Paderborn Abenteuer im Wilden Westen

Wie der prächtige Pfauenstuhl aus einer Kneipe am Mississippi gerettet wurde

VON ROLAND MAORO
Buchautor Wolfgang Stüken (v. l.), der Vorsitzende des Deutsch-Amerikanischen Freundeskreises Bernd Broer und Geschäftsführer Dr. Otmar Allendorf. - © FOTO: ROLAND MAORO
Buchautor Wolfgang Stüken (v. l.), der Vorsitzende des Deutsch-Amerikanischen Freundeskreises Bernd Broer und Geschäftsführer Dr. Otmar Allendorf. | © FOTO: ROLAND MAORO

Paderborn. Es ist eine abenteuerliche Geschichte aus dem Wilden Westen: Warum der Pfauenstuhl des Paderborner Haus-Heiligen St. Liborius ausgerechnet in St. Louis am Mississippi eine Kirche schmückte, warum dieser prächtige Stuhl dann plötzlich in einer amerikanischen Kneipe landete und wie er aus diesem unwürdigen Dasein befreit wurde und seinen angemessenen Platz im Paderborner Rathaus fand - alles das ist jetzt in einer Broschüre nachzulesen, die der Deutsch-Amerikanische Freundeskreis gestern vorgestellt hat.

Ähnlich wie der Pfau die Gebeine des Hl. Liborius 836 von Le Mans nach Paderborn geleitet hatte, so ließ das Federtier auch die Paderborner Amerika-Auswanderer im 19. Jahrhundert auf ihrer beschwerlichen Reise nicht im Stich. Sie nahmen ihren Glauben, ihren Heiligen und seinen schönen Vogel mit in die "Neue Welt". In St. Louis, Missouri, am mächtigen Mississippi gründeten sie die St.-Liborius-Gemeinde und errichteten eine gewaltige Kirche, deren großer Turm dem Freiburger Münster nachempfunden wurde. Im Chor der Kirche hatte der Pfauenstuhl seinen Platz.

Doch nach 1910 ging es mit dem Stadtteil bergab. Viele Menschen zogen fort. 1991 wurde die Liborius-Kirche geschlossen, ein Jahr darauf das Mobiliar verkauft. So fand sich der prächtige Pfauenstuhl plötzlich als Sitzmöbel in "Wolfgang’s" Kneipe im benachbarten Städtchen O’Fallon nahe der Paderborner US-Partnerstadt Belleville wieder mit weiteren Kirchenbänken und sogar dem Beichtstuhl. In der Kneipe stände der Pfauenstuhl wohl heute noch, vollgequalmt und abgewetzt, wenn ihn nicht der Freundeskreis entdeckt und gerettet hätte.

Die damalige Präsidentin Ellen Rost kaufte den Stuhl 1994 für 1.000 Dollar. In Paderborn wurde er für 9.000 Mark renoviert. Seitdem ist der Pfauenstuhl das Schmuckstück in der Eingangshalle des Rathauses, eine beliebte Kulisse für die Hochzeitsfotos der frisch vermählten Brautpaare.

Es gibt noch viel mehr zu erzählen über St. Louis und den Pfauenstuhl. NW-Redakteur und Freundeskreis-Mitglied Wolfgang Stüken hat die ganze Geschichte nach Recherchen in Amerika in einer schönen Broschüre zusammengefasst, die der Freundeskreis anlässlich seines 25-jährigen Bestehens jetzt herausgegeben hat. Erhältlich für 3 Euro beim Verkehrsverein und im Buchhandel.

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