Paderborn "Epunkt e." sahnt erste Preise ab

Paderborner Team beim Wettbewerb "Jugend forscht" an der Spitze / 72 Teilnehmer mit 36 Projekten

VON FREDERIK GRABBE
Verena Hunstig (14) vom Team "Epunkt e." entwickelte einen flexibel einsetzbaren Lärmschutz für Fenster. Für die Ausrichtung von "Jugend forscht" wird das HNF unterstützt: 60.000 Euro hat die Initiative aus Stadt und Wirtschaft "Paderborn überzeugt" für die kommenden fünf Jahre zusammengelegt, - © FOTOS: FREDERIK GRABBE
Verena Hunstig (14) vom Team "Epunkt e." entwickelte einen flexibel einsetzbaren Lärmschutz für Fenster. Für die Ausrichtung von "Jugend forscht" wird das HNF unterstützt: 60.000 Euro hat die Initiative aus Stadt und Wirtschaft "Paderborn überzeugt" für die kommenden fünf Jahre zusammengelegt, | © FOTOS: FREDERIK GRABBE

Paderborn. Die Kinder und Jugendlichen des privaten Paderborner Tüftler-Teams "Epunkt e." dürften mittlerweile als Veteranen der "Jugend forscht"-Wettbewerbe gelten. Immer wieder belegten sie in den Vorjahren beste Plätze. Dieses Mal schickten sie gleich fünf Gruppen beim Nachwuchs-Wissenschaftswettbewerb im Heinz-Nixdorf-Museums-Forum (HNF) ins Feld - und räumten in den Kategorien "Jugend forscht" (15 bis 21 Jahre) und "Schüler experimentieren" (10 bis 14) jeweils einen ersten Preis ab.

Wenn man nach einem roten Faden forscht, der sich durch die Erfindungen des Teams Epunkt e. zieht, dann besteht dieser aus einem praktischen Anwendungsbezug. So konnten die Geschwister Miriam (15) und David Löcke (17) mit einer konkreten Hilfe für Menschen überzeugen, die an Tremor leiden.

Information

Weitere Erfolge

In der Kategorie "Schüler experimentieren" belegten folgende Paderborner Teilnehmer einen 2. Platz:

Isabell Altmiks (Physik) vom Gymnasium Sankt Michael. Ihr Thema: Resonanzen in einer Flasche.

Jannik Bruns und Lisa Dohle (Physik) vom Goerdeler Gymnasium. Das Thema: Roboter-Batterie

Judith Löcke, Sivia Wille, Sarah Mertens von Epunkt e. (Arbeitswelt). Thema: Toilettenpapier-Tests.(fg)

"Tremor ist ein unkontrollierbares Muskelzittern", beschreibt Miriam. "Heutzutage ist das Arbeiten am Computer ja sehr wichtig. Der Tremor ist insbesondere hinderlich, wenn man mit dem Cursor der Maus bestimmte Flächen auf dem Bildschirm gezielt treffen muss", erklärt sie. Die Geschwister haben ein Programm geschrieben, das dieses Zittern auszugleichen versucht.

"Wenn ich mit einer bestimmten Geschwindigkeit mit der Maus über den Bildschirm fahre, dann funktioniert das problemlos. Wenn ich aber an einer bestimmten Ecke stehen bleibe, setzt ein Dämpfer ein", führt David am PC vor. Wie eine Art angezogene Handbremse erlaubt diese Funktion trotz zittern der Hand das sichere Navigieren am Rechenknecht. "In Deutschland gibt es 5,5 Millionen bestätigte Tremor-Fälle mit unterschiedlichen Ausprägungen", fügt David hinzu.

Nicht weniger praktisch ist das Projekt von Epunkt-e.-Kollegin Verena Hunstig angelegt: Die 15-Jährige hat einen flexiblen Schallschutz für Fenster entwickelt. "Ich wohne in der Westernstraße. Da kann es am Wochenende schon mal lauter werden", erzählt sie. Einige schlaflose und arbeitsreiche Nächte später stand ihre Lösung: Sie hat Rigipsplatten und Mineralwolle in C-Profile gefasst, die sich je nach Fenstergröße vor die Scheibe setzen lassen. Nach 23 Schall-Messungen konnte sie feststellen, dass die durchschnittliche Lautstärke von 34 auf 30 Dezibel gefallen ist, eine Minderung um 10 Prozent. Neben dem 1. Preis in der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen wurde Verena der Umwelt-Sonderpreis vom Landesumweltamt überreicht.

Die Erstplatzierten haben sich für das "Jugend forscht"-Landesfinale vom 18. bis 20. März in Leverkusen qualifiziert. Dort findet vom 30. Mai bis 2. Juni auch das Bundesfinale statt.

Über den Waldeyer-Preis des Kreises Paderborn freute sich Tobias Winzenick. Der 12-jährige Schüler des Pelizaeus-Gymnasiums untersuchte die Fallweisen von Jenga-Türmen. Seine in Zweier-Turm-Bauweise aufgestapelten Holzkonstrukte hat er auf unterschiedlichste Arten zum Einsturz gebracht und statistisch ihre Fallart konstatiert: "Besonders stabil sind Türme mit drei Etagen", lautet Tobias’ Fazit.

Untersucht er noch mehr Bauweisen, könnte dies Aufschlüsse bei der Statik für den Bau von Hochhäusern bieten, so seine Hoffnung.
"Künftig wollen wir noch systematischer in den Schulen für ,Jugend forscht’ werben und noch mehr Projekt an den Start bringen", kündigt der Geschäftsführer des HNF, Kurt Beiersdorfer, an. Er begrüßte zum dritten Mal die Jungforscher des Regionalwettbewerbs, der Jugendliche für technische und naturwissenschaftliche Berufe begeistern soll, im HNF. Bei den Anmeldezahlen gebe es "noch immer Luft nach oben", weiß er.

Wie wichtig indes die Betreuungslehrer an den Schulen für den Wettbewerb sind, mussten die Organisatoren in diesem Jahr feststellen: Wurden 2012 noch 45 Projekte beim Regionalentscheid im HNF angemeldet, sind es 2013 nur noch 36.

"Viele Lehrer, die sich für ,Jugend forscht’ engagiert haben, sind aus dem Berufsleben ausgeschieden", erklärt Regionalwettbewerbsleiter Hauke Friedrich diesen Rückgang. Nun will man bei den Referendaren in den Studienseminaren die Werbetrommel für den Forschungs-Wettbewerb rühren.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group