Paderborn Paderborner Theaterchefin wechselt fast gesamtes Ensemble aus

Katharina Kreuzhage schickt 22 Mittarbeitern die "Nichtverlängerungsmitteilung"

Paderborner Theaterchefin wechselt fast gesamtes Ensemble aus - © Kultur
Paderborner Theaterchefin wechselt fast gesamtes Ensemble aus | © Kultur

Paderborn (st). In der ostwürttembergischen 67.000-Einwohner-Stadt Aalen verzückt zurzeit der unterhaltsam-satirische Liederabend "Am offenen Herzen" das Publikum des Stadttheaters. Es ist die jüngste Inszenierung unter der Theaterleitung von Katharina Kreuzhage. 2013 wechselt die 48-Jährige als neue Intendantin nach Paderborn.

Auch die Vorboten dieses Wechsels muten aus Sicht mancher Paderborner Theaterfreunde wie eine Operation "Am offenen Herzen" an - am Herzen der Paderborner Bühne. Gegenüber der NW hatte die Nachfolgerin der amtierenden Intendantin Merula Steinhardt-Unseld im Oktober angekündigt, die von ihr geplanten personellen Veränderungen in Paderborn beträfen "insgesamt etwa 10 Stellen". Doch Kreuzhage, die nicht nur Theaterregie studiert hat, sondern auch Wirtschaftswissenschaften, greift offenbar zum eisernen Besen: 22 mit befristeten Verträgen beschäftigte Mitarbeiter müssen das neue Haus am Neuen Platz verlassen.

Die einstimmig gewählte neue Intendantin. - © FOTO: R. ROHLF
Die einstimmig gewählte neue Intendantin. | © FOTO: R. ROHLF

Kreuzhage hat ihnen nach arbeitsrechtlich vorgeschriebenen Anhörungsgesprächen, die Ende September/Anfang Oktober stattfanden, die sogenannte "Nichtverlängerungsmitteilung" ins Haus flattern lassen. Betroffen sind unter anderem neun der zehn festangestellten Schauspieler des Theaters und damit fast das komplette Ensemble. Das Publikum der Spielzeit 2013/14 wird sich auf viele neue Gesichter einstellen müssen. Der Paderborner Bühne erhalten bleibt allein Willi Hagemeier (57). Das Urgestein der Kammerspiele, seit 1988 hier unter Vertrag, hat aufgrund seiner langen Paderborner Bühnenjahre den Status "unkündbar".

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Dass mit einem Intendantenwechsel personelle Veränderungen beim Theaterpersonal einher gehen, ist an deutschen Bühnen durchaus üblich. Das Ausmaß der in Paderborn bevor stehenden "Umbesetzung" hat allerdings auch Insider des Theaterbetriebs gründlich überrascht. Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei "nicht so gut", wurde gestern am Neuen Platz eher vorsichtig formuliert.

Der musikalische Leiter Gerd Gemke und der Leitende Dramaturg Jörg Uhl arbeiten seit mehr als 15 Jahren am Paderborner Theater. Das hat sie vermutlich - wie Willi Hagemeier - vor der "Nichtverlängerungsmitteilung" geschützt. Auch Personal der technischen Ressorts und der Verwaltung muss gehen, darunter die Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeit. Betroffen sind auch handwerkliche Berufe. So muss ein Maler des Theaters gehen, dem die heutige Intendantin einen befristeten "Normalvertrag" des Deutschen Bühnenvereins förmlich aufgedrängt haben soll.

Bürgermeister Heinz Paus als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Theater Paderborn-Westfälische Kammerspiele GmbH mochte gestern zu den personellen Folgen des Intendantinnen-Wechsels, der mehr als ein Drittel der 62,5 Stellen des Theaters trifft, nicht Stellung nehmen. Katharina Kreuzhage sah von einer zunächst ins Auge gefassten Presseerklärung ab.

Am Theater Paderborn wird bereits für ein turbulentes Silvesterstück geprobt. Es heißt "Der nackte Wahnsinn".

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