Das Team mit Prof. Dr. Gregor Fels (Chemie, v. l.), Dr. Andrea Zoyke (Wirtschaftspädagogik) sowie Dipl.-Kfm. Philipp Herrmann, Michael Whittaker und Prof. Dr. Dennis Kundisch (Wirtschaftsinformatik). Auf dem Foto fehlen Prof. Dr. Marc Beutner (Wirtschaftpädagogik), Prof. Dr. Johannes Margenheim (Informatik) sowie Jürgen Neumann (Wirtschaftsinformatik). - © FOTO: HEIKE PROBST
Das Team mit Prof. Dr. Gregor Fels (Chemie, v. l.), Dr. Andrea Zoyke (Wirtschaftspädagogik) sowie Dipl.-Kfm. Philipp Herrmann, Michael Whittaker und Prof. Dr. Dennis Kundisch (Wirtschaftsinformatik). Auf dem Foto fehlen Prof. Dr. Marc Beutner (Wirtschaftpädagogik), Prof. Dr. Johannes Margenheim (Informatik) sowie Jürgen Neumann (Wirtschaftsinformatik). | © FOTO: HEIKE PROBST

PADERBORN Frische Methoden im Hörsaal

Mehr Lernerfolg mit Smartphones und Netbooks in Vorlesungen

VON HEIKE PROBST

Paderborn. Im Audimax der Universität Paderborn steht die Vorlesung "Einführung in die Wirtschaftsinformatik" bei Prof. Dr. Dennis Kundisch auf dem Stundenplan. Doch die fast 600 Studierenden folgen nicht den Ausführungen des Dozenten, sondern sind in etwa 150 gleichzeitige Gespräche mit ihren Nachbarn vertieft.


Was sich anhört wie ein einziges großes Chaos, ist in Wirklichkeit Teil eines neuen Vorlesungskonzepts, das ein interdisziplinäres Forschungs-Konsortium an der Uni Paderborn entwickelt hat: "Peer Instruction" nennt sich dieses Lehr-Lern-Modell, das der Physiker Eric Masur seit den 1990er Jahren an der Universität Harvard entwickelt hat und das auf stärkerer Zusammenarbeit zwischen Lehrenden (das englische Wort "Peer" heißt "Baufsichtigender") und Lernenden beruht.


Dieses Modell hat sich ein zehnköpfiges Team um den Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Dennis Kundisch, den Wirtschaftspädagogen Prof. Dr. Marc Beutner, den Informatiker Prof. Dr. Johannes Magenheim und den Chemiker Prof. Dr. Gregor Fels zum Vorbild genommen und ein Konzept zur Verbesserung der Interaktivität in großen Lehrveranstaltungen entwickelt.



Förderpreis für Innovation und Qualität in der Lehre

Im Dezember 2011 gewannen sie damit den zum ersten Mal verliehenen Förderpreis für Innovation und Qualität in der Lehre der Universität Paderborn. Die 30.000 Euro Preisgeld investierten sie in die Entwicklung einer technisch und inhaltlich pfiffigen Methode, die Studierende aus ihrer passiven Zuhörerrolle herausholt.

Information

Fit durch Workshops

Per Workshop wurden Dozentinnen und Dozenten gerade fit gemacht für den eigenen Einsatz. Zwei Videos und ein Handbuch unterstützen die Veranstaltungen. Anleitungen zur Umstellung der Vorlesungen, für die Formulierung der Fragen, zur Nutzung des Computertools und zur Gestaltung der Peer Instruction-Phase stehen neben einer generellen Einführung in die Methode im Fokus. www.upb.de/ppi




Eine Vorlesung ist nämlich oft ein Monolog eines Dozenten, der Wissen an die vor ihm sitzenden Studierenden in Form eines Vortrags weitergibt, unterstützt durch Folien oder ein Tafelbild. Der Lehrende kann weder die Aufmerksamkeit der Studierenden überprüfen noch weiß er, ob sie seinen Erklärungen folgen können. Die Möglichkeit zum Dialog ist sehr begrenzt und sinkt mit steigender Zahl der Zuhörer. Dies ist besonders in Einführungsveranstaltungen der Wirtschaftswissenschaftler mit teilweise über 1.000 Teilnehmenden ein großes Problem.


"Wenn man den Peer Instruction-Gedanken bis zum Ende durchdenkt, dann funktioniert eine Vorlesung bei uns ganz anders", sagt Prof. Dr. Dennis Kundisch. Die Studierenden kommen vorbereitet in die Vorlesung. Zu Beginn hält der Dozent ein kurzes Impulsreferat. Dann folgt eine Multiple-Choice-Frage zum Thema.


"Die Entwicklung innovativer Konzepte für die universitäre Lehre zahlt sich auch für die Forschung aus."


"Prof. Fels nutzte für diese Befragung der Studierenden sogenannte Clicker, wie sie auch in Günter Jauchs Quizsendung "Wer wird Millionär?" beim Publikumsjoker verwendet werden", erläutert Dennis Kundisch. "Wir nutzen die Smartphones, WAP-fähigen Handys, Netbooks oder alle anderen internetfähigen Endgeräte der Studierenden. Jede Vorlesung hat einen generierten Code, der zu Beginn der Vorlesung bekannt gegeben wird. Die Studierenden wählen sich ein und gelangen auf eine Website. Die Fragen werden automatisch auf die Endgeräte gepusht."


Die Studierenden haben vier Antwortmöglichkeiten und ein bis zwei Minuten Zeit, um ihre Auswahl abzuschicken. Die Auswertung steht dem Dozenten auf seinem Rechner sofort zur Verfügung. Waren mehr als 80 Prozent der Antworten richtig, folgt nach einer kurzen Fragemöglichkeit das nächste Impulsreferat. Waren weniger als 30 Prozent der Antworten richtig, dann muss der Dozent noch mal mit der ersten Erklärung starten.


"Die Entwicklung innovativer Konzepte für die universitäre Lehre zahlt sich auch für die Forschung aus", fasst Dennis Kundisch zusammen: "Wir wollen uns in einem Anschlussprojekt mit der Entwicklung anderer Frageformate beschäftigen, um den Ansatz noch attraktiver und universeller zu gestalten".

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