeitsrecht eintauchen. In der arbeitsrechtlichen Kommission handeln kirchliche Arbeitgeber und -nehmer die "Richtlinien für Arbeitsverträge in den Einrichtungen des Deutschen Caritasverbandes" (AVR) aus. Sie bestimmen, wie hauptamtliche Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen entlohnt werden. Die AVR sind an den öffentlichen Dienst angelehnt. Neben den hauptamtlichen Beschäftigten gibt es vor allem bei der Caritas aber auch zahlreiche geringfügig Beschäftigte. Ein Charakteristikum ist, dass sie von der Sozialversicherungspflicht befreit sind, sofern der Lohn die Grenze von 450 Euro im Monat nicht übersteigt. Der Arbeitgeber zahlt dann pauschal Abgaben für die Renten- und Krankenversicherung. Mittlerweile gibt es Minijobber wie Sand am Meer, im letzten Jahr waren es 7,45 Millionen bundesweit. Auch im Bereich der Caritas seien die Minijobs "missbraucht" worden, um die Löhne zu drücken, sagt Thomas Rühl aus Salzkotten, der für die Mitarbeiterseite in der arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbandes sitzt. Bereits im Jahr 2009 wurde deshalb dort vereinbart, dass Minijobber genauso eingestuft werden müssen wie die hauptamtlichen Caritas-Beschäftigten. Eine Krankenschwester zum Beispiel, die nur wenige Stunden arbeitet, muss danach den für ihre Berufsgruppe vereinbarten tariflichen AVR-Bruttostundenlohn erhalten. Allerdings drückten die deutschen Bischöfe noch eine Übergangsphase durch, wonach die Minijobber bis zum 31. Dezember 2013 nach einer "pauschalen Nettobetrachtung" bezahlt werden dürfen. Dabei kalkulierte die Kirche bei der Entlohnung den Vorteil ein, den die Minijobber durch die Befreiung von der Sozialversicherungspflicht erzielten. "Das entsprach nicht dem geltenden Recht", sagt Rühl. Es müsse "Bruttolohngleichheit" herrschen. Die anstehenden Lohnerhöhungen könne die Caritas aber nicht stemmen, sagt Altmann. Im Minijob "zahlen wir unseren Fahrern jetzt zwischen acht und neun Euro in der Stunde - die niedrigste AVR-Eingruppierung beginnt aber bei zwölf Euro". Am Ende, fürchtet der Caritas-Mann, werden viele Minijobber ohne Arbeit dastehen, obwohl sie das Geld dringend brauchen. Außerdem bezahlten viele nicht tarifgebundene private Firmen Minijobber deutlich "schlechter als die Caritas".  

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