Paderborn Kleine Gemeinde mit großer Sorge

Die Bürgerstiftung Paderborn finanziert die Restaurierung der Mauer um den Jüdischen Friedhof

VON HANS-HERMANN IGGES
Tanja Rubens (Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn, v. r.), Bauunternehmer Johannes-Dieter Huneke und Hans Behringer (Bürgerstiftung Paderborn) an einer der schadhaften Mauerstellen. - © FOTOS: HANS-HERMANN IGGES
Tanja Rubens (Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn, v. r.), Bauunternehmer Johannes-Dieter Huneke und Hans Behringer (Bürgerstiftung Paderborn) an einer der schadhaften Mauerstellen. | © FOTOS: HANS-HERMANN IGGES

Paderborn. Historisches Kleinod, Zeugnis schmerzlich bewegter Geschichte – und zentraler Ort einer der kleinsten Religionsgemeinschaften in Paderborn: Das alles ist der Jüdische Friedhof an der Warburger Straße. Dessen Pflege wächst den 60 Gemeindemitgliedern, die verstreut in den Kreisen Paderborn, Höxter und Soest leben, jedoch fast – vor allem finanziell – über den Kopf. Nun springt ihr bei der Restaurierung der bröckelnden Friedhofsmauer die Bürgerstiftung Paderborn zur Seite.

"Es ist nicht unsere Art, um Spenden zu bitten – und so finden wir es um so wertvoller, dass die Bürgerstiftung Paderborn von sich aus auf die Idee gekommen ist, uns zu unterstützten", bedankte sich gestern Tanja Rubens, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn, bei Hans Behringer, Vorsitzender der Bürgerstiftung. Der traf sich mit Tanja Rubens, weiteren Mitgliedern der Kultusgemeinde und Bauunternehmer Johannes Dieter Huneke aus Borchen, um Medienvertretern das anstehende Projekt an einem der unbekanntesten Orte Paderborns vorzustellen: Es geht um die Sanierung von 70 Quadratmetern Friedhofsmauer aus dem Gründungsjahr des Friedhofes 1883.

Information

Jüdischer Friedhof

1883 angelegt. 1933 zählte die Jüdische Gemeinde in Paderborn 350 Mitglieder.

bis 1898 gab es noch Bestattungen auf dem Friedhof an der Pippinstraße, wo seit 1959 die Synagoge steht. Die Gebeine wurden beim Bau der Unterführung an die Warburger Straße umgebettet.

Viele Grabstellen wurden in der NS-Zeit geschändet.

Inzwischen bröckelt die Bruchsteinmauer an vielen Stellen, Fugen müssen ausgebessert, womöglich ganze Steine ersetzt werden. Kostenpunkt: Etwa 4.500 Euro. Dabei bekommt die Jüdische Gemeinde jährlich nur 4.000 Euro vom Land für die Pflege des unter Denkmalschutz stehenden, 4.000 Quadratmeter großen Friedhofes mit allein 250 historischen Grabstellen. Tanja Rubens: "Davon bezahlen wir einen Gärtner, und vieles halten Gemeindemitglieder ehrenamtlich in Stand."

Aber allein die Gräber für mittellos gestorbene Gemeindemitglieder – davon gab es in letzter Zeit drei – kosteten je 1.000 Euro, so Tanja Rubens. Ein ganz neues Gräberfeld wurde 2010 eingerichtet, Wege mussten angelegt, große Bäume beschnitten, alte Grabmale saniert werden. Erst seit kurzem gibt es am Eingang zum Friedhof überhaupt einen Strom- und einen Wasseranschluss. Die Vorsitzende der Kultusgemeinde: "Die Unterhaltung des Friedhofes ist eine große Sorge für uns. Am liebsten wäre es uns, die Stadt Paderborn würde das übernehmen. Dafür würden wir natürlich den kompletten Landeszuschuss an die Stadt abtreten."

Hans Behringer, auch Ortskurator für die "Deutsche Stiftung Denkmalschutz", machte gestern deutlich, dass man seitens der Bürgerstiftung nicht lange gezögert habe, sich mit 4.000 Euro an den Sanierungskosten zu beteiligen, als er im Gespräch mit Tanja Rubens von der Sorge gehört habe, den Friedhof zu unterhalten. Behringer: "Für unser finanzielles Engagement gibt denkmalpflegerische, historische, aber auch stadtplanerische Gründe." Geplant sei nun auch, den Jüdischen Friedhof in das Programm zum Tag des offenen Denkmals im September einzubeziehen. Der stehe, so Behringer, unter dem Motto "Verborgene Denkmale".

Tatsächlich ist der Jüdische Friedhof an der Warburger Straße direkt neben der Universität in der Regel verschlossen. Angehörige von Verstorbenen haben einen eigenen Schlüssel. Tanja Rubens: "Allerdings ist es auch kein Problem, sich einen Schlüssel bei uns auszuleihen, wenn man diesen Ort besuchen will."

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