Paderborn Wie Behinderte Sex erleben

Filmfestival "Überall dabei" der Aktion Mensch angelaufen / Rachel Wotton live im Cineplex

Catharina König und Rachel Wotton (v. l.) gaben im Cineplex einen Einblick in ihre Arbeit. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Catharina König und Rachel Wotton (v. l.) gaben im Cineplex einen Einblick in ihre Arbeit. | © FOTO: REINHARD ROHLF

Paderborn. Wer eine schwere Behinderung hat, hat oft nur wenige Möglichkeiten, Sex zu erleben. Ein Dilemma, dem sich der Dokumentarfilm "Rachels Weg" angenommen hat. Rachel Wotton ist Sexarbeiterin. Ihre Klienten sind schwerstbehindert, für viele ist Rachel die einzige Möglichkeit Sexualität zu erleben. Am Wochenende lief der australische Film im Rahmen des Aktion-Mensch-Filmfestivals "Überall dabei" im Cineplex. Mit dabei war auch Rachel Wotton selbst und ihre deutsche Kollegin Catharina König.

Quasi im Rotlicht, im rot gestrichenen Treppenhaus des Cineplex Paderborn, sitzen Gisela Schmidt-Gieseke von ProFamilia Paderborn und die Sexarbeiterin Catharina König bei einem Kaffee und unterhalten sich über ein Thema, das wohl jeden interessiert: Sex. "Frau König und ich machen eigentlich einen ähnlichen Job" sagt die 58-jährige Sexualpädagogin. "Wir beide helfen Menschen dabei ihre Sexualität auszuleben."

Information

Noch drei Termine

Das inklusive Filmfestival "überall dabei" tourt noch bis zum 8. Mai durch insgesamt 40 deutsche Städte.

In Paderborn werden noch drei Filme gezeigt.

Am heutigen Montag: "Deaf Jam", ein Film über eine gehörlose Poetry-Slam-Poetin aus Israel.

Dienstag: "Zwillingsbrüder", eine Dokumentation, die über 10 Jahre lang zwei schwedische Brüder, einer groß, einer kleinwüchsig, bis zu ihrem 19. Geburtstag begleitete.

Mittwoch: Thriller "Blind", der von einer blinden Polizistin erzählt, die gegen einen Serienmörder aussagen muss.

Beginn immer um 18 Uhr im Cineplex, Kinopassage Westernstraße.

Mehr Informationen zu "Rachels Weg" unter:
www.scarletroad.com.au

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"Nur ich ziehe mich dabei auch aus" fügt Catharina König augenzwinkernd hinzu. Sie hat weiße, lockige Haare, trägt eine orange Hose passend zum orangenen Brillengestell, einen schwarzen Pulli, Handstulpen und sieht dabei nicht gerade aus wie die typische Prostituierte.

"Das bin ich auch nicht", erzählt die 54-jährige: "Ich bin ausgebildete Sexualbegleiterin für behinderte Menschen. Bei der Sexualbegleitung geht es nicht nur um sexuelle Dienstleistungen sondern in erster Linie um die Begegnung zwischen zwei Menschen."
Seit sieben Jahren lebt die Bochumerin nun schon von diesen Begegnungen. Ihre Klienten sind Schwerstmehrfachbehinderte, Autisten, auch geistig Behinderte oder ältere Menschen, die absolut keine Erfahrung mit Sexualität haben, 95 Prozent davon sind Männer. König: "Oft geht es um Lernprozesse. Ein Auftrag kann sein: Wie begegne ich einem Menschen, den ich attraktiv finde? Das üben wir dann. Oder aber: Wie kann ich masturbieren? Auch da helfe ich." Während sie redet fällt auf: Diese Frau ist von ihrem Job wirklich begeistert. "Ja, der Job macht mir sehr viel Freude" lacht die 54jährige. "Auch das wissen viele nicht: Prostituierte machen ihren Job oft selbstbestimmt und gerne."

Inzwischen ist es sechs Uhr. Rund 50 Zuschauer haben sich in dem Kinosaal 5 versammelt, um "Rachels Weg" (Originaltitel "Scarlet Road") zu sehen. Obwohl das Cineplex eine Reihe Kinosessel ausgebaut hat, um den Zugang barrierefrei zu gestalten, glückt dies nicht ganz: Eine Besucherin mit einem 150kg schweren Rollstuhl muss seitlich zur Leinwand stehen, der Rollstuhl eines jungen Mannes passt nur in den Gang.

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